Wissenschaftliche Srtznng der SenLkenbergischen nnturforschenden Gesellschaft.
Samstag, den 15. Februar 1896.
Vorsitzender: Herr Geh.
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Herr Major vr. L. V. Hehde«., Regierungsrath P ro feil o r .
I Rein ans Bonn sprach in der heutigen wisien- schaftlichen Sitzung über
Vorkommen. Gewinnung und Verwendung der Porzellan- und Pseifenthone Südwest-Englands.
Der Vortragende hatte als deutscher Preisrichter in Chicago Gelegenheit und Anlaß, sich eingehender mit der englischen Thonwaaren-Jndustrie zu befassen. Im amtlichen Bericht über dieselbe wurden später von ihm die verschiedenen Grundlagen erörtert, auf denen sie sich entwickelt und sich ihren'heutigen Weltruf und Einfluß auf die Kunsttöpfereien vieler anderen Länder erworben hat. Seitdem war
Beobachtungen und Studien an Ort und Stelle auch von andern Seiten näher kennen zu lernen. Eine günstige Gelegenheit dazu bot sich im Nachsommer des verflossenen Jahres. Der letzte Theil von Rein's Studienreise führte ihn an die Südwestküste Englands, zu den Pfcifenthon- lagern von Dorset und Devonshire und den Kavlinwerken von Cornwall. Sie bildeten den Gegenstand des heutigen Vortrags.
Der Redner erörterte zunächst die wichtigsten Eigenschaften der Thone, insbesondere ihre Plastizität und ihre Unveränderlichkeit nach dem Brennen. Die Bildsamkeit gestattet uns, den teigigen, mit Wasser vermengten Thon in mancherlei Formen zu bringen. Gefäße aus ihm verlieren beim Brennen, d. h. in der Glühhitze, alles Wasser und zugleich die Fähigkeit, wieder anderes später chemisch zu binden. Sie sind widerstandsfähiger gegen alle Einflüsse der Atmosphäre und des Bodens als Stein und Metall. Jahrtausende liegen manche in der Erde, ohne sich verändert zu haben; ausgegraben geben sie uns Kunde vom Kunstsinn und Kulturzustande längst verschwundener Völker.
Was wir Thon nennen, ist kieselsaure Thonerde in Verbindung mit Wasser. In seiner reinsten Form, dem Kaolin- oder Porzellanthon, besteht er aus 46,5°/o Kieselsäure, 39,5 °/o Thon- oder Alaunerde und'14°/o Wasser. In allen andern Fällen, wie als Pfeifenthon, Töpserthon und abwärts bis zum gemeinen Lehm, ist der Thon mehr oder weniger mit Sand, Kalk, Eisen und andern Körpern verunreinigt, auch verschieden gefärbt. Rühren solche Farben von organischen Stoffen her, so werden sie beim Glühen zerstört. Der Thon brennt sich weiß und heißt Pfeifenthon. Zu Porzellan und Steingut mit weißen Scherben lassen sich nur Porzellan- und Pfeifenthon benutzen, und das bedingt deren höheren Werth.
Der Porzellanthon kann für sich allein zu keinen keramischen Gebilden verwendet werden, so plastisch auch seine mit Hülfe von Wasser bereitete, teigige Masse ist, weil er unschmelzbar ist und in der Glühhitze seinen Zusammenhalt verliert. Unterscheidet ihn dies, seine weiße Farbe und seine mehlartig sich anfühlende Beschaffenheit schon von allen anderen Thonarten, so besteht noch eia weiterer Unterschied in der Art des Vorkommens.
Alle Thone sind Verwitterungsprodukte von Silikatgesteinen, aber während Kaolin noch in situ ist, hat das Wasser die andern von ihrem Entstehungsorte weggespült r<?>d in Flußniederungen, Seen und Meeresbecken getragen abgelagert, so daß man in den meisten Fällen ihren Sprung nicht mehr Nachweisen kann. Kaolin ging und aus der Verwitterung des Feldspats im Granit, und Porphyr, sowie des Trachyts hervor. Bei . 3'^ der Feldspat einen Theil seiner "Hesel'äure und sein Alkali ab und nimmt dafür Wasser »vS f 0 Umbildung von Feldspat entstanden, ist $Jl n . “ "nigeben von Cuanfonh m,h
Abgesehen vom Kaolin und alluvialen Lehm sind die meisten und ausgedehntesten Thonlager in der Tertiärzeit entstanden. Erinnert sei nur an die Rupelthone bei Flörsheim und Rieder-Ingelheim und an die sogenannten Braunkohlenthone des Kannenbäckerlandes im Kreise Montabaur.
