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Redaktion: 7 Dr. H. Potonie.
Verlag: Ferd. Dümmlers Verlagsbuchhandlung. Berlin SW. 12, Zimmerstr. 94.
XI.
Band.
Sonntag, den
20.
December 1896.
Nr. 51.
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Die Alfuren von Halmahera.
Halmahera, die grosse Molukkeninsel, wird von zwei verschiedenen Völkerschaften bewohnt, welche auch ziemlich scharf von einander getrennt leben. Die eineli, „Orangslam“ (Anhänger des Islam), genannt, sind zweifellos Malayen. Sie bewohnen die Küstenorte und nur vereinzelt finden sich auch tiefer im Lande Ansiedelungen von ihnen vor. Die Anderen sind die „Alfuren“, ein gänzlich davon verschiedener Stamm, der zur poly- nesischen Rasse gehören dürfte. Die Alfuren wohnen zum Tbeil am Meere, zum grössten Theil aber in den Ebenen des Innern, besonders dicht an grösseren Wasserläufen (Kau) oder Binnenseen (Galela). Schon aus dem Umstande, dass sie von der Küste verdrängt sind, lässt sich folgern, dass sie die älteren Bewohner des Landes sind.
Den Alfuren widmet Prof. Dr. W. Kükenthal in seinem .interessanten Reisewerke*) eine umfassende Schilderung, der wir Folgendes entnehmen.
Mit dem Namen „Alfuren“ werden auf verschiedenen Inseln des Ostens die im Innern wohnenden un- civilisirten Völker bezeichnet. „Alfuren ist also keineswegs der Name eines bestimmten Volksstammes, sondern ein Collectivname. Von den über den Ursprung dieses Namens existirenden Hypothesen ist wohl diejenige von A. B. Meyer die plausibelste, wonach der Name „Alfure“ von dem im nordwestlichen Neu-Guinea wohnenden Volksstamme der Arfüs herrührt, die früher sehr gefürchtet waren. Die Bewohner der Molukken wie anderer Inseln,
*) Ergebnisse einer zoologischen Forschungsreise in den Molukken und in Borneo, im Aufträge der Senckenbergischen naturforschenden Gesellschaft auf Kosten der Rüppellstiftung ausgeführt von Prof- Dr. W. Kükenthal. I. fheil: Reisebericht. Mit 63 Tafeln, 4 Karten und 5 Abbildungen im Text. Frankfurt a. M. 1896. In Commission bei M. Diesterweg. Die Abbildungen sind nach den Sammlungen und Photographien Prof. Kükenthal’s hergestellt von der lithographischen Anstalt von Werner & Winter in Frankfurt a.M.
welche die Küsten Neu-Guineas besuchten, hörten von einem gefürchteten wilden Volksstamm in dessen Innern fund übertrugen seinen Nämen auf die wilden Stämme ihres eigenen Landes.
Die Alfuren Halmaheras zerfallen in eine grosse Anzahl Stämme, die von Kau, Tobelo, Galela, Tuba ro u. s. w., welche trotz vieler gemeinsamer, anthropologischer und ethnologischer Züge doch auch manches Abweichende besitzen. So ist z. B. die Sprache der einzelnen Stämme so sehr verschieden, dass die Alfuren der Ostküste nicht die Sprache der Alfuren der Westküste verstehen und nur durch Anwendung der ternataniscken Sprache ist eine Verständigung möglich. Ihre Kulturstufe ist im Grossen und Ganzen die gleiche; die am tiefsten stehenden sind wohl die im Waldesinnern herumstreifenden Drang Tugutil, die aus dem Districte von Kau stammen.
Der Körperbau der Alfuren ist kräftig und von schönem Ebenmaass der Glieder. Von den Malayen unterscheidet sie ihre bedeutende Körpergrösse, denn Gestalten von 1,80 m sind gar nicht selten, sowie die lichtbraune bis dunkelbraune Hautfarbe. Die Haarfarbe ist schwarz bis kastanienbraun. Wenn auch der Haarwuchs der Alfuren an und für sich kein besonders starker ist, so fällt er immerhin gegenüber der spärlichen Behaarung der Malayen auf. Auffällig erscheint die Kleinheit des Kopfes, was die Körpergrösse der Männer noch stärker hervortreten lässt. Das Gesicht ist breit, jedoch springen die Backenknochen nicht stark vor und das Kinn tritt etwas zurück. Die Nasenflügel sind breit. Die Zähne sind stark entwickelt. Eine merkwürdige Sitte ist die Zahnfeilung; die Schneidezähne des Ober- und Unterkiefers werden nämlich mit den anderen Zähnen gleich gefeilt und es wird sodann noch in die Oberseite eines jeden Schneidezahnes eine horizontale Rinne eingefeilt. Der grösste Theil der Alfuren ist sesshaft und ihre Ansiede-