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Naturwissenschaftliche Wochenschrift.

XII. Nr. 10

Oberseite der Haut. Krieger, welche einem Gefechte bei­gewohnt haben, haben das Recht sich ein Fingerglied tättowiren zu lassen, die ganze Handoberfläche aber nur, wenn sie einen Kopf erbeutet haben.

Mindestens ebenso ins Auge fallend wie die Tätto- wirung, ist die eigentümliche Form der Ohrläppchen der Frauen, welche, durch schwere Ringe nach abwärts gezogen, fadendünn geworden sind und bis auf die Brust herabreichen. Von frühester Jugend an tragen sie solche Ringe, von denen jeder gegen 300 gr. schwer ist. Ihre Zahl wird allmählich auf 4 bis 5 vermehrt, sodass jedes Oliv über ein Kilogramm zu tragen hat. Die Folge davon ist die enorme, mehr als fusslange Streckung des Ohr­läppchens, das dabei aber nicht zerreisst. Die Männer verzieren ihre Ohren mit einem Paar Faugzälmen der Tigerkatze (Felis nebulosa).

Die Stellung der Frau ist keine niedrige; der Mann begegnet seiner Frau stets mit der grössten Hochachtung und Liebe. Die Ehe ist ihnen ebenfalls heilig. Eine gute Behandlung lassen sie auch ihren Sklaven ange­deihen, die man von ihren Herren, da diese ebensowenig Kleidung tragen wie jene, meist kaum unterscheiden kann. Eine Ausnahme machen sie nur aus abergläubischem Grunde, wie z. B. beim Bau eines neuen Hauses, wo der erste Pfahl durch den Körper einer jungen Sklavin ge­trieben wird, um dadurch das Glück an das Haus zu fesseln; oder beim Tode eines Häuptlings, wo eine Anzahl Sklaven Hungers sterben muss, um dem Verstorbenen in die andere Welt zu folgen und dort zu dienen.

Merkwürdig ist auch bei den Völkern Borneos die Art der Todtenverehrung und des Begräbnisses. Bei den Longkiputs wird der Verstorbene, ähnlich wie bei den Alfureu auf Halmahera, im Hause in einer Bambukiste aufbewahrt, bis völlige Verwesung eingetreten ist und dann erst beigesetzt. Nur im Falle ansteckender Krank­heiten wird der Todte gleich in die Erde gegraben. Die Beisetzung findet im Urwald statt und zwar überirdisch, indem sie den Leichnam in einem grossen, ausgehöhlten Baumstamm beherbergen, der je nach der Stellung des Verstorbenen mit Schnitzereien, Schmuck- und Hausgegen­ständen aller Art, namentlich mit Steingutteller, verziert wird. Mit der Beerdigung sind natürlich lang andauernde Feste verbunden.

Auch die Gräber der Kayans haben diese Säulenform (Fig. 4). Das Grab stand inmitten von Baumstümpfen

und Resten umgehauener Bäume, als eine schlanke Säule, deren eine Seite mit Tuch von ursprünglich rother Farbe bekleidet war. Das Dach war viereckig, flach und an den Rändern mit geschnitzten Seitenbrettern verziert. So­wohl das Dach wie die Umgebung war mit vielen bunt­farbigen Lappen fahnenartig besteckt; unter dem Dache hingen einige, dem Verstorbenen gehörige Gegenstände, sein Schild, sein Kriegskleid, sowie seine Waffen.

Als Waffen haben die Kajans prachtvolle Schwerter, in reichlich verzierten Holzscheiden. Aber auch Bogen und Pfeil oder Blasrohr und Pfeil stehen in Benutzung. Das Blasrohr ist manneshoch oder höher, und wird mit besonders langen und spitzen Eisen ausgebohrt. Die Pfeile sind leicht und dünn, aus Bambusrohr gefertigt und am hinteren Ende mit einem Stück Mark von der Dicke des Rohrkalibers versehen. Der Pfeilköcher besteht aus einem Stück Bambusrohr. Diese Pfeile blässt der Kayan auf ein 5060 in entferntes Ziel mit der grössten Sicher­heit. Die sehr feine Pfeilspitze ist in Gift getaucht und diese Pfeilgifte auf Borneo gehören zu den wirksamsten, die man kennt. Vögel und kleinere Säugetiere sterben in wenigen Minuten, wenn sie von einem vergifteten Pfeile getroffen werden. Dieses Gift scheint nicht der Antiaris toxicaria entnommen zu sein, wie man meist für die Gifte Borneos annimmt. Die nähere chemische und physiologische Untersuchung des von Prof. Kükenthal einge- brachten Giftes ergab, dass es sicher kein Glycosid, sondern wahrscheinlich ein Alkaloid ist, während das Antiarin ein Glycosid ist. Es ist vielmehr allem An­schein nach ein völlig neues, bisher noch unbekanntes Pfeilgift.

