oocg i|t Die Oberflächenform Nebensache: Auch über Hügel- landschasteu und Gebirgen hinan dehnen sich Steppen aus. In den Steppen Transkaspiens und mehr noch in Turkestan hat sich vielfach Löß mit Lehm vermischt und einen sehr fruchtbaren Boden geschaffen, dem nur das Wasser fehlt, um reiche Ernten zu liefern.
Nach der Regenzeit im Frühjahr bedecken sich die transkaspischen Steppen rasch mit einer Menge Gräser und Kräuter und liefern reiche Nahrung für die Herden. Manche Arten dieser Gewächse stimmen mit denen der Mittelmeerregion überein. Die Gräser bilden keinen geschlossenen Nasen, sondern treten büschelförmig auf. Nicht wenige sind dabei lieselsänrereich, rauh und borstenförmig, wie unser Borstengras (Nardus stricta L.). Ein gemeinsamer Zug verbindet die Kraut- Vegetation der Steppe Transkaspiens mit derjenigen der Mittelmeerregion und fast ganz Aorderasiens. Es ist die Häufigkeit der Behaarung, ja Verfilzung aller grünen Theile, zumal der Blätter. Die wissenschaftliche Botanik erklärt dies als ein Schutzmittel gegen die Verdunstung. Bei den Stauden und Sträuchern der Steppe und mehr noch der Wüste tritt uns eine auffallende Armuth in der Belaubung, dagegen eine häufige Stachel- und Dornenbildung entgegen. Besonders auffallend ist dieser Charakter bei der verbreitetsten Staude der Steppe, dem Alhagi camelorum.
Die Vegetationsdauer der meisten Steppenpflanzen ist kurz. Kommt der heiße, trockne Sommer, so sterben sie ab. Im Nachsommer und Herbst erscheint die Grassteppe wie ein oft unübersehbares Stoppelfeld. Einen wesentlich andern Charakter hat die Salzsteppe. Grauweiße Farbe des oft ganz nackten Bodens und salzliebende Pflanzen (Halophyten) an andern Stellen, deuten sie an. Diese Salzpflanzen, meist zu der Familie der Salsolaceen (Chenopodiaceen) gehörend, sind vielfach fleischig oder sparrig und bewahren ihre grüne oder röthliche Farbe bis in den Herbst hinein. Wo sich das Wasser der Steppenslüsse zuletzt in Sümpfen verliert und salzreicher geworden ist. weist die Steppe grüne Flecken solcher Salzpflanzen auf, oft auch schöne meterhohe Büsche einiger Tamarixarten. deren prächtig rothe Blüthensträuße im Septeniber das Auge erfreuen. — Aus seinem Flugsand bestehen die turkmenischen und turkestanischen Wüsten. Er stammt aus den Gebirgen im Osten und hat im Laufe ungezählter Jahrhunderte einen langen Weg durch Ströme und mit den Winden zurückgelegt und viel Abschleifung erfahren, bevor er zn den ausgedehnten Wüsten zusammen kam. Die "Ul.", Werkt
(1509 Kilometer) lange transkaspische Bahn diirchfchmidct mehrere Wüsten auf einer Gesammtlänge von über 300 Werst. Die größte dieser Wüstenstrecken derselben führt durch die große Kara Kum (Schwarzer Sand) zwischen Merw und Tschartschui am Amu-darja.
Diese Wüsten sind bedeckt mit sogenannten Sichel- dune u oder Barchane, wie sie auch nach der kirgisischen Bezeichnung genannt werden. Zu Tausenden und Abertausenden, soweit nur das Auge reicht, erblicken wir in einer solchen Wüste diese Barchane. Wie aus einer Forni gegosfen, nieist nur 2—4 Meter hoch, reihi» sich diese Dünen aneinander. Wie unsere Bäume an der grünen Moos- und Flechtenhülle der Westseite ihrer Stämme den vorherrschenden Westwind als Negenbringcr erkennen lassen, so zeigen Richtung und Gestalt der Flugsanddünen die vorherrschende Windrichtung an. Von der Luv- oder Windseite steigen sie sanft und in der Regel unter einem Winkel von 8—10 Grad an; auf der entgegengesetzten fallen sie steil und meist sichelförmig ausgeschweift ab. Die Sandkörner haben meist nur */* Millimeter Durchmesser und sind deshalb sehr leicht beweglich. Daber ändern die Dünen nicht blos mit dem Winde ihre Lage und Gestalt, sondern es schreitet auch der Flugsand, also die Wüste, leicht weiter vor und über- fluthet Steppe und Kulturland. Dadurch wird die Wüste zu einer Gefahr für ihre Nachbarschaft. Sie gefährdet auch an verschiedenen Stellen die transkaspische Bahn. Nur die Wüstenpflanzen, eine kleine Anzahl Sträucher und ein Borstengras, welche olle ihre Wurzeln
in den Sand der Barchanen tief einsenken,
können dieser Bewegung Einhalt thun. Ist dies geschehen, so geht die Wüste im Laufe der Zeit in eine Steppe über. — Professor Rein führt Beispiele dieser wechselseitigen Uebergänge an. erwähnt noch kurz der Steppenthiere und schließt seine» Vortrag indem er zur Aorzeignng und Besprechung einiger besonders wichtiger Pflanzen aus diesem interessanten Gebiete übergeht.
