Am Abend des zweiten Reisetages näherte sich der Reisende dem ersten größeren, von Pallisaden umgebenen Batakdorf. Krachend ward bei seinem Erscheinen ihm die Fall- thür der Eingangspforte vor der Nase zugeschlagen, und durch die Ritzen derselben streckten sich drohend einige Feuerrohre. Nachdem der Führer jedoch als Parlamentär mit dem Häuptling, der hier den Titel Sibajak führte, verhandelt hatte, ward die Pforte wieder geöffnet, und den Reisenden das Rath- und Passantenhaus — ein solches ist in jedem größeren Dorfe vorhanden — als Nachtquartier angewiesen.
Medner schildert in drastischer Weise den Empfang durch den Häuptling, der sich als ein sehr gcmüthlicher, jovialer alter Herr erwies, der sich für die feierlich dargereichten Geschenke mit dem Besten, was er hatte, revanchiren wollte, nämlich einer Flasche Bier, die schon seit 10 Zähren an einem Faden vor seinem Hause hängend in der Sonne briet und einen fetten, aber räudigen Köter von Hund zum Abendessen; die Bataks sind nämlich große Liebhaber von Hundefleisch.
Trotzdem die wenigsten Einwohner noch einen Europäer gesehen hatten und natürlich über die weiße Hautfarbe aufs Höchste erstaunt waren, betrugen sie sich doch überaus anständig und rücksichtsvoll; sie berührten ohne spezielle Erlaubniß nichts von seinen Sachen. Gestohlen ward auf der ganzen Reift von einem kleinen Buben nur einmal ein Löffel, der aber dem Vortragenden bereits am folgenden Morgen wieder mit sammt dem Misfethäter $11 beliebigen Bestrafung vom Radjah zugestellt wurde.
Kranke meldeten sich überall masfonhast zur Behand- fting, besonders zur Heilung von Kröpfen, deren Träger Ärmlich nach Einpinfelung mit Jodtinktur lechzten und gern dafür das geforderte Honorar von zwei frischgelegten Eiern zahlten.
Bei der Abreise aus diesem Dorfe am nächsten Morgen gab der Fürst, der den Vortragenden liebgewonnen hatte, auö freien Stücken fein über und über mit Silber beschlagenes Prunkgewehr als Geleitsbrief und zum Zeichen mit, daß er unter feinem Schutze stehe; damit war der Erfolg der Reift gesichert, denn das überall gekannte und refpektirte Prunkgewe^c war ein kostbarer Freipaß und wurde nun bei jeder Annäherung an ein Dorf feierlich dem Zuge vorangetrage».
Am Morgen deS vierten Tages stand der Reisende endlich auf der Höhe, und ftin erstaunter Blick schweifte weithin über eine kahl«, nur mit kurzem Gras bestandene Hochfläche, auf welcher zerstreut man die durch spärliche Baumgruppen weichin kenntlichen Dörfer liegen sah.
Drei thätige Vulkane rauchten ringsum, und fern am Horizont sah der Reiftnde die Wasierdämpfe des großen, über 60 Kilometer langen Tobasees, das Ziel seiner Reise. Mit Freuden begrüßte er hier als theure Erinnerung Blumen, die er zum letzten Mal in seiner fernen europäischen Heimath gesehen hatte, Veilchen. Vergißmeinnicht, Ranunkeln, Geißblatt, und labte sich an herrlichen Erdbeeren, die man Händevollweise hier pflücken konnte.
DaS Klima hier oben — die Hochebene liegt etwa 4000 Fuß hoch — war herrlich; ewiger Frühling herrschte hier. Des Nachts konnte es sogar beträchtlich kalt werden.
Mit frischen Kräften und in gehobener Stimmung ging'' es nun an die Durchquerung dieser von zahlreichen Rinder- , und Pferdeheerden belebten Hochebene, wobei man die Bemerkung machen konnte, daß alle einigermaßen brauch
baren Plätzchen zu Aeckern und Feldern umgewandelt waren, welche von fleißige» Händen mit einem selbsterfundenen Pfluge bearbeitet wurden. Die Bataks sind ein richtiges Ackerbauernvolk. Man vergaß beim Anblick dieser geordneten Kulturzustände .völlig, daß man sich unter veritablen Menschenfressern befand.
