ein scharfes Bild aus der Netzhaut, resp. den peripheren Enden der Sehsinneszellcu entwirft, kann Non einem scharfen Sehen die Rede sein. Demnach läßt sich an­nehmen, daß die Wirbellose,! kein scharfes Sehen in

unserem Sinne (Erkennen von Formen) besitzen können, daß sich ihr Sehvermögen auf das Erkennen von Hell und Dunkel sowie Bewegungen beschränkt. Selbst bei Wirbelthieren mit normal gebildeter Netzhaut Hilst die Bewegung eines Gegenstandes sehr dazu, ihn auch zur Wahrnehmung zu bringen. So lange die Fliege stille sitzt, kümmert sich der Laubfrosch nicht um sie, d. h. er bemerkt sie nicht; sowie sich die Fliege bewegt, wird er erst aufmerksam und schnappt nach ihr. Unter den Wirbellosen können wir allein den Alciopiden (im Meere lebende Würmer) und Cephalopvden ein schärferes Sehen zuge­stehen. Je freier das Leben dieser Thiere ist, und je lebhafter ihre Bewegungen sind, desto besser entwickelte Sehorgane pflegen sie zu besitzen; das ist eben eine noth- wendige Konsequenz ihrer Lebensweise. Augen, welche nicht nach dem Prinzip einer Oarnora obsonra gebaut sind, also die zusammengesetzten oder Fächeraugen (Facetten­augen) können kein scharfes Sehen in unserem Sinne, d. h. Erkennen der Formen vermitteln. Das je einer Facette entsprechende Einzelauge vermag nur einen einzelnen Lichtreiz zur Wahrnehmung zu bringen und diese Lichtreize können niemals ein scharfes Netzhautbild erzeugen dazu fehlt es an der nöthigen Flächenausdehnung und dem steht ferner auch gerade die Fächerform entgegen. Da­gegen sind die Fächeraugen sehr geeignet, in weitem Um­kreise Bewegungen von Gegenständen wahrnehmen zu lassen, indem das Bild dieser Gegenstände rasch hinter­einander immer neue Facetten treffend, immer neue intensive Lichteindrücke verursacht und somit die Aufmerksamkeit des Thieres auf sich ziehen wird. Hierin liegt der Hauptzweck des zusammengesetzten Fächer- oder Faeettenauges. Eine Wespe z. B., die auf Fliegen Jagd macht, erkennt die Fliege sofort, wenn sie sich bewegt; sitzt die Fliege dagegen still, so ist die Wespe im Stande, einen benachbarten gleichgroßen Nagelknopf für eine Fliege zu halten und auf ihn statt auf die Fliege loszufliegen. Der Formen- oder Raumsinn der Gliederthiere mit zu­sammengesetzten Augen kann kein großer sein, ihre Stärke beruht vielmehr auf dem Erkennen der Bewegungen; da­gegen ist der Farbensinn wohl vorhanden: sie ziehen be­stimmte Farben anderen vor, lichtliebende Thiere scheinen die blaue, lichtscheue die rothen vorzuziehen, auch werden die Augen dieser Thiere von den für uns unsichtbaren , ultravioletten Strahlen affizirt. Auch die Gliederthiere mit nur einfachen Augen (Tausendfüße, Spinnen,

Skorpione) besitzen ein nur sehr mangelhaftes Sehvermögen. Spinnen vermögen Bewegungen ihrer Beutethiere auf höchstens 20 Zentimeter, diese selbst nur auf 1 bis 2 Zentimeter mit ihren Augen zu erkennen; dagegen sind sie sehr empfindlich gegen Erschütterungen ihres Netzes (Tastsinn als Ersatz für den mangelhaften Gesichtssinn). Noch schlechter sehen die Skorpione, am schlechtesten die Tausendfüße, letztere scheinen nur Hell und Dunkel unter­scheiden zu können. Zum Schluffe seines Ueberblickes über die Ausbildung des Sehorgans im Thierreiche macht Redner nochmals auf die bcmerkenswerthe Thatsache auf­merksam. daß durch das gesanimte Thierreich hindurch ein Gebilde es ist, das sich mit geringen Veränderungen immer wieder findet: die Sehsi'nneszelle; auf ihr beruht der ganze Aufbau des Auges, sie bildet den Grundpfeiler des Sehorgans, aus ihr baut sich zunächst die Netzhaut als höchst percipirendes Organ auf. Die Sehsiuncszellen zeichnen sich dadurch aus.

daß sie an ihrem peripheren Ende (Stäbchen) oder an d,rr Seite (Rhabdomer) einen stark lichtbrecheuden Körper ausscheiden, und daß von ihren zentralen Enden eine Nervenfaser zum Ganglion opticum, resp. zur Ganglion« zellenschicht der Netzhaut abgeht. Die Sehsinncszellen 'nd entweder selbst pigmentirt, oder das Pigment ist in gleich­falls epithelialen Zellen enthalten, welche bei vielen Wirbellosen zwischen den Sinneszellen stehen, bei den Wirbelthieren über denselben liegen, so daß nur die Stäbchen von den Obertheilchen der Pigmentzellen um­hüllt werden.

