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Naturwissenschaftliche Wochenschrift.
XIl. Nr. 10.
nöthig. Ara besten ist es, wenn man den Platz alle sechs Monate wechselt, so dass sich der Boden erholen , kann, denn die Strausse ziehen als Feinschmecker be- I stimmte Pflanzenarten anderen vor, so dass diese besseren in Gefahr kommen, ausgerottet oder von den verschmähten Gewächsen überwuchert zu werden; auch wird durch dieses Verfahren die Verbreitung ansteckender Krankheiten in etwas gehindert. Für eine Heerde von 1000 Straussen ist ein Weideland von mindestens 7000 j Hektar erforderlich. Dieser Platz wird von einem gegen j 2 m hohen Zaun aus starkem Eisendraht umgeben und in Felder getheilt, von denen jedes in derselben Weise eingezäunt wird. In den der Wohnung zunächst gelegenen Feldern von je 50 Hektar Grösse werden die jungen Strausse aufgezogen, die weiter entfernten Felder, l in Flächen von etwa 12 Hektar, dienen zur Aufnahme je eines Zuchtpaares, und in den am weitesten gelegenen Feldern von ca. 1200 Hektar leben ungefähr je 150 Vögel. Ein besonderes Augenmerk ist auf die Raubthiere zu richten, welche eine grosse Gefahr für die Strausse bilden; die jetzt vielerorts angewandte Methode, Vergiftung durch Strychnin, hat sich auch hier bewährt.
Man unterscheidet eine natürliche und eine künstliche Zucht; bei der letzteren werden die Eier auf künstlichem Wege ausgebrütet. Sie hat vor der natürlichen mannigfache Vorzüge. Wenn die Vögel ihre Eier selbst ausbrüten müssen, so legen sie im Jahre höchstens zweimal, jedesmal 12—17 Eier, während eine Zuchtfamilie, aus 1 Männchen und 2 Weibchen bestehend, der inan die Eier wegnahm, bis 188 Eier pro Jahr lieferte, die 133 Junge ergaben, von welchen 115 heranwuchsen. Dabei ist noch zu bedenken, dass die im Freien liegenden Eier den Feinden sowie schädigenden Witterungseinflüssen ausgesetzt sind.
In den kleinen für die Zuchtpaare resp. -Familien bestimmten Feldern findet man die Nester, auf welchen die Eltern sechs Wochen lang abwechselnd brüten, und zwar das Männchen während der Nacht, das Weibchen am Tage. Die künstliche Ausbrütung dauert ebenso lange. Wenn die im Brutofen ausgeschlüpften Jungen zwei Tage alt sind, kann man sie bei schönem Wetter und ruhiger Luft in die für sie bestimmten Felder hinauslassen, wo man sie durch einen Eingeborenen bewachen lässt. Am dritten Tage fangen sie an, Kies aufzupicken und in ihren Magen zu bringen; vom vierten Tage an nehmen sie frische grüne Nahrung, am liebsten fein gehackte Luzerne, auch Körner und Wasser. Während der Nacht, sowie an kalten, regnerischen Tagen bringt man die Jungen in ; geschlossenen, wohl gelüfteten und erwärmten Räumen unter. Auch den auf natürlichem Wege erbrüteten Thieren wird ein Wärter beigegeben, um die Jungen an den Anblick des Menschen zu gewöhnen und ihnen die gleiche Sorgfalt wie den künstlich erbrüteten zu Theil werden zu lassen. Erst im zweiten Monat dürfen die Jungen im Freien übernachten in windsicheren Schuppen, und im dritten Monat endlich kann man sie ganz draussen lassen, ausgenommen in der schlechten Jahreszeit. Das grosse Geheimniss der Straussenzucht ist, den Thieren so viel grüne Nahrung zu geben, als sie fressen mögen. Deshalb setzt man die Jungen neuerdings, wenn sie zwei Monate alt sind, auf Luzernefeldern aus, wo sie sich selbst ernähren. Die Jungen sind nach dem Ausschlüpfen mit stachelartigen Sprossen besetzt; später erhalten sie das graue Kleid der Weibchen, und erst im dritten Jahre nehmen die jungen Männchen die Farben ihres Geschlechtes an.
Am Aussenrande der entferntesten Felder, welche ,den erwachsenen Straussen zum Aufenthalt dienen, finden sich mit Brettern gedielte, schmale Räume, in welche die |
Vögel getrieben werden, wenn mau ihnen die Federn rauben will; die Thiere haben dann keine Gelegenheit, ihre derben Fusstritte auszutheilen.
Früher entnahm man den Straussen die Federn alle sechs Monate, nach welcher Zeit dieselben ihre volle Entfaltung erreicht haben, aber das Blutgefäss, welches die Feder ernährt, ist nach dieser Zeit noch nicht völlig vertrocknet, und durch das Ausreissen der Feder schadet man auf diese Weise der Qualität der nachwachsenden, so dass die Ernte im Laufe der Zeit von immer geringerem Werthe ist. Andererseits darf man die Feder nach dem Austrocknen der Ader nicht mehr sitzen lassen, denn dann verdirbt ihre Spitze, wodurch die Feder bedeutend an Werth verliert. Gegenwärtig verfährt man so, dass man nach sechs Monaten die grossen, weissen und grauen Flügel- und Schwanzfedern, die „quill feathers“, nicht ausrupft, sondern etwas über der Wurzel abschneidet und den Stumpf stecken lässt, bis das Blutgefäss innen vertrocknet ist.
Die Federn der wild lebenden Strausse sind selbstverständlich schöner als die der Hausstrausse, aber da der Strauss keine bestimmte Mauserzeit hat, so fällt bei den frei lebenden Vögeln eine Feder nach der andern ab in dem Maasse, wie die nachwachsenden sie ab- stossen.
Der Preis für die Straussenfedern ist in den letzten Jahren, wohl in Folge des erhöhten Angebotes, bedeutend gesunken; während 1860 ein Pfund Federn noch mit 8—9 Pfund Sterling bezahlt wurde, kommt dasselbe jetzt kaum auf 2 Pfund. Im Jahre 1885 führte die Kapkolonie jedoch bei mittleren Preisen für 585 278 Pfund Sterling Straussenfedern aus; in Anbetracht dessen kann es nur freudig begrüsst werden, dass jetzt auch in unseren ostafrikanischen Colonien Versuche im Grossen angestellt werden, den Strauss zu züchten.
Zum Schlüsse mag noch der Preis für Strausse mit- getheilt werden: ein zur Zucht geeignetes Paar kostet zur Zeit im Kaplande 35—40 Pfund, ein junger Strauss 2—3 Pfund Sterling. S. Sein
Emil Fischer und Lorenz Ach: Synthese des Caffeins. (Ber. D. Chem. Ges. 28,3135.) — Alle Versuche, die Harnsäure in Xanthin umzuwandeln, sind bisher erfolglos geblieben, was wohl hauptsächlich den verschiedenen Structurverhältnissen beider Körper
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(Harnsäure)
(Xanthin)"
zugeschrieben werden muss. Der Unterschied liegt, wie leicht ersichtlich, einerseits in der Anzahl der Sauerstoffatome, andererseits an den verschiedenen Bindungsverhältnissen und der Stellung der Wasserstoffatome.
Vor kurzer Zeit habe ich über die Synthese der y-Dimethylharnsäure*)
CH 3 N —CO
r i
, ■ 00 C—NH
I -II >CO ■ ....
CH 3 N-C—NH .. -
()'-Dimethyl Harnsäure)
*) Diese Zeitschrift vom 11. October 1896.