Geruches bei den Landschnecken wie bei den Insekten kann aller Wahrscheinlichkeit nach nur in den Fühlern gesucht werden. Der Geruchsinn scheint bei den Insekten alle anderen Sinnesthätigkeiten zu überragen, und gerade mittelst dieses Sinnes sind sie befähigt uns in gerechtes Staunen zu versetzen. Sie gebrauchen ihre Fühler wie die Säugethiere (Elcphant, Tapir. Schwein. Maulwurf) ihren Rüssel, oder (Hund. Katze) ihre Schnauze benutzen. Bei den durch Lungen athmendeu Wirbelthieren übernimmt der Geruchsinn noch die besondere Mission eines Wächters über den Athmungsprozeß. Bis hoch in die Reihen der Wirbelthiere hinaus fordert die seine Ausbildung des Geruchsinnes unsere Bewunderung heraus; ich brauche nur an den wunderbaren Geruchsinn unserer Hunde^u erinnern. Eine Ausnahme machen die Vögel: ihr Gcruchsiiiu ist nicht besonders gut eutwicke t, dagegen über- tresscn sie alle anderen Geschöpfe an Schärfe des Gesichtes. Redner geht jetzt zur Besprechung der höheren, sogenannten animalen Sinne, d. h. Gehörsinn und Gesichtssinn, über (animal, d. h. die geistige Wahrnehmung, die Empsindung und willkürliche Bewegung vermittelnd) und beginnt mit dem Gehörsinn. Was wir bei Wasserthieren von Gehörorganen finden, entspricht zunächst noch wenig dem Gehörorgan der höhere» Thiere. Bei allen Wasser- Ihieren, inklusive Fische, fehlt das äußere und mittlere Ohr. Die erste Andeutung des Gehörorgans im Thier­reiche entspricht dem Labyrinthe der höheren Thiere und besteht aus einem kleinen, mit einer freie Konkremente enthaltenden Flüssigkeit gefüllten Säckchen, der sogenannten Otocyste; an diese Otocyste läuft der Gehörnerv heran und tritt mit den die Otocyste aus­kleidenden Haarzellen in Verbindung. In dem zentralen, von diesen Haarzellen eingefchlossenen und mit Flüssigkeit gefüllten Hohlraum schwimmt der oder mehrere Otolithen »nd tritt mit den Wimpern der Haarzellen in Beziehung. Die Krebse besitzen im Basalgliede der Jnnenfühler Gehörsäckchen und erlveisen sich gegen Geräusche sehr empsindlich, bei der Krebsart Mysis liegen die Gehör­organe merkwürdiger Weise seitlich in den inneren Lamellen des Schwanzfächers. Uebcr die Gehörorgane der an der Lust lebenden Gliederthiere: Insekten und Spinnen ist nichts sicheres bekannt. Jedenfalls kann es

sich bei den Wasserthieren nur um eine sehr unvoll­kommene Gehörleistung handeln. Nach der Untersuchung von Delage handelt es sich bei den Otocysten der Wasscrthiere um sogenannte Gleichgewichtsorgane, dazu bestimmt, dem betresiendcn Thiere einen genauen Begriff von seiner Körperlage zu geben, und entspricht demnach demjenigen Theile unseres Labyrinthes, welcher als halb­zirkelförmige Kanäle bezeichnet wird (Meuuiere'sche Krank- beit. d. h. Taubheit mit Schwindel). Zerstört man einem Cephalopoden seine Otocysten, so sind die Bewegungen des Thiercs, wenn es zu schwimmen ansängt, zunächst noch normal; aber cs dauert nicht lange, dann kommt das Thier ins Schwanken, und schließlich liegt die Unter­seite des Thieres nach oben gekehrt. Vergeblich sucht es sich zu drehen und seine normale Stellung wieder zu ge­winnen. Ccphalozoden, die man ihrer Angen beraubt hat, bewegen sich zwar langsam, aber doch vollkommen korrekt. Erst bei den Amphibie» und von ihnen aufwärts bei den übrigen auf dem Lande lebenden Wirbelthieren findet sich ein mittleres Ohr mit Trommelfell und zwischen, diesem und der Ecnestra ovalis ein handelförmiger Cchör- knocheu, Cokimella genannt - Paukenhöhle und Tuba Eustachii, äußeres Ohr fehlen. Dazu tritt bei den Vögeln ein äußerer Gehörgang ohne äußeres Ohr. Erst bei den Säuge- thiercn (mit einigen Ausnahmen) kommt die Ohrmuschel zum Auffangen der Schallwellen zuletzt hinzu; auch besitzen die Säugethiere 3 Gehörknöchelchen an Stelle der einfachen Columella. Von den Fischen an auswärts entwickelt sich all­mählich aus dem Otolithensacke (Otocyst) eine Scheidung des Labyrinthes in die halbzirkelförmigen Kanäle und die Schnecke. Jedenfalls stellt die Schnecke den höchstorganisirten, ani spätest entwickelten Theil deS inneren Ohres dar. welcher für unser Gehör ain wichtigsten ist. Aus ihr beruht die in der ganzen Thicrrcihe höchststehcnde Ent- ivickelnng des Gehörs beim Menschen, welcher er den Hauptuuterschied von den ihm uächststehenden Säuae- thiercn verdankt, die arliknkirtc Sprache nnd.die musikalische Ausbildung. Es bleibt jetzt noch die Betrachtung des höchsten Sinnes, des Gesichtssinnes übrig.

