®f{;üirc[c:t mit relativ [teilen Böschungswinkeln auf, doch natürlich nicht an allen derartigen Gehängen. Es ist nämlich zur Entstehung eines Bergsturzes, abgesehen von besonderen Eigenthüni'lichkeiten des Gesteins, vor allem lnothig, daß sich eine Ablösungsfläche bildet. Im ein­fachsten Fall kann dies durch die Schichtung erreicht werden, indem eine Schichtfuge als Ablösungssläche dient. Es sind dies die im engere» SinnBergschlipfe" genannten Bergstürze. Natürlich muß hierbei die Schichtung sich in derselben Richtung, wie das Gehänge senken, aber unter schwächerem Winkel als letzteres. Ein derartiger Berg­schlipf war der von Goldau am 2. September 1806, bei dessen Entstehung verschiedene begünstigende Umstände mit­wirkten. Ist dagegen die Ablösungsfläche nicht parallel einer Lchichtfläche, sondern durchsetzt das Gestein quer, so gibt es einen Bergsturz im engeren Sinn. Auf diese Weise entstand der vorzüglich untersuchte Bergsturz von Elm in Glarus am II. September 1881, der gerade wie der von Goldau als Typus dieser Art eingehender besprochen wird. Durch die Lagerungsverhältnisse allein wird aber niemals ein Bergsturz entstehen. Es ist dazu die Mitwirkung anderer Verhältnisse nothweudig. insbesondere die einer Kraft, welche den Zusammenhang an der betreffenden Stelle langsam löst, so daß die Abtrennung der stürzenden Ge­steinsmasse erfolgen kann. Daran ist im Gebirg kein Mangel, es können in dieser Weise klimatische Faktoren. Pslanzenwuchs, Arbeiten des Menschen rc. thätig sein.

Gewöhnlich ist von diesen Ursachen der Lockerung in dem Gefüge des Gesteins der letzte Anstoß verschieden. In dem Hochgebirg wirkt als solcher meist heftiger, anhalten­der Regen oder die Schneeschmelze, auch können Erdbeben die Auslösung des reifen Bergsturz veranlassen. Die Massen, welche sich bei dieser Gelegenheit bewegen, sind im Vergleich zu Menschenwerk ungeheuer, nämlich viele Millionen Kubikmeter, klein dagegen im Hinblick auf die Größe des Gebirgs und die von anderen Kräften darin Iransportirten Massen. Deshalb sieht man auch von den größten recht oft schon bald nichts mehr Auf­fälliges an der entstandenen Nische im Gehänge, dem Abrißgebiet, auch die Sturzbahn und das Ablagernngs-- gebiet bedecken sich bald mit Vegetation, so daß nur noch die Terrainformen oder die geologische Untersuchung ihn erkennen lassen. Groß ist der Schaden, den die Berg­stürze anrichteu, und es drängt sich daher von selbst die Frage auf, ob nicht, da sie sich nicht vermeiden und nicht halten lassen, durch rechtzeitige Warnung die Größe des Verlustes verringert werden kann. Es scheitert dies jedoch meist an der Gleichgültigkeit oder auch dem direkten Widerstand der Bevölkerung, die sich bei ihrer Anhäng­lichkeit an die angestammte Scholle nur schwer zur Räumung bewegen läßt.

Der Vorsitzende drückte dem Redner für den schönen Vortrag den Dank der Gesellschaft aus.

Wissenschaftliche Sitzung der Senckenbergischen natnrforschenden Gesellschaft.

Frankfurt

Der Vorsitzende, Herr Oberlehrer Blum, theilt mit. daß das korrespondirende Mitglied Herr Geheimrath Prof.

Dr. Rudolf Leuckart in Leipzig am 6. d. M. in seinem 76. Lebensjahre gestorben ist und er widmet ihm einen kurzen, warm gehaltenen Nachruf. Die Anwesenden ehren den Heimgegangenen großen Gelehrten durch Erheben von ihren Sitzen.

Hierauf hält Herr vr. msä. Ph. Steffan feinen angekündigten Vortrag:

Entstehung und Entwickelung der Sinnesorgane «nd Sinnesthätigkeiten im Mierreiche.

Redner knüpft zunächst an die früher von ihm an gleicher Stelle gehaltenen Vorträge an. Unfere Sinnesorgan« und die durch sie vermittelten Sinnesempfindungen sind die Ausgangspunkte und Vermittler unserer gesummten Ver­standes- und Seelenthätigkeit. Unsere sinnlichen Empfindungen und Wahrnehmungen gehen dem Denkakte voraus. In sehr geistreicher Weise drückt dies L. Feuerbach in den nachfolgenden Worten aus:Denken heißt, die Evangelien der Sinne im Zusammenhänge lesen". Ohne Sinnes- thätigkeit ist das ganze thierische Leben nicht möglich und undenkbar. Demnach ist es von höchstem Interne, der Entstehung und Entwickelung der Sinnes- organe7'd Sinnesthätigkeiten im Thierreiche nachzuspüren.

