Gcfahr handelt. — Zu jeden, Sinnesorgan gehören 3 Dinge: ein besonderer Endapparat, der den von außen kommenden Sinnesreiz in einen Nervenreiz nmsetzt, ei» LeitungSnerv und ein nervöses Zentruni, und wäre dies auch nur eine vereinzelte Nervenzelle. Steigen wir von den niedcrststehendcn einzelligen Urthiercn nur einen Schritt aufwärts zur niedersten Untcrabtheilung der jetzt folgen-, den Coelenteraten oder Sackthiere. den Schwämmen, so finden wir hier bereits ein solches Sinnesorgan (Imucanckra penicillata, ein kleiner Kalkschwamm aus Grönland). Diejenigen Zellen der äußeren Hautoberfläche (Llrtoäerw). welche sich zu Endapparaten eineS Sinnesorganes unigestallen (difserenziren), werden sehr passend als Sinn es zellen bezeichnet^ Diese Sinneszcllc», welche zunächst den äußeren d-innesreiz in Empfang
nehmen, finden mir bei allen Sinnesorganen — entsprechend nmgcändcrt — bis zun. Me nsehen hinauf stets wieder: bei den niederen Thicrcn zunächst nur eine Art von SinneSzcllen. entsprechend auch nur rin er Art von SiinnScmpsindn.ng, bei den höheren Thieren gemäß ihrer verschiedenen differenzirten Siuncsempsindnngen in Sch-. Gehör-, Geruchs-, Geschmacks- und Ta st-Sinneszellen differenzirt. — In Bezug uns die Lo'kalisation der Sinnesorgane am thierischcn Organismus lehrt uns deren EnstehungSart, daß überall da, wo ein Ektoderm ist. d. h. ans der ganzen äußeren Kvrperoberfläche auch Sinnesorganc entstehen können. Demnach hat cs auch gar nichts Wunderbares an sich, wenn wir niedere Thiere finden, die Augen auf dem
Nucken haben (Onohidium, eine Nachtschnecke),o der an den Seiten (Polyophthalmus. ein Wurm: auf allen Segmenten) oder am Hinterende des Körpers (Amphicora, ein Wurm) haben, andere die ihr Hörorgan im Schwänze haben (Mysis, ein Krebs). Wenn wir in solche» Fällen genauer zusehen. so hat das stets seinen durch dir Lebensweise des betr. Thiercs bedingten Zwcckmäßigkeitsgrund. Wo sollten z. B. bei einer Muschel an andere» Stellen des Körpers Augen sitze», als an Glchen. die es ans seiner Schaalc herausstreckcn und so dem Lichte anssetzeu kann, d. h. am freien Mantelrande oder an der Mündung der Atheinröhre? Die den Nöhrcnwürmern zugehörige Sabella hat ihre Augen an den Kleinen, die Seesterne am Ende ihrer Arme, die Nicdusen an, Nandc des glockenförmigen Körpers, d. h. immer an Orten, ivo die Augen auch frei benutzt und einer allseitig freien Ortsbeweguug dienstbar gemacht werden können. Im Allgemeinen pflegen wir die Gesichts- und Hörvrganc am Kopse der Thiere zu finden, die Gcschniacksorgane liegen natürlich im Munde oder doch in dessei, unmittelbarer Nähe und ebenso pflegen sich die Geruchsorgane zu lokalisiren. Der Tastsinn nimmt die gesainmte Körperoberstäche ein, nur hier mehr, dort weniger vollkommen. — Deinonstrationen am Scioptikon.
Nach dieser allgemeinen Einleitung koinmen wir das nächste Mal auf die einzelnen Sinnesorgane und Sinnes- thätigkeiten im Speziellen zu sprechen.
Ter Vorsitzende dankt deni Redner für seinen interessanten, klaren Vortrag.
Entstehung und Entwickelung der Sinnesorgane und Sinnesthatigkeiten im Thierreich.