Auch die englischen Pseifenthone in Dorset und Devonshire sind solche Tertiärthone. Sie werden theils bergmännisch, theils im Tagebau gewonnen, haben im frischen Zustande eine graue bis schwärzliche Farbe, und sind, wenn lufttrocken, graublau. Der Engländer nennt sie blue clays, häufiger aber nach ihren Versandtorten. Sie bleichen allmählich an der Luft und brennen sich rein weiß. Dies, \fow\z die Gleichmäßigkeit und das hohe Bindevermögen vchrkeihen diesen fetten Thonen ihren hohen Werth für die " ~ r....: Da sie außerdem
..geben von Ouarzsand und andern
estan theilen des Fcldspatgesteins und wird daraus durch Ausschlämmen gewonnen. Rur in einer Art Vorkommen des Kaolins vermögen wir auch bei ihm die Herkunft nicht mehr sicher zu erkennen. Das ist da der Fall, wo sich seine mikroskopisch kleinen Schuppen Ouarzsand zu Sandstein verbunden haben, wie bei Steinheid im Thüringerwald und bei Münstereifel in der Eifel.
und auch in vielen Porzellan- und Steingutfabriken des Auslandes verwendet.
Professor Rein ging dann weiter auf die Art des Vorkommens ein und 'wandte sich zunächst zum Dorsetthone. 'der von der Halbinsel Purbeck kommt und nach seinem Versandthafen Poole gewöhnlich Pools clay genannt wird. Die kleine Purbeck-Halbinsel liegt mittewegs zwischen der Bucht von Weymouth und der Insel Wight. Sie ist den Geologen durch ihre Uebergangsschichten vom Jura zur Kreide wohlbekannt. Die Nordhälfte besteht aus mitteleocänen Sonden und Thonen. Corfe Castle in der Mitte der Halbinsel ist Mittelpunkt der Thonwerke, die im Durchschnitt jährlich 80,000 Tonnen versenden. Die Thone gehen mit Bahn über das 8 Kilometer entfernte Städtchen Wareham nach Poole, wo der Seetransport beginnt.
Der Pfeifenthon von Süd-Devonshire heißt Teign- mouth-clay nach dem Hafen Teignmouth an dem langen, von W. nach O. gerichteten Acstuarium des Flusses Teign (sprich Tihn). Dieser entspringt im nördlichen Dartmoor, durchsließt es in östlicher Richtung, wendet sich dann nach Süden durch ein mitteltertiäres Becken, das vom Slldostende des Dartmoor bis nach Newton Abbot am Westende des Aestuariums sich erstreckt. Ehemals war das Aestuarium ein See, wurde aber durch die hineingeschweinmten Zersetzungsprodukte vom Granit des Dartmoor, Sand und Thon, ausgefüllt. Die Thone, die hier beiderseits des Flusses gewonnen werd'u sind viel dunkler an Farbe, außerordentlich fett und bindend und werden deshalb noch höher geschätzt als die Poole- Thone. Ihre jährliche Ausfuhr schwankt zwischen 70 und 80.000 Tonnen, einschließlich des englischen Verbrauchs.
Der Porzellanthon von Cornwall und Süd-Devon kommt vom Feldspat des Granits dieser Grafschaften. Die geologische Karte des eigentlichen Englands zeigt uns, daß der Granit auf dieses Gebiet beschränkt ist und hierin fünf größeren, inselartig isolirten. Massen auftritt, welche die devonischen Schichten durchbrochen und zum Theil überlagert haben. An den Rändern und in den Mulden dieser Granitinseln findet sich kaolinisirtec und in der Kaolinisirung oder Umwandlung zu Kaolin begriffener Feldspat. Am meisten ist dies der Fall bei der mittleren Granitmasje, dem Gebiete nördlich und westlich von St. Austell in den Kirchspielen St. Stephen. St. Denis und Roche. Hier sind denn auch die größten Kaolinwcrke, deren Jahresproduktion diejenigen aller andern weit übertrifit.
Der Redner schilderte weiter den Charakter der Landschaft, die Art der Verwitterung, die Gewinnungsweise des Kaolins in offenen, steinbruchartigen Gruben, das Verfahren bei der Ausschlämmung, Reinigung und Trocknung des Porzellanthons, sowie seine verschiedenen Verwendungen in der Industrie.
Neben dem Kaolin, der gewöhnlich China clay (Porzellanthon) und Cornish clay (Cornwallthon) genannt wird, gewinnt man ebenfalls zu keramischen Zwecken den Chiaa stone (Porzellanstein) oder Cornish stone (Stein von Cornwall). Es ist Granit, dessen Verwitterung noch im Fortschreiten begriffen ist, dessen Kaolin noch Alkali enthält. Man zermahlt ihn mit seinem Quarze und fügt ihn entweder als Flußmittel der Porzellanmasse bei oder verwendet ihn zu Glasuren.