Der Vorsitzende Herr Oberlehrer Blum spricht dein Redner für seinen mit vielen Denionstrationcu erläuterten Bortrag den Dank der Gesellschaft aus.

Wissenschaftliche Sitzung der Senckenbergischerr iratursorschenLeu Gesellschaft.

. Der Vorsitzende. Herr Oberlehrer Ätuni. theilte aus einem Briefe des Herrn Professor Dr. C. Berg in Buenos-Ayres über den verunglückten Dr. Jean Valentin ergänzend mit, daß der Tod des Letzteren am 10. Dezember erfolgte durch einen Absturz von und mit dem überragenden Theil des 3040 Meter hohen Meeres­ufersAguada Reycs," etwa 85 Kilometer südlich von Rawson, der Hauptstadt Chubuts, gelegen. Jedenfalls ist der Tod. wie auch die sorgfältige gerichtliche Unter­suchung bestätigte, ein plötzlicher gewesen. Die Beisetzung der Leiche hat mit allen Ehren ans dem Friedhofe der Stadt Rawson am 12. Dezember 9*/* Uhr Morgens stattgefunden. Eine Ehrenwache von 10 Gendarmen und alle Obrigkeitspersonen sowie viele Einwohner der Stadt gaben dem Hingeschiedenen das letzte Geleite.

Herr Geh. Negierungsrath Professor I. Nein aus Bonn hielt nunmehr seinen angekündigten Vortrag:

Melier Steppen und Wüllen von Aranskaspien und Furkestan.,

Noch vor 40 Jahren zählte man Transkaspien und Turkestan zu den wenig bekannten Ländern Jnnerasiens. Ihre Natur und Bewohner boten dem fremden Reisenden vielerlei Schwierigkeiten und Gefahren. Seitdem hat Rußland seine starke Hand auf dieselben gelegt, zu ihren Oasen und Städten durch Steppen und Wüsten die Wege gebahnt, den nomadisirenden Turkmenen das Räuber­handwerk verleidet, den islamitischen Fanatikern in den Städten gezeigt, daß man den Andersgläubigen nicht un­bestraft beschimpfen und verletzen darf. Es hat den Mohammedanern und Juden in diesen Ländern die Segnungen seines mächtigen Schuhes von Gesetz und

Samstag, den 5. März 1898.

Ordnung gebracht, oem Handel und den Erzeugnissen des Gebietes vorteilhafte Verkehrswege und neue Absatz­gebiete eröffnet. Russische Sprach- und Naturforscher bereisten das Land nach verschiedenen Richtungen und machten uns näher mit ihm bekannt. Das Alles sind die Segnungen der russischen Besitzergreifung und Kulturarbeit.

Nach einer kurzen geographischen Uebersicht über Lage, Größe und Oberflächengestalt wendet sich der Vortragende zur Schilderung des. Klimas von russisch Zentralasien. Große Trockenheit und Beschränkung der spärlichen Nieder­schläge auf die Wintermonate, große Gegensätze zwischen Sommerhitze und Winterkälte sind die auffallendsten Züge desselben. Nirgends reichen Regen und Schneefall für Baumwuchs und Laudbau aus. Diese sind nur mit Hülfe künstlicher Bewässerung möglich; wo solche stattfindct, ist die Oase mit. ihren mannigfachen Kulturen, wo sie fehlt, herrscht die einförmige Steppe oder die noch ödere, vegetationsarme Flugsand wüste. Von den 3,660,000 Quadratkilometer des russischen Zentral­asiens entfallen über 3 Millionen aus diese beiden Landschafts- und Degetationsformen, die ihr Dasein in erster Linie dem Klima verdanken. Die strenge Winter- kalte verhinderte die Ansiedelung der Bäume und Sträucher der Mittelmeerregion; der trockene heiße Sommer nahm unseren mitteleuropäischen Waldbäume» die Möglichkeit, hier fortzukommen. So ist denn Aaumlosigkeit der Steppen und Wüsten ihr Grundcharakter und eine Folge

ihres Klimas. In Leidenwehklagt kein Hain über des

Sturmes Wüthen." ,

Der Boden der Steppe ist in der Regel thomg und dicht, dabei oft so eben und fest, wie eine geglättete Tenne;