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Sehvendener.
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Redaktion
Dr. H. Potonie,
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Verlag: Ferd. Dümmlers Verlagsbuchhandlung, Berlin SW. 12, Zimmerstr. 94.
XII.
Band.
Sonntag, den 7.
März 1897.
Nr. 10.
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Das Reich Sarawak auf Borneo*).
An der Nordkiiste Borneos liegt das Reich Sarawak, in welchem der Rajah Charles Brooke unter englischer Oberhoheit residirt. Er ist der Neffe und Nachfolger des Engländers James Brooke, dem im Jahre 1841 von dem damaligen Rajah Muda Hassim die Herrschaft über Sarawak abgetreten wurde, als Belohnung für seine Unterstützung bei der Unterdrückung einer Rebellion. Sarawak stand damals noch unter der Oberhoheit des Sultans von Brunei, der aber später wegen seiner Umtriebe gegen die Engländer vertrieben wurde. James Brooke hat in den 27 Jahren seiner Regierungszeit unablässig an der culturellen Erschliessung des Landes gearbeitet und hinterliess 1868 bei seinem Tode seinem Neffen Charles Brooke, ausser einem wohl- geordneten Reiche, die Liebe und Verehrung seiner Unter- thanen. Charles Brooke wandelt iu den Pfaden seines grossen Oheims. In seiner gesegneten Regierungszeit hat sich das Land in jeder Beziehung gehoben, das beherrschte Gebiet ist seit der Gründung auf das 13 fache gewachsen und die Liebe der Eingeborenen zu ihrem Herrscher ist unverändert geblieben. Ruhige, friedliche Arbeit kennzeichnet die gegenwärtige Periode in Sarawaks Geschichte, nur vor wenigen Jahren wurde diese Ruhe noch einmal gestört durch einen von Chinesen geplanten Aufstand, der aber noch rechtzeitig unterdrückt wurde.
Rajah Charles Brooke hat als Hauptprincip seiner Regierung erkannt, dass man nicht über den Ein
*) Aus dem Reise werk des Herrn Prof. Dr. W. Kükenthal: Forschungsreise in den Molukken und in Borneo, im Aufträge der Seckenbergischen naturforschenden Gesellschaft ausgeführt von Prof. Dr. W. Kükenthal in Jena. I. Theil: Reisebericht mit 63 Tafeln, 4 Karten und 5 Abbildungen im Text bei M. Diesterweg Frankfurt a. Main (siehe „Natunv. Woehenschr.“ Nr. 51 Bd. XI mul Nr. 9 Bd. XII).
geborenen, sondern mit ihnen regieren solle. Nicht juristischer Scharfsinn, sondern gesunder Menschenverstand macht in Sarawak Gesetze, und der Rajah sieht bei der Wahl seiner aus England stammenden Beamten nicht auf grosse Fachkenntnissc irgend welcher Art, sondern lediglich auf tadellosen Ruf und Charakter!
Das Land Sarawak ist in Provinzen eingetheilt, deren jede von einem Residenten verwaltet wird. Unter diesen stehen die Assistent-Residenten, welche kleinere Stationen auch selbstständig verwalten können, und der Vorsteher eines Districtes ist Regierungsvertreter und Richter zugleich, er ist Commandant des aus Dajaksoldaten bestehenden Militärpostens, verwaltet ausserdem die Kasse und nimmt die Steuern in Empfang, welche von den Häuptlingen eingesammelt werden. Ferner unternimmt er Reisen ins Innere, um Streitigkeiten zu schlichten und wird mit diesen verschiedenen Arbeiten ganz allein fertig. Die Steuern betragen jährlich zwei Dollar für eine Familie und einen Dollar für den einzelnen, arbeitsfähigen Mann. Die Häuptlinge, bei den Eingeborenen Sarawaks „Pang- liulus“ und „Orang Kayas“ genannt, die diese Steuern einziehen müssen, werden auch sonst noch zu mancherlei Regierungsgeschäften herangezogen und hierin liegt eine der Ursachen, weshalb die Regierung so volksthümlich und beliebt geworden ist.
Das stehende Heer ist sehr klein, nur 250 Mann sind unter Waffen. Dazu kommt noch zur Aufrechterhaltung der Ordnung ein Polizeicorps von 150 Mann. Auch eine Marine ist vorhanden, bestehend aus 10 Gouvernementsdampfern, von denen ein kleines Kanonenboot gleichzeitig als des Rajahs Yacht dient. Im Kriegsfälle, oder wenn sich irgend ein Stamm unbotmässig zeigt, braucht der Rajah nur seine .getreuen Dajakstämme zum Kampfe zu entbieten, umhin wenigen Tagen verfügt er über ein Heer von 10—15000 tapferen Kriegern.