Beiderlei Verwitterungsprodukte des Granits wurden 1768 zuerst in der Porzellandarstellung Englands ver­wendet, erlangten aber erst in diesem Jahrhundert größere Bedeutung.

Die Jahresproduktion wuchs namentlich rasch, als um die Mitte desselb-n man ansing, auch dem Auslande einen Theil zuzuführen. So ist sie endlich im Jahre 1894 auf über 400,000 Tonnen gestiegen, im Werthe von rund 300,000 Lstr. In diesem Jahre wurden dem Ausland- an englischem Kaolin und englischen Pfeifenthonen 286,198 Tonnen im Werthe von 319,726 Lstr. zugeführt. Früher war in Cornwall das Kupfer nächst dem Zinn das wichtigste mineralische Produkt; iu neuerer Zeit ist aber seine Ausbeute mehr und mehr zurückgegangen, so

daß sie nur noch einen Jahreswerth von 12,000 Lstr. bis 14,000 Lstr. hat. An seine Stelle treten mehr und mehr Porzellanthou und Porzellanstein.

Wenn man früher aus das Wohl von Cornwall trank, geschah es mit den Worten:Bisst, Mn and Copper! Jetzt würde es dagegen passender heißen:Fish, Tin and Cornish clay!

Der Vorsitzende dankte dem Redner, daß er trotz seiner ihm karg zugemessenen freien Zeit hierher gekommen sei, um die Gesellschaftsmitglieder mit dem interessanten Vortrage zu erfreuen und bittet ihn, auch in Zukunft der Gesellschaft die alte Treue zu bewahren.

Wissenschaftliche Sitzung der Serrckenbergischerr naturforfchenden Gesellschaft.

Samstag, den 29. Festtmar 1896.

Der Vorsitzende, Herr Major Dr. L. v. Heyden, eröfinet die Sitzung und macht aufmerksam auf eine vor Kurzem erworbene Sammlung Laufkäfer, Gattung Oeroglossus, die sich durch metallische Farbenpracht auszeichnet und auf Chile und die davor lagernden Inseln beschränkt ist. Sie sind für Chile die Vertreter der Oarastus, die in der paläarktischen Region in sehr zahl­reichen Arten Vorkommen. Ceroglossus unterscheidet sich von allen andern Larastus-Gattungen durch das Fehlen von beweglichen Borsten vor den Augen.

Zum Vergleich werden außer Repräsentanten einheimi­scher echter Carabus noch aberrante, doch nahe verwandte -Forme» besprochen und vorgezeigt:

1. Haplothorax Burchelli Waterh., auf die Insel St. Helena beschränkt,

2. Macrothorax Aumonti Luc. aus Algerien,

3. Coptolabrus smaragdinus Dej. aus Sibirien und

4. I) anraster blaptoickss Kollar aus Japan.

Herr Professor Dr. L. Edin ger hielt hierauf feinen

angekündigten Vortrag:

Die Entwicklung des Sehens.

Wie aus früheren Mittheilungen schon hervorging, bestrebt sich der Vortragende seit Jahren den Bau der Gehirne niederer Thiere zu untersuchen, da er der An­sicht ist, daß, wenn dieser einmal vollständig bekannt ist, auf die Leistungsfähigkeit des gefundenen Apparates Schlüsse gezogen werden können, die als festere Unterlagen für eine vergleichende Psychologie dienen können, als wir sie jetzt besitzen. Das Seelenleben der Fische. Amphibien und Reptilien, aus dem sich ja die höhere Seelenthätig- keit, die wir am Menschen in so komplizirten Erschein­ungen studiren müssen, herangebildet hat. ist bisher nur ganz oberflächlich und für wissenschaftliche Ansprüche völlig ungenügend untersucht. Weil eben die Mittel zu feinerer Beobachtung der Psyche selbst versagen, müsse man, so meint der Vortragende, den anatomischen Weg beschreiben, von dessen Ergebnissen er mehrfach schon be­richtet habe.

