Mit dem Namen Serkcitgneis bezeichnen Lossen und Koch sowohl im rechtsrheinischen als im linksrheinischen Taunus austretende, mehr oder minder schiefrige Gesteine von dichter, meist graugrünlicher Grundmasse, welche aus den Spaltungsflächen mit runzeligen Streifen oder Häuten von Sericit überzogen sind, im Overbruch außerdem häufig Quarz und Feldspath als wesentliche Bestandtheilc erkennen lassen. Sie sind meist sehr steil aufgerichtet, streichen mit den übrigen Gebirgs- gliedern von SW nach NO und machen durch ihre mannigfaltigen Biegungen, Falten und feinste Fältchen durchaus den Eindruck eines aus ursprünglicher Lagerung aufgestauchten Schichtsystemes. Trotz der parallelen Einschaltung dieser Gesteine zwischen den übrigen Massen des Taunus, deren Absatz aus dem Meerwasser zum Theil sichergestellt ist, kann man nicht den geringsten Belveis dafür beibringen, daß sie selbst einer successiveü Ablagerung aus dem Wasser ihren Ursprung verdanken, denn die Schieferung, das heißt die Spaltbarkeit eines Gesteins kommt auch vielen aus Schmelzfluß erstarrten Massen zu und kann außerdem durch den die Gebirge ausstauenden Druck erzeugt werden.
Mit der Spaltbarkeit der Sericitgneise parallel verläuft häufig eine Klüftung, welche 'es ermöglicht, das Gestein in Platten von verschiedener Dicke äbzubauen; außerdem gewahrt mau, und zwar um so deutlicher, je mehr die Schieferung ausgesprochen ist, eine steil stehende Klüftung, welche die Gesteiusplatleu nahezu rechtwinkelig schneidet und durch Ausreißung des Gebirges in der Druckrichtung des aufstauenden Horizontalschubes entstanden ist. Diese Sprünge stimmen durchaus überein mit dem Bcrtauf der den Taunus quer durchschneidenden Quarzgänge und mit dem Hauptverlanf der Ouerthäler. Außer diesen beiden läßt sich noch ein drittes, weniger gesetzmäßiges Spaltensystem verfolgen, welches in der Regel mit dem Gebirge streicht, aber in wechselnder Neigung und Himmelsrichtung einfällt. Wenn diese drei Klüftungen zusammen auftreten, kommt es zur Ausbildung parallelepipedischer Blöcke.
Einen überraschenden Anblick gewähren die oft massen
haft den Sericitgneis, übrigens auch andere Gesteine, durchziehenden Qnarzadern (Quarztrümer). welche parallel dem Gebirge streichen, aber häufig viel stärker als ihre Umgebung' gefältelt sind. Sie können weder vor noch nach der Bildung des Gebirges entstanden sein, sondern es sind während der Faltung selbst platte Hohlräume entstanden, welche alsbald mit ans Lösungen abgeschiedenem Quarz oder Quarz und Feldspath erfüllt wurden.
Die mikroskopische Untersuchung von Sericitgneisen aus dem Goldsteiner Thale bei Sonnenberg und vom Gipfel bei Rambach ergibt nun. daß diese Gesteine, welche äußerlich mitunter einen fast massigen Eindruck machen, durchaus die Struktur und Mineralzusammensetzung gewisser Quarzporphhre (Mikrogranite) haben, von welchen sie im Wesentlichen nur durch das Auftreten des Serieites unterschieden sind. Der sichere Beweis, daß man es mit einem Eruptivgesteine zu ihn» hat, geht daraus hervor, daß die wohlausgebildeten Quarzeinsprengliuge nicht selten die Wirkung magmatischer Korrosion zeigen, d. h. sie sind nach ihrer Erstarrung von der noch schmelz- flüssigen Mutterlauge in Folge der Drnckverminderung, welche die rapid aufsteigende Lava erfuhr, wieder angeschmolzen worden. Ter den unveränderten Quarzporphyren fremde Sericit ist ein auf wässerigem Wege entstandenes Umwandlungsprodnkt des Feldspathes, was sich überall mikroskopisch leicht verfolgen läßt. Zwischen solchen wenig veränderten Ouarzporphyren, d. h. Koch's körnig- flaserigem Sericitgneise, bis zu den feinschieferigen Sericitgneisen bestehen nun allmähliche Uebergäuge, so daß wahrscheinlich der größere Theil dieser Gesteine von Quarzporphyren abzuleiten ist. Tic Uebersührung in die schieferige Struktur aus der körnigen wurde durch die bei der Gebirgsbildung erzeugte Pressung. Zertrümmerung. Gleitung und Fältelung der Gemengthcile erzeugt.
