ti)en an der Erde haftenden niederen Vertebraten mag für des Lebens Nothdurft zunächst nach die Berwerthung 'von Geruchseindrücken genügen, für die Vögel ist aber eine solche kaum vorteilhaft. Umgekehrt müssen sie. hoch über ihrer Nahrung, ihren Wohnsitzen rc. schwebend, in der Lage sein, diese" optisch zu erkennen und vor Allem sie von etwa bewegten nahrnngsähiilichen Körpern zu unterscheiden. Redner erinnert an das sichere Herab­stoßen des Raubvogels ans die Beute, an die Wanderung, das Wiederfinden der Nester rc.

Herr Dr. Wurm in Teinach, der bekannte Kenner unserer Thierwelt, veröffentlicht gerade eben in dem »Zoologischen Garten" eine Reihe von Beobachtungen, die beweisen, wie wichtig für die Vögel die Seherinnerungen sind und wie scharf sie nach diesen urtheilen. Der scheue ! Auerhahn z. B., der dem Jäger rasch entfliegt, wenn er - ihn gewahr wird, bleibt ruhig sitzen, wenn man mit einem Stück Holz, als Waldarbeiter verkleidet, an ihm vorübergeht. Auch die Jagd auf Trappen und auf Wild­enten wird gelegentlich unter Maskirungen ausgesührt. 1 Man kann Fische durch den Angelköder, der nur aus ; .edern gemacht ist, täuschen, man kann Eidechsen fangen, > oenn man sie in vorgehaltene Grashalme beißen läßt und die hungrige Schlange, die wüthend auf einen Frosch

stürzt, sich ruhig wieder niederlegen sehen, wenn sie das Thier verfehlt hat und dieses sich nun ruhig verhält. Einen sitzenden unbeweglichen Frosch erkennt die Schlange nicht als das eben ihr entgangene Beutethier wieder. Aber einen Vogel hat noch Niemand mit Derartigem getäuscht. Rasch lernen sogar die kleinhirnigen Sperlinge die Vogelscheuche vom lebenden Menschen unterscheiden.

Sind die Reptilien im Wesentlichen Riechthiere, so können wir die Vögel als Sehthiere betrachten. Natürlich ist hier nicht bestritten, daß bei ihnen noch andere Seelenqualitäten Vorkommen. Es soll nur dargelegt werden, daß dem Sehen eine besonders wichtige Nolle zukommt und daß dies durch eine anatomische Einordnung ermöglicht ist, welche erst bei den Vögeln austritt. Es ist dieselbe, welche bis hinaus zum Menschen besteht und uns selbst das Sehen mit Ver- ständniß, das Erkennen, das Leben und so sehr viel Anderes ermöglicht.

Die vergleichende Anatomie lehrt also, daß diese wichtige Bahn sich relativ spät in der Thierreihe einstellte, daß sie aber gleich da, wo sie austritt, den Inhabern besondere Fähigkeiten verleiht.

Der Vorsitzende dankte dem Redner für seinen von den Zuhörern mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag.

Wissenschaftliche Sitzung der Senckenbergischen naLnrsorfchenden Gesellschaft.

Samstag, den 28. März 1896.

Der Vorsitzende, Herr Major Dr. L. v. Heyden, macht auf die ausgestellten Vögel aufmerksam, wovon ein Thcil ans der Reiseausbeute Kükenthal's stammt. Von diesen sind besonders hervorzuhcben die schönen Pittidae. Vögel, die in dem schwer durchdringlichen Buschwerk mancher malayischen Inseln, in den Dschungeln Ostindiens und an ähnlichen Orten in Australien und Wcstafrika leben. Die Familie ist in 7 Arten ausgestellt, wovon 4 Arten für die Sammlung neu sind. Einen sehr erfreulichen Zuwachs erhielt die Vogelsammlung durch eine Sendung aus Neu-Guinca von dem korrespon'direnden Mitglieds Herrn Dr. V. Hagen. Unter den 35 Arten sind etwa die Hälfte neu für das Museum und es be­finden sich recht seltene Vögel unter ihnen. Herr H. Klein in Sachscnhausen schenkte mehrere einheimische Vögel und von Herrn John Brückner hier erhielt die Lokalsammlung eine Waldschnepfe (Scolopax rusticola). Die übrigen ausgestellten Vögel sind durch Tausch und Kauf erworben worden.