Das Auge, gleichwie jedes unserer übrigen Sinnesorgane, geht in letzter Linie aus der durch den äußeren Sinnesreiz bedingten Differenzirung der das Ektoderm nach außen be­grenzenden Zellschicht in spezifische Sinneszellen und ein­fache Epithelzellen hervor. Durch diese Spezifizirung der Ektodermzellen wird die Möglichkeit geschaffen, den der betreffenden Sinneszelle adäquaten Sinnesreiz in einen Nervenreiz umzusetzen und dem Thiere zur entsprechenden Wahrnehmung zu bringen. Auf solche Weise sehen wir im Thierreiche die verschiedenen Sinnesorgane und Sinnesthätigkeiten sich ausbilden und die zur Erhaltung der Existenz der Thiere nöthige Wechselwirkung zwischen Thier und Außenwelt Herstellen.

Der Vorsitzende, Herr Oberlehrer Blum, dankte dem Redner für die große Mühe, der er sich unterzogen, «in in drei populär-wissenschaftlichen Vorträgen den Zuhörern das Verständniß der Sinnesorgane näher zu Dringen, was ihm wohl auch in hohem Maße gelungen ist. Außer­dem dankte der Vorsitzende Herrn Hospitalmeister R e i ch a r d für die ihm gelungene wesentliche Verbesserung des Scioptikons, wodurch nunmehr deutliche Bilder projieirt werden.

Wissenschaftliche Sitzung der Senckenbergifchen natnrforschenden Gesellschaft.

Frankfurt a. M., den 19. März.

Der Vorsitzende, Herr Oberlehrer Blum, macht aut die vielen und werthvollen ausgestellten Naturalien ans- I merksam und hebt von den Säugethieren, Vögeln 1 und den Skelettheilen besonders hervor; einen Verberlöwcn. der, wenn er sich auch schon seit 1830 in dem Museum befindet, doch als neu betrachtet werden kann. Den Bemühungen der beiden Kustoden, der Herren Koch, ist es nämlich durch die verbesserte Präparations- methvde gelungen, aus dem unansehnlichen, mißg.stalrcten i Löwen einen prächtigen Repräsentanten des Königs der f Thier« herzustrllen. Es ist das umso erfreulicher, als der Berberlöwe durch die immer weiter vordringende Kultur in Nord-Afrika bald ausgerottet sein wird und ein schönes Fell dieser Spielart schwer und nur mit großen Kosten zu beschaffen ist. Drei Köpfe mit stattlichem Geweih bezw. Gehörnedes großohrigen Hirsches (Gsrvns maorotis),der G abelantilope (Antilooapra americana), des Dickhoruschases (Ovis montana), alle drei aus Nordamerika, verdankt die Gesellschaft der Güte des Herrn AlbertAndreae hier. Von der Neuen Zoologischen . Gesellschaft wurde eine für die Sammlung neue Meer- I

katze (Cercopit.hecus nictitans) erworben. Interessant ist eine von Herrn Menges gekaufte Gürtelmaus (Chlamydopliorus truncatus), eine nahe Verwandte des Gürtelthieres. Sie ist von Maulwurfsgröße, trägt einen j dicken, lederartigen Panzer, lebt in der Erde und wurde erst 1824 in den argentinischen Provinzen Mendoza und San Luis entdeckt. Die Sammlung der Paradies­vögel ist durch die Freigebigkeit der Herren Stadtrath Heinrich Flinsch und Baron A. von Reinach um ' zwei Stücke aus Neu-Guinea (Dropanornis albertisi cervinieauda) unbAmblyornis subularis) vermehrt worden. Auch einer aufgestellten Sperber-Mumie von Luxor, Geschenk des Herrn Dr. Paul Roediger, wurde gedacht.

Herr Prof. Dr. O. Boettger macht sodann Mit- ' theilungen über den Zuwachs der Sammlungen an Kriech- ; ^thieren und Lurchen im verflossenen Jahre. Geschenke liegen vor von den bewährten Gönnern, den Doktoren A. Brauer in Marburg. Fr. Werner in Wien und A. Voelhkow in Berlin, dem Prof. Dr. A. Koenig in Bonn, den Konsuln F. C. Lehmann in Popcihän und G. v. Schröter in Costa Rica, sowie von dem Frankfurter C. Fleisch» mann, Kaufmann in Guatemala, und von der Neuen Zoologischen Gesellschaft hier. Tauschsendungen kamen von Berlin und Karlsruhe; angekaust wurden besonders Objekte aus Kamerun, Columbia. Venezuela und Zentral-Brasilien. |

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