Mit sinkender Sonne stand die Karawane am Rande eines jäh abstürzenden vulkanischen Einsturzkessels Von riesigen Dimensionen und sah 1000 Fuß tief hinab aus die über 60 Kilometer lange spiegelnde Fläche des Teba- S««s, an defjen Usern der Ur- und Stammsitz der Batak-
Nation ist. Auf einem mühsamen halsbrecherischen Pfade erfolgte der Abstieg direkt nach dem am Ufer des Sees liegenden Dorfe Tongging. welches zum Standquartier während dreier Wochen erwählt wurde. Auch hier ward der Reisende gastfrei und freundlich ausgenommen.
Leider liegen drei Dinge verderblich wie Mehlthau auf der ganzen Entwicklung der Bataknation. Das ist einmal das Opium, das von Mann, Weib und Kind geraucht wird, und für das alle die Reichthümer, die der Handel mit den. weithin berühmten Batakponhs bringt, wieder draufgehen. Die Intelligenteren unter dem Volk wissen das auch recht gut und der alte Fürst von Tongging flehte mit kummervoller Bitte den Reisenden um eine Medizin gegen dieses Laster an.
Ein zweites Uebel ist die entsetzliche Spielwuth. Ueber» all stieß der Forscher auf die Spielbuden, in denen mit europäischen oder chinesischen Karten gespielt wurde. Hier verspielt manch Einer nicht nur sein Hab und Gut, sondern auch sich selbst, seine Freiheit, seine ganze Familie. Auf den großen Märkten, die auf der Hochebene geregelt abgehalten werden, hatte der Reisende mehrfach Gelegenheit, solche Unglückliche, die wegen Schulden verkauft werden sollten, darunter Frauen und Kinder, zu sehen.
Ein drittes Uebel sind die ewigen Kriege und Fehden, die allerdings oft ziemlich unblutig verlaufen.
Auch der Radja von Tongging lag augenblicklich mit fast allen umwohnenden Fürsten in Fehde, aber er sandte sofort Nachricht an dieselben und schloß für die ganze Zeit der Anwesenheit des Reifenden einen Waffenstillstand ab. Allein trotzdem ward die Freiheit der Bewegung durch diese Verhältnisse erheblich eingeschränkt, so daß der Forscher später im Aufträge der indischen Regierung sich zu einer zweiten Reise entschloß, und so fast die ganze nördliche, bisher noch so gut wie unbekannte Hälfte des riesigen Sers umgehen und kartographisch festlegen konnte.
Ein anderes, wichtiges Ergebniß der Reise war die Feststellung, daß der See nur einen einzigen Abfluß, und», zwar im 80 nach der Straße von Malakka zu besitzt und daß er, mit Ausnahme weniger kümmerlicher Rinnsale von den Abhängen ringsum, keinen nennenswerthen Zu- i fluß erhält, obwohl die großen Flüsse der Ostküste und die der Westküste oft nur wenige Kilometer von seinen Ufern entspringen. Der Tobasee bildet also eine Wasserscheide.
Außer diesen geographischen Resultaten brachte der Reisende reiche zoologische und botanische Schätze mit zurück; und daß er auch auf anthropologischem und ethnographischem Gebiete gute Ausbeute erhielt, dafür haben die beiden Vorträge ein rühmliches Zeugniß abgelegt.
Reicher Beifall lohnte den Redner für seinen Vortrag.
Wissenschaftliche Sitzung der Scuckeubergischen natursorschenden Gesellschaft«
Samstag, den 26. November 1898.
Der Vorsitzende, Herr Oberlehrer Blum, theilt mit, belgischen Gesellschaft nach Berlin die reichste in Deutsch-
datz im verflossenen Sommer der zweite Band des Reptilien- land ist, und es kann wohl gesagt werden, daß sie auch
Kataloges, der die Schlangen enthält, erschienen ist, wo- Zu den bestbearbeiteten gehört. Dies schöne Resultat vieler
durch die Amphibien- und Reptilien-Kataloge nunmehr Bemühungen und sorgfältiger Arbeit hat die Gesellschaft
vollständig sind. Aus diesen Katalogen geht hervor, daß in erster Linie Herrn Prof. Dr> O. B o e t t g e r zu
die herpetologische Sammlung des Museums der Sencken- verdanken. Sie wird ihm stets dafür verpflichtet sein.