In der gestrige» wissenschaftlichen Sitzung der Senckenber gischen naturforschenden Gesellschaft ließ Herr Dr. raed. Ph. Steffan feinem am 12. d. Mts. über obiges Thema gehaltenen Vortrage einen zweiten folgen. Redner kommt auf die einzelnen Sinnesthätigkeiten und Sinnesorgane im Speziellen zu sprechen, zunächst auf die 3 niederen, sogenannten vegetativen Sinne (vegetativ d. h. der Ernährung und Erhaltung des Körpers vorstehend im Gegensatz zu animal d. h. die geistige Wahrnehmung, die Empfindung und willkürliche Bewegung vermittelnd): Tastsinn, Geschmacksinn, Geruchsinn. Tastsinn und G e s ch m a ck s i n n lassen sich bei den niederen Thieren kaum trennen; vermuthlich dreht es sich hier um eine gemischte Tast°Schmeckempfindu»g (Tast-Schmecksinn), ähnlich wie sie bei uns im Munde besteht. Gleichsam als ob die Natur bei der nur
in beschränktem Maße möglichen SinnesthätiHkeit der niederen Thierwelt einen Ersatz für eben diese Beschränkung bieten wollte, sehen wir die Tastorgane vieler dieser Thiere in einer so vollendeten Weise entwickelt und ausgebildet, wie wir es bei den
höheren Thieren mit ihren fünf Sinnen niemals wieder finden. Die Nesselthiere (Polypen, Quallen, Seeanemonen oder Aktinien, Korallen u. s. f.) besitzen wunderbar konstruirtc Nesselkapseln. Jede solche Nesselkapsel enthält einen Nesselfaden, der wie ein umgestülpter Strumpf in der Kapsel eingezogen liegt, bis an die Spitze mit Widerhaken versehen und wahrscheinlich mit einer giftigen Masse gefüllt ist; häufig sind
diese Nesselkapseln zu Nesselbatterien vereinigt. Die in der Nordsee lebende gemeine rothe Seerose (Actinia mesembryanthenium) hat in einem Fangarm von mittlerer Größe mehr als 4 Millionen reifer Nesselkapseln und in all' ihren Fangarmen zusammen wenigstens
500 Millionen. Ein Fangarm der prachtvollen sammt- grünen Seerose (Anthea cereus) enthält über 43 Millionen Nesselkapseln, also besitzt ein solches Thier mit 150 Fangarmen den ungeheuren Vorrath von 6450 Millionen. Die Physalia pelagica verursacht Ohnmachtsanfälle und Fieber bis zur Lebensgefahr. Bei den Rippenquallen treten an Stelle der Nesselkapseln Greifzellen, d. h. halb- kugelsörniige kleine Hervorragungen der Fangfäden mit einem elastischen, spiralisch aufgerollten Stiele, aber ohne Gist- apparat; die halbkugeligen Hervorragungen sind mit stark klebenden Körnchen besetzt, an denen leicht kleine Krebse hängen bleiben. In der gesammten niederen Thierwelt sehen wir Task- und Gefühlsorgane in der mannigfachsten WM LzMsbildet als Wimperepithel, Bündel hervor-
siehender Haare oder Vorsten, Warzen. Rückenanhänge oder Rückencirren, Rüsseln, Tentakeln (Alles besonders bei Würmern), ferner als Fühler (Krebse, Insekten u. s.- f.). Der Tast-Gcschmacksinn ist die erste und älteste Sinnesempfindung in der Thicrwelt und im , gesammten Thier reiche vom niedersten biszum höchsten Thiere vorhanden (11 rsinn). Obwohl der Tastsinn zu den niedere» Sinnen gerechnet wird. tft., doch kein Sinn im gesammten Thierreiche von gleich großer Wichtigkeit. Ohne ihn ist das thierische Leben undenkbar. Durch ihre freie Bewegung unterscheiden sich die Thiere wesentlich von den Pflanzen; die freie Bewegung bedurfte aber eines Sinnes, welcher dem Thiere über die Beschaffenheit seiner Umgebung Nach-.^ richt gab und es zugleich vor äußerer Beschädigung schützte, und so führte die freie Bewegung zum Tastsinn als Ursinn. Kein Sinn ist beim Neugeborenen bereits so entwickelt wie der Tastsinn, an ihn schließt sich die erste Verstandesthätigkeit der hirnbegabten Thiere an, vom niedersten bis zum höchsten. Der Tastsinn ist der Erzieher der höheren Sinne, insbesondere unseres höchsten Sinnes, des Gesichtssinnes. Dem Blinden ersetzt der Tastsinn den Gesichtssinn. Ja man nehme dem Menschen alle Sinne und lasse ihm allein den Tastsinn, er bleibt- immer noch erziehungs- und bildungsfähig (Laura Bridge- , mann, Oliver Caswell, Helene Keller). — Der Geruch- sinn ist im Wasser unmöglich. Erst der Aufenthalt in der Luft ermöglicht den Geruchsinn; hier erlangt er aber alsbald eine Bedeutung, die weit über die des Geschniack-- sinnes hinausgeht. Während bei den Wosserthieren die feine Ausbildung des Geschmacksinnes überwiegt und dieser Sinn gleichsam die Funktion des späteren Geruchsinnes einstweilen noch mitversieht, tritt bei den Lustthieren gerade der Geruchsinn immer mächtiger hervor und überwiegt den Geschmacksinn immer mehr an Bedeutung. Bei den Lustthieren erhält der Geruchsinn, gerade umgekehrt wie bei den Wosserthieren, das Uebergewicht über den Geschmacksinn. Scho» bei den niederen Lustthieren, den an der Luft lebenden Weichthieren, den Land-Lungenschnecken, ferner den Insekten — bei den Spinnen sind bis jetzt Geruchsorgane »och nicht mit Sicherheit nachgewiesen — ist der Geruchsinn von hoher Bedeutung; er dient hier zum Ausfindeu der Nahrung, zum Finden der richtigen Fährte, zum Erkennen anderer Individuen, zum Unterscheiden von Freund und Feind, zur Vermittlung der Fortpflanzung. Es kann gar keinem Zweifel unterliegen,. daß die Insekten ein sehr feines Geruchsvermögen besitzen, weit feiner wie wir Menschen. Der anatomische Sitz des