Bon besonders merkwürdigen Thieren zeigt der Vor­tragende zwei neue Eidechsen aus der Geckonengattung I,)'go6aot)"1us von Madagaskar vor, sowie eine größere Anzahlvon neu erworbenen LtiÄ nr asIson-Arten, von denen namentlich solche-aus Kamerun und Deutjch-Ostafrika im männlichen Geschlecht durch seltsame Kopshörner oder eine , segelartige Hautsalte längs der Rückenmitte ausgezeichnet 1 l'inb. Bon Schlangen werden drei neue Gattungen vor- gclcgt. die i» den, im Drucke befindlichen Katalog der Lchlangensammlung zum ersten Mal beschrieben werden. 1 Bon Schildkröten verdient eine der beiden Arten von Riescnschildkröten Erwähnung, die die Gesellschaft seiner Zeit von der Insel Aldabra erhalten hat und die bis jetzt hier im Zoologischen Garten lebte. An dem eigen- thümlichen Beutelfrosch aus Ecuador wurde schließlich die auf dem Rücken des Weibchens befindliche Bruttasche demonstrirt. in der die Kaulquappen ihre volle Entwicklung durchmachen. i

Herr Hosrath Dr. B. Hagen lenkt die Aufmerksam­keit der anwesenden Mitglieder und Gäste aus die reiche und werthvolle Sammlung exotischer Schmetterlinge, die

die Gesellschaft dem verstorbenen Herrn Generalarzt Dr. A. Steinhaufen verdankt. Redner rühmt bei dieser Gelegenheit die Beschäftigung mit den Schmetter­lingen, die veredelnd aus Jung und Alt wirke und sagt, j daß er jeden Menschen bemitleide, dem es in seiner Knabenzeit nicht vergönnt war, seinen Lieblingen draußen in Feld und Wald nachzujagen.Zu den schönsten Er- innerungen aus meinem Tropenleben," bemerkt Redner,die ich um Nichts in der Welt missen möchte, gehören die Stunden, die ich proeul negotiio mit dem Schmetter­lingsnetz in der Hand draußen im Urwald zubringen durfte."

Der verstorbene Herr Generalarzt war, wie seine Samm­lung beweist, jedenfalls einer jener für alles Schöne und Großartige begeisterten Männer, und was ihm fern in fremden Zonen lebendig zu sehen versagt war, das trachtete er sich wenigstens zu Hause in seinen: Kreise in todtem Materiale zu verschaffen, und so hat er sich allmählich die umfassende Sanimlung angelegt, die er in echter Groß­herzigkeit der Senckcnbergischen naturforschenden Gesell­schaft testamentarisch vermacht hat. Die ganze Sammlung enthält ungefähr 1500 Arten in etwa 3000 Expemplaren, wovon die Hälfte ausgestellt sein mag.

Die Steinhausen'sche Sammlung bildet eine wichtige Bereicherung der Museumssammlung, und diese kann sich nunmehr in eine Reihe mit den Sammlungen viel größerer Staatsmuseen stellen. Der heute vorliegende Theil umfaßt die Familien der Papilioniden, der Pieriden, der Danaiden, der Heliconiden und der Acraeiden. Herr Hosrath Hagen demonstrirt hierauf deren hervorragendste Vertreter. ,

Zur Vorlage kommen ferner von Neuerwerbungen:

1. Drei Centurren Käfer aus Borneo, Celebes und Java, gesammelt von Herrn H. Fruhstorfer.

2. Ein größere Anzahl Käfer aus British Columbia, Geschenk des Herrn W. von Arand, hier.

3. Der höchst merkwürdige Käfer Hypocephalus armatus. Herr Major Dr. L. von Heyden berichtet darüber schriftlich: Derselbe wurde zuerst 1832 von Des- märest aus Brasilien beschrieben nach einem im Pariser Mussum befindlichen Exemplar, das damals zu 300 Francs angekauft war. Lange blieb es als Unikum ein Stein des Anstoßes für alle Systematiker; wegen der ganz aberranten Form seines Körpers und der Beine wurde es nach einander zu den Silphidae. Cucujidae,

! dann als besondere Familie zwischen die Lamellicornia

und Tenebrionidae gestellt. Spinola wollte das Thier sogar ganz aus den Käfern ausgeschieden wissen. Vur- meister war der Erste, der ihm seine richtige Stellung un der Spitze der Bockkäfer (IionZiooroia) bei den Prionidae zuwies. Die erste Abbildung wird vorgezeigt.