Wie hi'wwir uns die Zustände auf unserer Erde zu denken, all } organische Materie in Erscheinung trat?

Die gesamnu- niedere Thierwelt besteht aus Wasser- thieren; das erste organische Leben muß also im Wasser entstanden sein. Erst in dem Maße als ans der wasserbedeckten Erdoberfläche Land emporstieg, war auch die Möglichkeit zpr Heranbildung organischen Lebens auf dem Lande, resp.^ch Luft gegeben (Luftthiere).

Auch heute noch ist gut unserer Gesammterdoberfläche

von einer über 2000 Meter dicken Wasserschicht bedeckt.

Licht, Wärme, Schall rc.. d. h. die äußeren Sinnesreize, waren bereits vorhanden, als die organische Materie in Erscheinung trat; die Ausbildung der Sinnesthätigkeiten und Sinnesorgane ist erst nachträglich erfolgt. Ohne Sinnesreiz kein Sinnesorgan und keine Sinnesthätigkeit. Daher besitzen Thiere, die stets und ständig im Dunkeln leben, auch keine Augen. Demge­mäß sind auch die Sinnesempfindungen un­trügliche reelle Bilder der Außenwelt, sir er­schließen uns mit voller Wahrheit das Wesen der uns umgebenden Dinge. Die vorhandenen Sinnesorgane können in Len verschiedenen Thierklasscu verschieden hoch entwickelt sein und ihre Leistungsfähig­keit demnach wechseln, aber es gibt keine anderen

:. M., den 12. Februar.

uns unbelartnieu Sinnesreize und Sinnesorgane.

Zwischen Limmel und Erde gibt es nichts weiter, als das. worüber unsere sebr zuverlässigen Sinnesvrganc uns sichere Auskunft gebe». Wo dieser sichere Ilulergruud fehlt, hört auch die sichere Ertcuutuiß auf, und wir be­wegen uns auf dein unsicheren Boden der Hypothese, dcs Glaubens und des Meiueus, eures Bodens, der jeden Augenblick unter unseren Füßen zusamnienbrechen kann. Je mehr wir in der Thierreihe hinabsteigen. desto nn- dollkommener wird die Sinnesthätigkeit im Allgemeinen. Mit Rücksicht auf das umgebende Medium, in welchem sich das Leben der Thicrwelt abspielt (Wasser oder Luft) zerfällt dieselbe in 3 Theile: Wafferthiere, Lufithiere und amphibiotisch, d. h. theiis im Wasser, theiis an der Luft lebende Thiere. Der größte Thcil der niederen Thiere (mit Ausnahme der Landschnecken) lebt wie gesagt im Wasser. Diejenigen der bei uns vorhandenen Sinnesthätig- keiteii, die nur durch Vermittlung der Luft zu Stande kommen köiiucn, sind bei Wasferthiercn entweder gar nicht, oder doch nur sehr mangelhaft möglich. (Geruch- und Gehörsinn). Wafferthiere sind T a st - S ch in e ck t h i e r e mit der Fähigkeit auch zu sehen, soweit die Schwingniigen des Lnstäthers in das Wasser eiiidringcn (200 Faden 376 Meter) oder auch noch i» größeren Tiefen, wenn die betreffenden Thiere durch besondere Lenchtorgane sich selbst Licht zu schaffen vermögen. Daß Wasjerthierc in Bezug auf ihre Sinnesthätigkeit und den Vau ihrer Sinnesorgane andere Verhältnisse bieten wie Luftthiere, ist nach dein Gesagte» nicht zu verwundern. Betrachten wir uns jetzt die Sinnesthätigkeit der niederste!, Thierwelt. Bereits die iiiederststehenden sog. einzelligen Thiere (Protozoen oder Urthierc, Infusorien rc.), an denen wir bis jetzt keine besonderen Organe wahriiehmen könne», besitzen Empsindniig und Bewegung; das sie znsammeii- setzende, noch undiffereiizirte Protoplasma (Sarkode) ver­einigt in sich, ähnlich der Pflanzenzelle, die Fähigkeit der Alhinung, der Ernährung, der Fortpflanzung, der Bewegung und Enipsindung, welche bei den über ihnen stehenden Thicreu au besondere Organe gebunden sind. Atit der höheren Ausbildung der Thierwelt entfiehen für die eben genaiinten einzelnen Funklionen des lhierischei! OrganisninS besondere Organe, und so geht die Empfindung an besondere Si n n esapp a ra te oder Sinnesorgane Über. Diese Sinnesorgane dienen den niederen Thieren als Sonden oder Fühler, mittelst deren sie mit der sie umgebenden Außenwelt in Ver­bindung treten lind ihnen über deren Beschaffenheit Nach­richt geben, sei es, daß cs sich um Hcrbeischaffung passender Nahrung, sei cs, daß es sich um die Erhaltung dcs Ge­schlechtes, sei es, daß es sich um Schutz vor drohender