Die ältesten, eigentlichen Ureinwohner Borneos sind wahrscheinlich die Punans, ein höchst merkwürdiges Volk, das nicht in Häusern, sondern in Höhlen lebt. Sie sollen im Gebrauch des Blasrohres ausserordentlich ge­schickt sein. Ihre Nahrung besteht aus erlegtem Wild und Früchten des Waldes. Ihre Wohnbezirke wechseln sie häufig. Reisbau treiben sie nicht, ihre wenigen Be­dürfnisse an Tabak, Gerätschaften u. s. w. verschaffen sie sich von den Kayans und Kenniahs durch Eintausch gegen Kampfer, den sie aus dem Kampferbaum zu ge­winnen wissen. Es sollen schöne, starke Leute sein und von guter Gemütsart, was schon aus dem Umstande erhellt, dass sie der einzige Stamm Borneos sind, der die Kopf­jagd verabscheut. F. R £//yyu^r

Fremdkörper gelangen nicht gerade selten in den I menschlichen Magen. Oft, besonders bei kleineren j Kindern, werden durch Zufall beim Spielen Gegenstände verschluckt und verlassen, ohne die geringste Störung auf natürlichem Wege den menschlichen Körper. Bis­weilen befördert der Magen diese Gegenstände durch die eigene Kraft wieder zurück. Oft aber passiren sie zwar glücklich den Magen, werden aber in den unteren Theilen des Darmkanals zurückgehalten und rufen dort Ent­zündungen, Perforationen und dergleichen hervor, durch die schliesslich die Entfernung des Fremdkörpers, und zwar meistens mit Kunsthilfe, erfolgt. Selten bleiben die Fremdkörper im Magen zurück, geben dann früher oder später Anlass zu allgemeinen Störungen, deren Beseitigung stets nur durch operatives Eingreifen möglich ist. In der grossen Mehrzahl der Fälle ist nur 1 Fremdkörper ge­funden, sehr selten mehrere. Was die Art derselben an­belangt, so wurden operativ entfernt: Gabeln, Messer, Löffel, Eisen- und Bleistücke, Nägel, Glasstücke, eine Zahnbürste, ein Rasirmesser, Nadeln und dergleichen. In neuerer Zeit spielen die künstlichen Gebisse eine be-

| denkliche Rolle. Dieselben bleiben aber wegen ihrer l unregelmässigen Form in der Regel schon in der Speise­röhre stecken. Ebenso mannigfaltig wie die Fremd­körper selbst ist der Grund ihres Vorkommens im Magen. Bald, wie schon angegeben, ist es Spielerei und kindischer Unverstand, bald das Handwerk, bald Geistesumnachtung und Selbstmordversuch, die dem Magen den sonder­baren Inhalt zuführen.

Ein sehr interessanter und seltener Fall von Fremd­körpern im Magen ist von Dr. Fricker im evangelischen Hospital in Odessa zur Operation gekommen und geheilt worden, und zwar sind nicht weniger als 37 zum Theil sehr voluminöse Gegenstände aus dem Magen entfernt (Deutsche medicinische Wochenschrift 1897, S. 56 ff).

' Es handelte sich um eine 32jährige Frau, die in [ihrem 14. und 15. Jahr zeitweis hysterische Beschwerden hatte, im 17. Jahr heiratete, dann in kurzen Zwischen- iräumen achtmal gebar. Der Verlust eines Kindes hatte vor IVa Jahren eine bald vorübergehende Nervenstörung veranlasst, vor drei Monaten, beim Tode eines zweiten Kindes, trat dieselbe von Neuem auf und steigerte sich