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Zn Butzbach wurde gestern eine Stadt-Fernsprech- einrichtung eröffnet, deren Theilnehmer auch zum Sprech­verkehr mit Frankfurt zugelaffen sind. Die Gebühr für ein gewöhnliches Gespräch bis zur Dauer von 3 Minuten beträgt 25 Pfg., für dringende Gespräche fvmmt die dreifache Gebühr zur Erhebung.

Ein von der Kriminalpolizei gesuchter Mensch sollte am Sonntag Morgen in der Vogelsgesanggasse aus­gehoben werden. Um feiner Verhaftung zu entgehen, flüchtete er auf das Dach des Hauses und über die Dächer hinweg bis zur Töngesgasse. wo er sich am Dach­kandel herabließ. Seine halsbrecherische Flucht war jedoch vergeblich gewesen, denn er wurde sofort, nachdem er auf dem Erdboden angekommen war, von der Polizei in Empfang genommen und abgeführt.

Ein etwa 15 Jahre alter Glaserlehrling aus Homburg ging gestern Mittag mit zwei bemalten Glas­platten im Werthe von 50 Mark, welche er in einer Glasmalerei am Sandweg geholt hatte und auf der Schulter trug, über die Kaiserstraße; in der Nähe des Uhrthürmchens wurde er von einem in scharfem Trabe daherkommenden Herrfchaftswagen umgerannt, wobei die Glasplatten i» Stücke gingen und der Lehrling durch einen Pferdetritt zwei Verletzungen an der linken Hand erlitt. Dem Verunglückten wurde auf der Sanitäts­wache ein Verband angelegt. Ein Schutzmann notirte den Vorfall.

An Diphtheritis kam in der abgelaufenen Woche (15. bis 21. Mai) kein Sterbefall vor; dagegen er­lagen eine Frau im Alter von 60 Jahren in der Gutleut- straße, ein Mann von 59 Jahren in der Löhergasse, ein Mann von 38 Jahren in der Feldbcrgstraße. ein Mann von 37 Jahren in der Bürgerstraße und ein Mädchen von 3 3 /4 Jahren in der Mainzer Landstraße den Folgen der Influenza.

In einem Haus-gange in der Bendergasse wurde vorgestern ein Ni a » n in besinnungslosem Zustande anf- gefunden; er war auf der Treppe nach seiner Wohnung h e r a b g e st ü r z t. Die Verletzungen des Verunglückten erwiesen sich als unerheblich.

Bei einem am Sonntag stattgefundenen Wald fest wurde die Hülfe der f r c i w i l l i g e n N e t t u u g s g e f e l l » jchaft viermal in Anspruch genommen: in einem Krampf­anfalle. der einen hiesigen Angestellten befiel; in einem Un­fälle. der einen Friseur aus Sachsenhausen betraf, indem dieser über ein gespanntes Drahtseil stürzte und sich eine klaffende Wunde an dem rechten Unterfchcnkel zuzog; ferner bei Verletzungen, welche ein Kaufmann bei einem Streite durch Stockhiebe davon getragen hatte, und im letzten Falle war ein Knabe von sechs Jahren von einem giftigen Insekt gestochen worden.

Nach einer Bekanntmachung des Stellvertreters des Reichskanzlers darf die Einfuhr aller zur Kategorie der Rebe nicht gehörigen Pflänzlinge, Sträucher und sonstiger Vegetabilien. welche aus Pflanzschulen, Gärten oder Ge­wächshäusern stammen, über die Grenzen des Reichs, fortan auch über das preußische Nebenzollamt 1 Seiden­berg und das sächsische Nebenzollamt 1 Warnsdorf erfolgen.

Ni ainwärme vom 23. Mai. Morgens 8 Uhr 13", MittMs 12 Uhr 13°, Abends 6 Utzr 14°. L.