Herr Oberlehrer I. Blum legte Kükenthal's Reisebericht (Im Malayischen Archipel und auf Borneo) vor, der mit seinen 321 Onartseitcn nebst 63 Tafeln, 4 Karten und 5 Abbildungen im Text in Verbindung mit einer kleineren Arbeitlieber Atfurenschädel", eben­falls von Kükcnlhal. den 22. Band der Abhandlungen bildet, der aber auch als selbstständiges Werk im Buch­handel erscheinen wird. In schlichter Weise erzählt der Reffende seine Erlebnisse und Beobachtungen nnd schildert er die empfangenen Eindrücke. In die einzelnen Kapitel sind allgemein interessante wissenschaftliche Erörterungen eingestochten, als:lieber das Fliegen der Fische".Wale in tropischen Meeren".Die Ver­breitung der Thiere im Malayischen Archipel" u. A. m., wie sie sich gerade dem Reisenden aufgedrängt haben. Gerne begleiten wir ihn auf seinen Fahrten und Wande­rungen, denn überall, selbst bei den berüchtigten Kopf­jägern, finden wir freundliche Aufnahine. Die Lektüre des Werkes muß namentlich den anmuthen, der den jüngsten kolonialpolitischen Reichstagsverhandlungen mit Aufmerksamkeit gefolgt ist. Ein humaner, gesunder Geist durchweht den ganzen Bericht, trotzdem der Reisende sein Ziel mit aller Energie verfolgt und sich niemals etwas von seiner Autorität vergeben hat. Die Jllustrirung des Werkes, die der künstlerischen Leitung des Herrn Winter von der Firnia Werner und Winter unterstellt war, ist als eine meisterhafte zu bezeichnen. Ethnographische Tafeln wie die 10 vorliegenden werden wohl kaum je in

jo mustergültiger Weise dargesicllt worden sein. Ebenso ist die Reproduktion der 90 Originalphotographien ganz vorzüglich. Es war keine Kleinigkeit, die durch das Tropenklima mitunter fast bis zur Unkenntlichkeit ver­unstalteten Aufnahmen wieder brauchbar herzustellen. Dem Reisenden sowohl wie dem Künstler, der ihm helfend zur. Seite stand, aber auch der Senckenbergischen natur­forschenden Gesellschaft wird dieses Werk zu hoher Ehre gereichen.

Ferner sprach Herr Oberlehrer Blum überIn­schriften innerhalb des Holzes." Vor nicht langer Zeit ist durch eine Inschrift, die in Braunschweig beim Spalten von Holz auf diesem zum Vorschein kam, die Jnschriftenfrage mehrfach erörtert worden. Da sich in der botanischen Sammlung des Senckenbergischen Museums ebenfalls Hölzer mit Figuren und Inschriften befinden, so benutzt Redner gern die Gelegenheit, in aller Kürze Mittheilung darüber zu mache».' Wird in den Stamm eines Baumes ein Buchstabe, eine Zahl oder eine Zeichnung bis auf den Splint eingegraben, so sieht man alsbald die Wundfläche sich bräunen, indem sich von den umgebenden Zellen ein Gummi nebst einem Farbstoff ausscheidet und die Gefäße aus der Wundfläche ver­stopft. Auch gewisse Zellen sind im Stande den Verschluß der Gefäße zu bewirken. Bei manchen Baumen wird zur Wundbcdeckung Harz, so bei den Koniferen, bei anderen, namentlich ausländischen Bäumen, Balsam oder Milchsaft ausgeschieden. Ist die Wundfläche nicht zu groß, so wird sie bei normalen Verhältnissen überwallt, d. h. es bildet sich eine'Hautschicht über der Wunde, die sich in Cambium (Theilungsgewebe), Rinde und Holz disserenzirt. Das erste Hotz, das von dem Cambium abgeschieden wird, schmiegt sich den Bertiefnngen an und bildet so einen erhabenen Abdruck. Da die alten und neuen Holzschichten nicht mit einander verwachsen, so trennen sich die Jnschriftenflächen beim Spalten oder Durchsägen leicht. Von den vorgelegten Hölzern gehören die beiden ersten zusammen, d. h. sie tragen Inschrift und Abdruck. Auf beiden Stücken ist eine Figur, einem Farnblakt (Polypodium) ähnelnd, die wie eingebrannt erscheint. Das ilMere Holzstück, also das ältere, ist der Form des Stammes gemäß konvex gestaltet, während das äußere Stück die Figur (den Abdruck) auf der Hohlfläche trägll Die Jahresringe sind auf jenem ziemlich regelmäßig abge­lagert, während sie auf diesem in Folge der Einschnitte in ihrer Kreisform etwas gestört sind, und an dieser Störung läßt sich die Zeichnung in plastischer Form durch