Tafeln, deren hoher Werth schon gerühmt wurde. Der Künstler, dessen Originalwerk wir hier zu bewundern Gelegenheit haben, Pierre Jean Francois Turpin, '1775 geboren, war gelehrter Botaniter und Pflanzenmaler zugleick,. In erstcrer Eigenschaft hat er eine Anzahl botanischer Werke verfaßt und herausgegeben, darunter auch eine mit 57 Tafeln versehene Iconographie vegetale (Paris 1841). Als Pflanzenma.er war er niit Recht sehr geschätzt und seine Vorirefflichkeit wird von keinem Geringeren als vom Goethe selbst gepriesen, der von ihm sagt, er sei zugleich als einsichtiger Botaniker und als genauester Zeichner sowohl vollendeter Pflanzen als ihrer mikroskopischen Anfänge rühmlichst bekanni, und der den Wunsch aus­spricht, von diesem Künstler seine Lehre von der Meta­morphose der Pflanzen illustrirt zu sehen. (Eine Abschrift der betreffenden Stellen ans Goethe's Werken hat der Geber dcni Geschenke beigelegt).

So ist denn durch das gemeinsame Wirken hervor­ragender Künstler und Gelehrter das Werk zu «Stande gekommen, weiches wir vor uns haben. Die Turpin 's che u Tafeln wurden in Kupfer gestochen und kolorirt iind der Folioband mit Text und Tafeln kostet ursprünglich 400 Francs. Das Exemplar mit den Originalen Turpin's, die durch das Kvpiren des Kupferstechers nicht im Geringsten gelitten haben, und mit dem nur einmal auf Belin ge­druckten Text, ist dem Kaiser vdn Oesterreich für 1350 Dukaten zum Kaufe angeboten worden, wie aus dem Konzept eines Briefes, freilich ohne Datum und Unter­schrift, hervorgeht, der gleichfalls dem Geschenke beigelegt worden ist. Ob es gar nicht zum wirklichen Angebot ge­kommen oder dieses abgelehnt worden ist, wissen wir nicht, es geht aber auch daraus hervor, welch' kostbares Geschenk uns die Pfefferkorn'sch en Erben und speziell Herr Senator Dr. von Oven mit dem Werke gemacht haben.

Herr Major Dr. von Heyden machte sodann auf­merksam auf eine größere Reihe biologischerObjekte aus dem Reiche der Insekten. Die Gesellschaft verdankt diese interessante Sammlung, welche schon bei Gelegenheit der letzten Naturforscherversammlung die Aufmerksamkeit der Interessenten auf sich zog, der Güte des Herrn Georg Speyer. Zusammengestellt ist sie mit vieler Sorgfalt und Sachkenntniß von Herrn Förster Gerike.

Der Biologie oder Leoenöweise und Verwandlungs­geschichte der Insekten wird immer noch nicht die ihr gebührende Rücksicht gezollt, was zum Theil auch in der Schwierigkeit der Larvenerziehung seinen Grund haben mag. Es hält nämlich sehr schwer den Thieren in der Gefangenschaft das nöthige Maß von Feuchtigkeit oder Trockenheit zu geben; entweder gehen die meisten Zuchten durch Schimmelbildung zu Grunde oder sie trocknen ein. Bessere Erfolge hatten von jeher die Schmetterlingszüchter. Hier sind auch von den meisten Arten die Larveii, Puppen und Nahrungsvflanzen bekannt, nicht aber bei den anderen Jnsekten-Ordnungen. Von den so gern und oft ge­sammelten Käfern, von denen jetzt gegen 100,000 Arten beschrieben sein mögen (1876 waren es 77,000), sind von

höchstens einigen taufend Arten die früheren Zustände bekannt, der Rest ist unbekannt und noch zu erforschen-' .noch schlimmer ist es in anderen Ordnungen bestellt. Aber wenigstens ist eine erfreuliche Ausnahme zu konstatiren. Im Haushalte der Natur lernte der Mensch sehr bald die ihm feindlichen Elemente kennen; man bestrebte sich deshalb auch schon frühe diejenigen Thiere, besonders Insekten, kennen zu lernen,, welche dem Landwirthe und Forstmanne durch ihr niossenhaftes Auftreten und ihren Schaden sich bemerklich machten. Man studirte sie im Freien, beschrieb sie und gab treffliche Abbildungen der Entwicklungsstadien. Es sei nur erinnert au die klassischen Arbeiten von Goeze (17311793), Degecr (17201778), Reaumur (1683-1757), Rösel (1705 bis 1759). In neuerer Zeit Ratzeburg (geb. 1801), Roßmäßler (geb. 1806), Nördlinger (geb. 1818), Taichenberg.

Erst der ganz neuen Zeit war es Vorbehalten, dank deni Fortschritte in der Präparatiou und den. Konser- virungsmethoden, die Thiere selbst aufzubewahren. Die geehrten Anwesenden sehen hier ein.musterhaftes Beispiel; möge es anregend wirken und der Jnsekten-Biologie neue Freunde erwerben!

Nachdem Herr Major v. Heyden die in kleinen Kasten ausgestellten Infekten genauer erklärt hatte, demonstrirte Herr Professor Dr. H. Reichenbach an Stelle des Herrn Professor Dr. F. Richters die von der zoologischen Station in Neapel geschenkten, konservirten Scethiere.

Dieses, von Herrn Geheimrath Dohrn ins Leben ge­rufene und in mustergültiger Weise geleitete, von Forschern aller Nationen vielbenutzte Institut hat in den letzten Jahrzehnten die Zoologie und Botanik mächtig gefördert. Gelten die dort angestcllten Studien auch zunächst der Erforschung der Fauna und Flora des Mittelmeeres, so sind doch die in den dortigen, mit allen Hülfsmitteln der Wissenschaft ausgestatteten Laboratorien gewonnenen Resultate von der weitgehendsten, allgemeinen Bedeutung für die verschiedensten Zlveige naturwissenschaftlicher Forschung gewesen.

Mit besonderem Nachdruck aber ist man auf der Station in Neapel bemüht gewesen, Methoden ausfindig zu machen, um die zarten Lebewesen der See so in Präparaten zu erhalten, daß sie in jeder Beziehung ein deutliches Bild von den Wesen in lebendem Zustande geben. In wie hohem Maße dies gelungen, zeigt die vorliegende Sammlung von Seethieren aus allen Ord­nungen des Thierreichs. Die zierlichen Polhpenstöckchen, die zarten Quallen, die wie.Glas durchsichtigen Salpen und Kielfüßer oder lvie Porzellan durchscheinenden Ascidien, die farbenprächtigen Scefedern, Holothnrien und Nacktschnecken. Alles das ist so vollkommen in Form und Farbe erhalten, daß man glauben möchte, die Sachen wäre» eben erst der Meerestiefe entnommen.

Das Senckendergische Museum hat durch diese Zu­wendung einen ganz hervorragenden, neuen Anziehungs­punkt gewonnen.