Der gestrige Viehmarkt war mit 501 Ochsen, 30 Bullen, 768 Kühen, Stieren und Rindern, 357 Kälbern, 113 Hämnieln und 1091 Schweinen befahren. Aus Oesterreich standen 42 Ochsen zum Verkauf. Wie zu er­warten stand, war der gestrige Hauptmarkt ziemlich stark befahren und zwar mit 233 Stück Großvieh und 100 Kälbern mehr als der vorige Montagsmarkt» während in Schafen und Schweinen der Antrieb nahezu derselbe war. Trotz der Mehranfuhr an Großvieh waren die Preise, mit Ausnahme von Ochsen, welche um 1 Mark pro 100 Pfund Schlachtgelvicht in die Höhe gingen, die gleichen geblieben; Hämmel und Schweine hielten ebenfalls ihren Preis. Sieben Schweine mußten bei ihrer Ankunft ans Holstein sofort abgeschlachtet werden, weil dieselben schwere Ver­letzungen auf dem Transport erlitten hatten. Ein Schlvein verendete auf dem Transport.

Frankfurter Pro d ukten in arkt vom 23, Mar 1898. Die neuerdings begonnene AufwärtsLcwcgnng an den überseeischen Börsen blieb am heutigen Markte ohne jeglichen Eindruck. Bet der fruchtbaren Witterung war die Stimmung matt, die Mühlen zeigten keine Kauflust. Wetteraner Weizen, genügend angcboten, mußte nach­geben ; ebenso war überseeische Waare niedriger notirt, auch Roggen abgeschwächt. Weizen: Wetterauer JL 25.25, überseeischer JL 2526.50. Roggen: hiesiger und Pfälzer JL 1818.50, russischer JL 17.5018.50. (Scrfte: Fultergerste JL 14 15. Hafer: nachgebend, schwaches Geschäft. Mittel bis feine Qualität: JL 17.5019, amerikanischer 16.7517.50, russischer JL 17.50 bis JL 19. Alles per 100 Kilo Netto loco hier. Mehl: Die niedrigeren Forderuagcn der Mühlen fanden keine Bewilligung. Die Stimmung war matt und lustlos, das Geschäft still.

In dem Berichte über die Allgemeine Lehrer-Ver­sammlung iu letzter Nummer sind durch Versehen des Setzers zwei Druckfehler unterlaufen: Referent war nicht Herr Oberlehrer Blum, sondern Herr Oberlehrer Chun; ferner ist richtig zu stellen, daß cs i» der 10. Zeile des Berichts nichtsu u subjektive", sondernsubjektive Stimmungsbilder" heißen muß.

Jahresfest der Leuckcnbergischen nalur- forfcheiidcn Gesellschaft.

Die Senckeubergische naturforschende Gesellschaft beging vorgestern, am 22. Mai. ihr Jahresfest. Der wissen­schaftliche Theil des Festes fand um 11 Uhr im Vogel­saale statt, der reich mit Pflanzen geschmückt war. Aber auch die ausgestellten Naturalien bildeten einen prächtigen Schmuck des Saales, so namentlich die vielen Hunderte von farbenprächtigen Schmetterlingen, eine testamentarische Zuwendung des Generalarztes Dr. A. Steinhaufen, mehrere Kasten mit Käfern aus der Reiscausbeute Kükenth al's, dann eine große Zahl vor­züglich präparirter nordamerikanischer Säugethiere und Vögel, meist in Gruppen aufgestellt und in schönen Schränken untergebracht, dabei Köpfe mit Geweihen von Elen, Nennthier und von verschiedenen Hirschen, alle in Prachtexemplaren. Die letztgenannte Sammlung ist v ein Geschenk der Frau H. Moehring hier. Der erste Direktor Herr Oberlehrer Blum begrüßte die zahl­reich erschienenen Damen und Herren mit folgenden Worten: Hochansehnliche Versammlung! Es gereicht mir zur hohen Ehre, Sie im Namen der Senckenbergischen naturforschen­den Gesellschaft von dieser Stelle aus begrüßen zu dürfen. Ihre Anwesenheit ist uns ein Beweis Ihrer Theilnahme an unseren Bestrebungen, und dieses Interesse, das uns von..Leiten der Frankfurter BüMrjchaft und unjere«