Jahre als Montantcchnikcr thätig war. In dieser Stellung hielt er ain Senckenbergianum im Sommersemester 1892 Vorlesungen „Ueber angewandte Geologie".
Die Wanderlust und der Trieb Neues zu sehen und den Gesichtskreis zu erweitern veraulaßten ihn im Herbst 1893, begleitet Non seiner jungen Frau, einem Rufe als Geologe an das Museo de La Plata in Argentinien zu folgen, in welcher Stellung er anderthalb Jahre verblieb. Aus dieser Zeit stamnien zwei Briefe au die Gesellschaft (Ver. 1895. S. 75). In dem einen beschreibt er die Stadt La Plata und das von Dr. Francisco Moreno gegründete und geleitete Museum und in dem anderen, aus Hinojo in der Sierra von Tandil (Prov. Buenos Aires) datirt, gibt er ein kurzes Bild von der Geologie dieser Sierra und berichtet über dos Reifen im Innern des Landes. Ein wissenschaftliches Ergebnis) dieser Reise war der „Beitrag zur geologischen Keuutniß der Sierren von Olavarria und Azul" (Ber. 1895, S. 81). Es sind das isolirt stehende Ausläufer der Sierra von Tandil, über deren Geologie vorher noch wenig veröffentlicht worden ist. In den Monaten September und Oktober 1894 bereiste er die Provinz San Luis, worüber er in der Revista dcl Museo de La Plata berichtete.
Am 1. April 1895 vertauschte Valentin seine bisherige Stelle mit der eines Chefs der geologische» und mineralogischen Abtheilung am National-Museum in Buenos Aires. Von seiner außerordentlichen Schaffenslust und Schaffenskraft, aber auch zugleich von seinen gediegenen und umfangreichen Kenntnissen legen eine Reihe von Arbeiten, nieistens in spanischer Sprache veröffentlicht, beredtes Zcugniß ab. Eine prächtige Schilderung von einem Ausfluge nach dem Paramillo de Uspallata, einem der Hauptkordillere vorgelagerten Gebirgsstock in der Provinz Meudoza, befindet sich in unserem Bericht 1896, S. 135.
Ein arbeitsreiches Leben ist in seiner Vollkraft, inmitten emsigen Wirkens im Dienste der Wissenschaft vernichtet worden und viele Hoffnungen sind damit zu Grabe gegangen. Eine schwergeprüfte jugendliche Frau mit zwei kleinen Kindern weint um ihren treuen und liebevollen Gatten; tiefgebeugt trauert eine Mutter um ihren einzigen Sohn, die Stütze ihres Alters, und klagend vergegenwärtigen sich die Schwestern die Züge ihres theüren Bruders, der ihr Stolz und ihre Freude war. Die Wissenschaft hat in Valentin einen aufstrebenden Forscher verloren, der zu den schönsten Erwartungen berechtigte, und die Senckenbergifche natur- forschende Gesellschaft beklagt in dem Tahingegangenen ciueu aufrichtigen Freund und eifrigen Förderer ihrer Bestrebungen; sie wird ihm stets ein treues Gedenken bewahren. — Die Anwesenden erhoben sich zur Ehrung des
Heimgegangenen von ihren Sitzen.
Herr Dr. mell. F. Blum hielt nunmehr seinen angekündigten Vortrag:
Zur Physiologie der Schilddrüse.
Die Schilddrüse, ein früher ganz unbeachtet gebliebenes Organ, ist seit Beginn der 80er Jahre von Physiologen und Klinikern auf das Eifrigste studirt wordeii. Es zeigte sich nämlich im Thierexperiment, daß die Anwesenheit der Drüse von lebenswichtiger Bedeutung für den Organismus ist und die Beobachtungen am Menschen lehrten, daß Störungen in der Funktion der Schilddrüse mit schweren Erkrankungen einhergehen. Andererseits wurde von klinischer Seite aus nachgewiesen, daß die Eingabe von Schilddrüscnsubstanz bei manchen Erkrankungen geradezu lebensrettend zu wirken vermag. Unter diesen Uniständen war es nicht zu verwundern, daß eine rege Forschung nach der wirksamen Substanz jenes Organs allenthalben begann.
Den ersten wesentlichen Fortschritt zur Aufklärung der Physiologie der Schilddrüse brachte die Entdeckung des verstorbenen Professors Baumann, der im Jahre 1896 feststellte, daß die Schilddrüse eine organische Jodsubstanz — das Thhrojodin oder Jodoihyrin — enthalte und daß diese im Wesentlichen alle Eigenschaften besitze, wie die Schilddrüse selbst.