Mikroskopische Präparate zur Erläuterung der Anschauungen des Redners lagen vor.
Der Vorsitzende dankt dem Redner für die Mittheilungen, die einen werthvollen Beitrag zur Klarlegung der verwickelten Verhältnisse unserer Taunusgesteine bilden.
.Wissenschaftliche Sitzung der Sstrckerrbergischerr natttrforschenden Gesellschaft.
Frankfurt a. Dt
Der Vorsitzende Herr Oberlehrer Blum begrüßt Herrn Professor Dr. Rud. Burckhardt aus Basel und dankt ihm für die bereitwillige Uebernahme des heutigen Vortrages. Der Vorsitzende thcilt alsdann mit, daß Ende dieses Jahres der zweite Direktor, Herr Dr. med, 21. Knoblauch, und der zweite Sekretär, Herr Dr. med.
E. v. Meyer, aus der Direktion auszutreien haben. 2ln ihrer Stelle wurden die Herren Dr. med. E. Blume n- thal und Dr. weck. C. Vohsen gewählt. Herr Dr.
F. Schmid t-Polex, der der Gesellschaft fünfzehn Jahre lang als Rechtskonsulent treu zur Seite gestanden, ha» sich aus Gesundheitsrücksichten veranlaßt gesehen, sein 2tmt niederzulegen, das Herr Dr. F. Berg zu übernehmen die Güte hatte. Die Gesellschaft ist beiden Herren zu vielem Danke verpflichtet.
^ Alsdann legte der Vorsitzende in zwei Exemplaren eine EFvcht vor, die Qsa ge-Orange, lklaolura au ran* fciaca Nutt., die aus den: Parke des Herrn v. Holz- h ausen dahier stammt und wohl selten, wenn überhaupt ie. in Deutschland so schön gewachsen ist. Das größere Exemplar hat ein Gewicht von einem Kilogramm und einen Durchmesser von gut 12 Zentimeter. Die vorgelegten Früchte sind noch grün; im reifen Zustande sehen sie gelb aus. Die Osage-Orange gehört z» den Maulbcergewächsen und die Frucht ist daher wie die Maulbeere eine Sammcl- frucht. Die Bäumchen im v. Holzhansen'schen Parke sind etwa 5—6 Meter hoch und es stehen, da sie getrennten Geschlechtes (zweihäusig) sind, männliche und weibliche Bäumchen beisammen. Die dornigen ?leste sind dünn und nur dadurch, daß das Holz ungemein fest ist, Ver
den 18. Dezember 1897.
mögen sie Die zcyweren Früchte zu tragen, ohne zu brechen. Seiner Festigkeit und Elastizität wegen wird das Holz in seiner Heimath zur Anfertigung von Bogen verwendet, daher die 2!merikaner den Baum Bow-wood nennen. Der Osage-Orangenbanm ist in Nordamerika zu Hause, in der Heimath der Qsa gen, einem Indianer- stamm in Arkansas und im nördlichen Louisiana.
Herr Professor Nnd. Burkhardt (Basel) hielt nunmehr seinen angekündigien Vortrag:
Die Wieserwögek der südlichen Kemrsxhnre.
Nach einleitenden Worten des Dankes gegen die Leiter der Seuckenbergischen natursorschenden Gesellschaft recht- "" fertigt der Vortragende die Wahl seines Themas: nicht nur die Gelegenheit, die sich ihm bot, sich mit dem Gegenstände vertrant zu machen, hat ihn zu ihr bewogen, sondern auch die werthvollen Funde, die in diesem Jahrzehnt gemacht worden sind, erlauben, die Diskussion über die an die Existenz von Ricsenvögeln geknüpften Hypothesen erneuter Prüfung zu unterwerfen. Allgemein bekannt ist die Ordnung der Laufvögel, zu welcher neuerdings gezählt wurden: die afrikanischen und amerikanischen Strauße, die Emus nnd Casuare von Anstralien und Neuguinea, die Schuepseustrauße nnd die ausgestorbeucn Moas aus Neuseeland und endlich die Riesenvögel von Madagaskar, Aepyornis. welche den Moas ähnlich sahen. Diese Bogel- familien werden einzeln besprochen, wobei namentlich auch der neuen und vollständigeren Funde von 2lcpyornis gedacht wird, die erst in diesein Jahre die Ausstellung eines ganzen Skelettes im Britischen Museum gestatteten und ferner der Entdeckung und Beröfsentlichnng einer früher gänzlich unbekannten