Herr Major Dr. v. Heyden besprach hierauf einige Käfer dieses Gebietes, welche durch ihre gelbliche Farbe dem Leben im Sande angepaßt sind. Diele haben langbehaarte und sehr breite Tarsen der Beine, was die Beweglichkeit aus dem Sande sehr erleichtert. Repräsentanten von 12 Gattungen werden vorgelegt.
Der Vorsitzende dankte den beiden Rednern und sprach insbesondere Herrn Geheimrath Professor Rein den Dank der Gesellschaft aus. deren wissenschaftliche Bestrebungen er stets und sreundschastlichft zu unterstützen bereit ist.
Dev Gesichtssinn.
In einem Schlußvortrage über Entstehung und Entwicklnng der Sinnesorgane und Sinnes- thätigkeiten im ThierreichebehandelteHerrOr. med. Ph. Steffan in der gestrigen Sitzung der Sencken- bergischen naturforschenden Gesellschaft den Gesichtssinn. Redner führte ungefähr Folgendes aus:
Von höchstem Interesse ist das Studium der Entstehung und Entwicklung des Gesichtssinnes resp. des Sehorganes im Thierreiche. Einmal kommt dieser Sinn weit über das Gebiet der Wirbelthiere hinaus bis tief in das Bereich der niederen, im Wasser lebenden Thierwelt herab, soweit eben die Schwingungen des Lichtäthers in das Wasser eindringen, zur Entwicklung; dann ist das Sehorgan von seiner ersten Entwicklung an wohl charakterisirt und kaum mit einem anderen Sinnesorgan zu verwechseln. Wir können seine Geschichte genau verfolgen von der ersten Differenzirung der SinneSzelle ab bis zu unserem eignen komplizirten Sehorgan hinauf. Zuerst sehen wir einen Pigmentfleck (Augenfleck); dazu kommt dann ein lichtbrechender Körper, sei es Glaskörper, sei es Linse. Der ursprüngliche Pigmentfleck mit seinen SehsinneszAlen wird zu einer Sehgrube; diese Grube wird allmählich zur geschlossenen Kugel. Auf solche Weise bildet sich das sog. Caursra-vdsoura-Auge hera'us. Wrr
stnven ein solches Auge bei Schnecken, Cephalopoden, Würmern und Wirbelthieren; auch gehören die Napfaugen der Insekten, sowie die Augen der Tausendfüßer und Spinnen hierher. Eine andere Form von Augen besitzen die Gliederthiere (Krebse, Insekten), zusammengesetzte oder Fächeraugen (Facettenaugen); bei diesen sind die Sehzellen fächerförmig angeordnet und bilden einen Kegel, dessen Basis gewölbt über die Körperoberfläche herorzn- ragen pflegt. Hier kann kein reelles Bild der Außenwelt im Augenhintergrunde entstehen wie bei den Camera- obscurä-SIugett. An der Hand einer Reihe von Scioptikon- bildern geht Redner die Augen der Wirbellosen, der Wirbelthiere und der Gliederthiere von ihrer ersten Andeutung bis zum Auge des Menschen durch. Es folgt dann die Beschreibung der räthselhaften Bildung des sogenannten unpaarigen .Scheitelauges, mitten auf dem Kopse in einem Loche des Schädeldaches sitzend; es findet sich bei einigen Knorpelfischen und bei vielen Reptilien. Das Scheitelauge der jetzt noch lebenden Thiere (Hatteria, Neri - Seeland) ist nicht . mehr _ zum Sehen geeignet; dagegen war dies offenbar bei den gewaltigen ausgestorbenen fossilen Reptilien (Ichthyosaurus und Plesiosaurus) der Fall, wie deren großes Scheitelloch im Schädeldache andeutet. — Wie haben wir uns das Sehen der Thiere vorzustellen? Nur da wo ein lichtbrechender Apparat, insbesondere die Linse,