das ganze äußere Holz hindurch erkennen. Wäre noch Rinde vorhanden, so würde die Figur auf ihr undeutlich, in die Breite gezogen, wahrnehmbar sein. Die meisten Inschriften und Figuren findet man, wie bei den be­sprochenen Hölzern, am Buchenholz, da die glatte buchene Rinde sich gut zum Eingraben eignet. Ein drittes vorgelegtes Holzstück stammt von der Eiche und trägt die Zahl 17 erhaben im Abdruck. Der Zehner und der Liner fehlen, da offenbar die beiden vorhandenen ßtffetn die Jahreszahl 17hundert vorstellen. Die Er- illärung dieser Inschrift ergibt sich aus dem Vorhergehenden.

Herr Professor Dr. F. Richters gibt einige Bei­träge zur Fauna von Frankfurt. Der Vor­tragende bespricht das Vorkommen gewisser krebsartiger Thiere, der Branchiopoden, in hiesiger Gegend und er­wähnt dabei die Auffindung einer neuen Fundstelle für den hochinteressanten Kiefenfuß (Apus cancriformis) durch Oberlehrer Blum bei Obertshausen, sowie des Auffindens des verwandten Dzmrnstis brachyurus, eines kleinen, wie eine Erbsenmuschel gestalteten Krebses, durch Herrn Dr. med. Guttenplan' bei Mainkur. Das Thierchen war bisher nur aus Nord- und Ost-Europa bekannt.

Aus einem verlassenen Stollen im Taunus erhielt der Vortragende Anfang Januar 10 Fledermäuse in 7 ver­schiedenen Arten, darunter die seltenen Nyotus bsoll» sieini und Isotus nattereri, ein ganz bemerkenswerthes Vorkommen. In unsrer Stadt und der nächsten Um­gebung sind Fledermäuse verhältnißmäßig selten geworden. Im Ganzen sollen sich nach Carl Koch im Gebiet des ehemaligen Herzogthums Naffau etwa 18 Fledermaus- Arten finden.

Die bcn Schnee unserer Taunusgipfel gelegentlich wie Ruß bedeckenden Schaaren mnnter hüpfender Gletscher­flöhe find nach den Untersuchungen des Vortragenden weder mit dem bekannten Gletscherfloh der Alpen, Oesoria gkiciaiis, noch mit dem Schneefloh, Degeeria nivalis, identisch, sondern gehören der Gattung Achorutes an, me von allen Gletscherflöhen die stärksten Kältegrade er­tragen soll. Die Thierchen Hüpfen mittels einer am drittletzten Hintcrleibsring befindlichen, nach vorn ge­richteten, zweizinkigen Springgabel, belästigen Niemand und leben entschieden äußerst frugal.

Der vierte Gegenstand der Tagesordnung lautet: Neuere Bereicherung der paläontologischen Sammlung. In ungefähr chronologischer Reihenfolge bespricht Herr Professor Dr. F. Kinkelin die vor- riegeuden Fossilien, die zuin großen Theil durch Geschenk ins Museum gekonnucn, zu hinein guten Theil durch Tausch, einige auch durch Kcms erworben worden sind. Die ^ltejHy^ bekannten Fossilien stammen aus dem kambrischeil System, die vorliegenden staimnen aus dem klontagne noire in Südfrankreich, wo sie seit 3 Jahren bekannt sind. Es find vor Allem Trilobiten (Krebse), einige Srachiopoben und räthselhaste Tinge, die man für Thierspnren hält. Jrn Silur wird die maririe Lebe- ruett viel mannigfaltiger: räuberische Cephalopoden treten u. A. auf; zum Schutz rollen sich manche Trilo- biten nun ein. Der kambrischen Fauna müssen zahl- reiche, niedriger entwickelte Faunen vorausgegangen sein.,

Ihre Reste sind verwischt, da ihre Lager durch mechanische und chemische Einflüsse große Veränderungen erfahren haben. Zur Erläuterung solcher Vorgänge werden diekrystallin''chen, Belemniten führenden Schiefer von Piora vorgei. . Höchst seltsam ist, daß die oberdevonen Goniatiten re. aus der Eifel und aus dem Montagne noire nicht bloß spezifisch übereinstimmen, sondern eine total gleiche Art der Erhaltung zeigen; sie sind an beiden Orten verliest. Eine reiche Suite von Eifelfossilien, die besonders aus Brachiopoden besteht, zeigt die Lebewelt des rheinischen unter- devonen Meeres, da solches wohl seicht war und reichliche Sandeinschwemmungen erfuhr. Daß gegen Ende des paläozoischen Zeitalters die Südhemisphäre ein nicht un­wesentlich niedrigeres Klima besaß, als die nördliche Halb­kugel, scheint u. A. auch aus der sog. Glossopterisflora ersichtlich. Vertreter derselben wurden uns aus den Keroseneschiefern. welche die Frankfurter Gasfabrik seit Jahren von den Blue Mountains in Süd-Ost-Australien bezieht, vorgelegt. Ein mächtiger Kontinent dehnte sich in der Südhemisphäre damals aus, wo heute das indische und südliche atlantische Meer ist; Süd- amerika, Südafrika, Australien und Ostindien sind Reste desselben. Reptilien, die sich im Zahnbau den Säügern nähern, bewohnten diesen Kontinent. Ihnen nahe stehend sind uralische Skeletreste, die im Besitze des Museums sind. In großer Zahl sind u. A. Fische. Ammoniten und Sepienschulpen von Herrn Bruno Voettger dem Museum zugewendet worden, welche aus den Schiefern von Holzmaden in Württemberg stammen, die reichlich von Bitumen, einem Zersetzungsprodukt der eingebetteten thierischen Leiber, durchtränkt sind. Von größtem Interesse sind die Reste Dinosaurier, Rhynchocephalen, Flugeechsen und Quallen, welche uns in dem fein­körnigen Kalk Solenhofens aufbewahrt sind; überraschend ist es. daß zarte Gebilde, wie Flughaut eines Pterodactylus, und der Körper einer Qualle Spuren hinterlasfen konnten. Wir besitzen freilich nur gute Abgüsse von den Soleuhofer, wie von den südafrikanischen Schätzen. Aus der hiesigenGegend siammen die Flörsheimer Fische, welche in den Gattungen mit den Fischen übereiustimmen, die in schöner Kollektion vor­liegend aus den Glarner-Schiefern stammen. Wir haben mit ihnen schon die Tertiärzeit betreten. Von ähnlichem Atter sind die Korallen und Konchylien von Castel Gomberto im Vizentin. Aus dem Flörsheimer Thon stammt auch eine Vorderextremität der oligocänen Sirene. Zähne (aus dem Bruch an der Hammermühle bei Wiesbaden stammend) zeigen uns, daß in späterer Zeit an den Ufern des Mainzer Beckens sich u. A. Tapire herumtrieben. Aus Faunen jungtertiärer Seen Bosniens und der Krim sind formenreiche Kon- chhliensuiten ausgestellt, die von korrespondirenden Mit- gtiedern gesammelt sind. Reichliche Ergänzung hat die iin Museum ausgestellte Mosbacher Süugetiersauna er­fahren, besonders auch durch Schenkungen der Herren Dyckerhoff. Das bedeutendste Stück ist der Ober- und Unterkiefer des Rwsen-Elephanten, die aus vielen Trümmern trefflich rcstnnrirt sind. Schließlich zeigt uns das Rudi­ment eines Oberkiefers, daß zur diluvialen Steppenzell, da der Löß zum Absätze kam, die Hyäne bei uns lebte.