Jeder Sinnesnerv, so etwa führte Redner aus, endet zunächst im Gehirne in einer niederen Station, und wir kennen für alle Nerven diese Stationen vollkommen genau. Wir wissen auch durch Versuche, daß das Vorhandensein dsiser ersten Endstätte völlig ausreicht zu einem gewissen, o?t nicht einmal sehr einfachen Fungiren. Die vergleichende Anatomie lehrt, daß die Knochenfische überhaupt nur die ersten Endstätten besitzen. Im Vortrage des Jahres 1884 wurde aber gezeigt, daß sich bei den Amphibien und bei den Reptilien über den niederen Endstationen der Sinnes­apparate im Gehirne ein neuer Hirntheil aufbaut, die Hirnrinde. Wir wissen durch Thierversuche und durch Beobachtungen an erkrankten Menschen, daß in ihr erst die höheren seelischen Prozesse zu Stande kommen. Die älteste Hirnrinde hängt nur mit dem Ricchapparate zu­sammen. Deshalv wurde geschlossen, daß die ältesten höheren seelischen Prozesse solche sind, die mit dem Gerüche in Zusammenhang stehen. In der

That sind alle die Thiere, bei welchen der Geruchsnerv allein mit der Rinde im Zusammenhang steht, solche, die den größten Theil ihres Lebens am Boden oder im Wasser verbringen. Natürlich bietet es nicht geringes Interesse zu untersuchen, wie sich die Hirnrinde weiter entwickelt.

Es ist nun gelungen bei den Vögeln ein weiteres Bündel von der Endstätte eines Sinnesnerven zur Hirn­rinde aufzufindcn. Diesmal handelt es sich um den Sehnerven.

Die Thiere, welche noch keine Schnervrindenverbindung haben, sind natürlich nicht etwa blind, sie können nur ihre Seheindrücke noch nicht mit anderen Erinnerungs­bildern verknüpfen, können sie wahrscheinlich überhaupt nur viel vager percipiren, gewissermaßen wie ein Mensch, der sieht, aber nicht beobachtet, resp. genauer wahrnimmt, was er sieht.

Der Sehnervenrindenzug ist nicht nur durch Schnitt­serien an reifen Vögeln nachgewiesen, sondern es ist auch gelungen, ihn bei Thieren, denen man die betreffende Hirnrinde exstirpirt hatte, zur Degeneration zu bringen. Die Tauben drei überlebten die Operation, die völlig schmerzlos schien, ganz gut waren auf dem gekreuzten Auge blind. Es scheint demnach, daß die Vögel mit den tiefen Zentren allein gar nicht mehr so ausreichend sehen wie ihre Vorgänger, die Reptilien, daß sie vielmehr der Rinde wirklich schon so sehr bedürfen wie ein Mensch, der auch nach Erkrankung der gleichen Rindentheile ganz blind wird.

Dieser Umstand weist darauf hin, daß bei den Vögeln das Sehen mit viel mehr seelischen Prozessen verbunden ist, als bei den niederen Vertebraten oder, wie Redner anknüpfend an Dr. S tefsan's Vortrag in einer früheren Sitzung über die Bedeutung der Rinde für das Sehen nachwies, daß die Vögel das Gesehene denkend verwerthen, daß sie mit Verstand und mit Erinnerung, mit Wicder- erkcnnen und mit Associationen sehen, die in Beziehung zu den Gesichtseindrücken stehen, kurz, daß ein Theil des Seelenlebens der Vögel in sehr vielen Beziehungen an das Sehen anknüpfen muß. Die Sehbahn der Vögel entwickelt sich erst, wenn das aus dem Ei gekrochene Thier eine Zeit lang mit Auge und niederen Sehcentren Sinneseindrücke aufnehmen konnte. Jedenfalls ist sie beim Sperling, der eben flügge wird und beim Huhn, 8 Tage nach dem Auskriechen, noch nicht fertig gebildet.

Von der Stelle, wo bei den Vögeln die Sehbahn endet, gehen noch andere Fasern aus, die zu verschiedenen Theilen des Großhirnes führend, das Scheid direkt mit anderen seelifchen Elementen in Verbindung bringen können.

Da nun nach dem heutigen Stande unseres Wissens die Rinde als der Sitz derjenigen seelischen Funktionen aufgefaßt werden darf, die mit Ueberlegung unter Be­nutzung von Erinnerungsbildern bewußt ausgeführt werden, so hat der Nachweis eines Rindenzuges zu den Kernen eines bestimmten Sinnesapparates hohes Interesse in vergleichend psychologischer Beziehung. Es wird nun für die Vögel leichter verständlich, wie sie zum Theil mit sehr ausgebildetem optischen Erinnerungsvermögen arbeiten.