Ende des Jahres 1896 wurde durch den Redner daraus hiugewiesen, daß das Jodoihyrin auffallende Aehulichkeit mit Jodeiweißpräparaten besitze und weitere Untersuchungen ergaben neuerdings, daß die Jodsubstanz der Schilddrüse ein Jodeiweißkörper ist. Das Thyrojodin ist also nur ein Spaltungsprodukt eines Jodeiweißes.
Seinen Jodvorrath gewinnt das Organ dadurch, daß es durchpassirende Jodoerbindungen aufgreist und verarbeitet; je mehr Jod in der Nahrung enthalten ist, um so reicher ist die Schilddrüse an diesem Element. Hat die Drüse Jod einmal aufgegriffen, so hält sie es auch mit großer Energie durch Wochen und Monate fest. — Vielerlei Anzeichen legen den Schluß nahe, daß die Jodsubstanz der Schilddrüse nicht in den Kreislauf gelangt; vielmehr innerhalb der Grenzen der Drüsen dauernd verbleibt. Ob das Jod dort, ohne Umsetzungen durchzumachen, liegen bleibt oder ob sich innerhalb der Drüse ein koutinuirlicher Jodstoffivcchsel vollzieht, läßt fich nicht mit Sicherheit entscheiden. Es sprechen aber die Erscheinungen, die der Herausnahme der Drüse folgen, dafür, daß in derselben eine beständige Lcbensthätigkeit vor sich .geht und diese dürfte wohl durch Umsetzungen des Jods bedingt sein.
Der Vorsitzende dankt dem Redner für seinen Vortrag.
Wissenschaftliche Sitzung der Senckenbergischen naturforschenden Gesellschaft. Frankfurt a. M.,
Ter Vorsitzende Herr Oberlehrer Blum besprach eine Anzahl aufgestellter Pflanzen, die im Freien ihre Blillhcu entfaltet haben. Von diesen Pflanzen blühen, wie in biejeiu Winter ge schah, manche öfters schon um die Weihnachtszeit und noch früher, so die schwarze Nieswurz, der nacktblüthige Jasmin, die wohlriechende Pinselblume (Petasites fragrans), die wohlriechende Winterblume (Chimonanthus fragrans) und die wohlriechende Heckenkirsche (Lonicera fragrantissima); dagegen sind die folgenden Pflanzen diesmal der Durchschnittszeit ihrer Blüthen- entfaltuug bedeutend voraus. Die Haselnuß, deren erste Blüthe nach dem Mittel aus 30 Jahren am 6. Februar erscheint, hat nach Dr. Ziegler schon am 15. d. Mts. im Biegwald und anderwärts gestäubt. Helleborus purpuraacens ist iin Begriff, ihre purpurnen Krouenblätter auszubreiten, was sonst erst Ende Februar geschieht. Der Winterling (Eranthis hiemalis) blüht seit dem 25. d. Mts., besonders schön im Nizza, während das Mittel aus 17 Jahren für die erste Blüthe auf den 13. Februar fällt. Den größten Zeitunterschied weist der Seidelbast (Daphne meze- reum) auf; er hat im Botanischen Garten und an
den 29. Januar 1898.
anderen Orten schon am 25. Dezember geblüht, über zwei Monate früher als in einem normalen Winter. Alsdann theilte der Vorsitzende mit. daß der verstorbene Generalarzt Herr Dr. A. Steinhaufen in Bockenheim der Senckenbergischen naturforschenden Gesellschaft seine Schmetterlingssammlung testamentarisch vermacht^ hat und daß diese nunmehr der Gesellschaft definitiv übergeben worden ist. Die Sammlung besteht aus einer reichen Zahl sehr werthvollcr exotischer Thiere, die in zwei Schränken untergebracht sind. Sobald sie neu präparirt und geordnet sein werden, was Herr Hofrath Dr., B. Hagen zu übernehmen die Güte hatte, wird die Gesellschaft sie in geeigneter Weise ihren Mitgliedern zugänglich machen.
Das korrespondirende Mitglied Herr Dr. G. Greini, Darmstadt, sprach hierauf
Zleöer Bergstürze.
Seit Hoff und Lyell hat man sich gewöhnt, von den früheren Katastrophentheorien abzusehen und die Wirkung der Kräfte, die nnigestaltend auf das Festland cingreifen, als eine langsame anzusehcn. Doch gibt es. immerhin einige Erscheinungen, die sich in diesen Quietismus nicht fügen wollen, z. B. die Bergstürze. Sie treten nur an