Von pflanzlichen Gegenständen sind aufgestellt und werden von Herrn Professor M. Möbius erläutert:

1. eine geöffnete Frucht der Leguminose Afzolia (Jntsia) africana mit den in einer Reihe liegenden, durch schmale Leisten getrennten schwarzen Samen, die sich durch einen scharlachrothen Samenmantel oder Arillus auszeichnen, ein Gebilde, wie es auch z. B. bei der Muskatnuß in Gestalt des sogenannten Macis und beim Ricinussamen als fleischige weißliche Schwiele vorkommt. Hier umgibt der Arillus nur die Anheftungsstelle des Samens, er ist fleischig, wachsartig und bildet in Guinea

I eine beliebte Sveise der Eingeborenen. Die Pflanze, vo« Her die Frucht flammt, ist ein mit der Tamarinde nahe verwandter Baum aus der Familie der Caesalpiniaceen.

2. ein Blatt der mit unseren Laichkräutern (Potamo* geton) nahe verwandten Ouvirandra fenestralis (Aponogeton fenestrale) aus den Flüssen des östlichen Madagaskar. Das Blatt ist in sehr zierlicher und regel­mäßiger Weise gitterartig durchbrochen; dadurch wird die absorbireude Obe: fläche des im Wasser untcrge- tauchten Blattes in ähnlicher Weife vergrößert wie durch die feine Zerschlitzung des Laubes an den Blättern anderer submerser Pflanzen, z. B. von Myriophillum und Batrochium. Etwas ähnliches wie bei Ouvirandra findet sich bei einigen Rothalgen des Meeres (Claudea und Martensia), von denen Abbildungen vorgezeigt werden. Die Durchbrechung des Blattes wird hier gleich bei seiner Bildung angelegt, cs erfolgt also keine nachträgliche Zer­störung von Gewebe, wie etwa bei der Lochbildung in den Blättern der bekannten Zimmerpflanze Pbiloäsnckron pertusum (Monstera deliciosa).

3. eine halbirte keimende Kokosnuß. Diese Nuß wurde im Sommer 1896 dem botanischen Garten durch Herrn Hofs übergeben und war von dessen Sohne, einem Steuermann, aus Trinidad angebracht worden. Sie zeigte damals schon ein hervortrercndes grünes Spitzchen. Im Gewächs­hause des botanischen Gartens auf nassem Schlamm liegend, entwickelte die Nuß im Verlaufe von etwa anderthalb Jahren noch einige Erstlingsblätter und zwei Wurzeln. Da eine Weiterentwicklung nicht zu erwarten war, wurde sie der Länge nach auseinander- gesägt und für das Museum in Formal gesetzt. Man sieht, wie der Keimling, der unter dem Keimloche im Fleische der Nuß gelegen war, durch das Loch hindurch nach außen gewachsen ist, hier den beblätterten Trieb gebildet hat, von dem aus auch die Wurzeln durch die Faserhülle sich herausgebohrt haben, wie er nach innen aber ein großes, aus weichem, schwammigen Gewebe bestehendes Saugorgan entwickelt hat. das die ursprünglich mit der Kokosmilch erfüllte Höhlung jetzt ganz ausfüllt und sich dem waudständigen Fleisch anlegt, um aus ihm die Nahrung für die Keimpfla»e zu saugen. Heber die Blüthen- und Fruchtbildung der Kokosnuß werden an der Hand anderer Präparate und guter Abbildungen einige weitere Mittheilungen gemacht.

Der Vorsitzende theilt mit, daß mit der heutigen Aus­stellung die wisseuschaftlicheu Sitzungen des Winter­semesters abschlicßen. Er dankt den Rednern für ihre Bemühung; aber auch den Zuhörer» für ihre rege Be­theiligung an den Sitzungen, die diesmal dre sonst üblich gewesene Zahl bedeutend überschritten haben.