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Wiffenschaftlichs Sitzung der Senckenbergischen naturforfchrnderr Gesellschaft.
Samstag, den 11. Januar 1896.
Der Vorsitzende, Herr Major Dr. L. v. Heyden, begrüßt die Versammlung zum neuen Jahre und theitt dann mit, daß aus der Direktion statutengemäß auszutreten hatten der zweite Direktor, Herr Dr. P. Wirsing, und der korrefpondirende Sekretär, Herr Dr. A. Jassoy, an deren Stelle die Herren Dr. A. Knoblauch und Dr. E. v. Meyer gewählt wurden.
Herr Oberlehrer I. Blum spricht über die ausgestellten, nachgebildeten Vögel, ein Geschenk der Schwestern Fräulein Elise und Fräulein Sophie Plett. Es sind im Ganzen über 200 Vögel, die in verkleinertem Maßstabe mit ihren eigenen Federn naturgetreu und künstlerisch schön aufgelegt sind. Nur da und dort und um den Aufenthaltsort eines jeden Vogels anzudeuten, ist der Pinsel zur Verwendung gekommen. Die Präparate befinden sich einzeln oder zu mehreren beisammen unter Glas und Rahmen. Der Darsteller dieser nachgebildeten Vögel war Johann Albrecht Bartholmä, Hausverwalter bei Baron v. Rademacher, auf einem Gute in der Nähe von Cassel; er wurde 1761 geboren. Der Mann muß ein scharfer Beobachter und ein gewandter Zeichner gewesen sein, außerdem ausgestattet mit einer unendlichen Geduld; denn die Meisterschaft in der Nachbildung, zu der er gelangt ist, hat er sich durch eigenes Bemühen, ohne eine Unterweisung, erworben. Herr Blum erklärt die Art und Weise der Anfertigung und bemerkt zum Schlüsse: Wenn auch die vorliegenden Nachbildungen nicht in die wissenschaftlichen ornithologischen Sammlungen des Museums eingereiht werden können, so sind sie immerhin dazu angethan, das Interesse der Besucher auf sich zu lenken und zur Förderung der Kenntniß unserer einheimischen Vögel beizutragen; wir sind daher den beiden genannten Damen zu großem Danke verpflichtet.
Herr Professor Dr. M. Möbius hielt nunmehr den angekündigten Vortrag
Wever den Kaitsschrvaurm.
^ Don den verschiedenen Pilzen, welche dem Bauholze gefährlich werden, ist der Hausschwamm, Norulius lacrymans, derjenige, welcher die häufigsten und größten Zerstörungen Verursacht. Man kann seine Anwesenheit schon aus der Beschaffenheit des von ihm zerstörten Holzes, welches braun und n>ürbe geworden ist, erkennen; auf dem Holze, z. B. der Unterseite der Dielen, findet man häufig ein weißliches oder graues Geflecht feiner Fäden, stellenweise findet man auch gröbere Geflechte und dickere Stränge, dann lockere, polsterförmige Gebilde, und ziemlich selten treten dieFruchttörper des Pilzes auf an Stellen, zu denen einiges Licht gelangen kann. An diesen Fruchtkörpern werden die gelbbraunen Sporen erzeugt, welche den 100. Theil eines Millimeters lang sind. Man kann sie nur unter gewissen Umständen, bei Gegenwart alkalischer Verbindungen, zum Keimen bringen. Sie erzeugen äußerst feine Fäden, die sich in das Holz einbohren und er weiterwackisen. Ihre Nahrung nehmen sie hauptsächlich aus dem Inhalte der Markstrahlen, wachsen aber auch rn den Faserzellen des Holzes. Werden solche, von Pilzfä^.n durchwachsene Holzstücke an feuchten Orten aufgehoben, fs dringen die Fäden auch nach außen und erzeugen schimmet? artige Gebilde. Charakteristisch sind für den Pilz iie häufigen Schnallenbildungen an den Fäden und die Verzweigungen aus denselben. Die dickeren Stränge, welche der Pilz außerhalb des Holzes bildet und mit denen ir sich durch das Mauerwerk oder den Boden weiterverbreit?» kann, enthalten neben den feinen Fäden auch weitlum!-^ Röhren und dickwandige Fasern. Die Anlage Fruchtkörpers erscheint als ein schneeweißes Polster. dessen Mitte treten braune, gewundene Leisten auf, iie. sich nach dem Rande ausbreiten; das ganze Fruchtlage-r- wächst weiter und kann bis zu einem Meter Durchmesser erreichen. An seiner Oberfläche wird es dicht überzogen von den sogenannten Basidien, senkrecht gegen die Oberfläche gerichteten Schläuchen, deren jeder 4 Sporen bildet.
Die reifen Sporen werden mit großer Kraft von der Unterlage abgeschnürt und mehrere Fuß weit fortgeschleudert. Am Fruchtlager und anderen kompakteren Theilen des Pilzes werden häufig Flüssigkeitstropfcn amgeschieden, welche dem Pilz den Beinamen des thränenden^aoriwaus) verschafft haben.
Früher glaubte man, der Hansschwamm komme nur noch in Gebäuden vor, doch hat man ihn auch einige Male in der Natur an Kieferstümpfen des Waldes gefunden. Er ergreift außer Kiefern- und Fichtenholz auch Eichenholz in den Gebäuden. In diese kann er also direkt mit dem zum Bau verwendeten Holze gelangen, meist aber erfolgt die Infektion des Holzes erst während des Baues durch Sporen, die nach dem Bau verschleppt werden oder durch Verwendung von altem Holz aus schwammkranken Häusern oder durch den zum Ausfüllen der Böden verwendeten Schutt u. dergl.; auch nachträglich kann er in ein Haus gebracht werden, bei Reparaturen des Holzwerkes oder wenn altes, krankes Holz in dem Hause längere Zeit aufbewahrt wird. Es bedarf aber dazu besonderer Umstände, die für das Wachsthum des Schwammes günstig sind: besonders Feuchtigkeit und Darbietung von Nährstoffen, wie sie in organischen Abfällen und Exkrementen enthalten sind. So gelangt der Schwamm sehr leicht in der Nähe der Aborte zum Ausbruch, wenn die Ableitungsrohre beschädigt sind. Zur Vorbeugung gegen das Auftreten des Schwammes empfiehlt sich die Verwendung gesunden, trockenen Holzes, gründliches Austrocknenlassen des Neubaues, bevor die Holztheile angestrichen werden, Anlage eines guten, lustigen Kellers oder Luftkanales, Vermeidung von Schutt oder von Material, das die Feuchtigkeit hält, wie Kokesschlacke, zur Füllung der Böden, Jsolirung der Holztheile vom Untergrund und den Mauern durch Theer- pappe oder Asphalt und anderes mehr, was sich von selbst ergibt, wenn man weiß, unter welchen Umständen der Schwamm in das Haus gerathen und sein Wachsthum eintreten kann. Seit wie langer Zeit der Schwamm in einem Hause ist, läßt sich aus der Beobachtung seines gegenwärtigen Zustandes nicht sicher schließen, man kann nur die Umstände, unter denen eine-»Jnfektion erfolgen konnte, berücksichtigen und muß sich auf frühere in dem betreffenden Hause von den Zeugen gemachte Beobachtungen stützen. Was den Einfluß des Hausschwammes auf die Gesundheit betrifft, so scheint es, daß der Pilz nicht direkt schädlich wirkt, sondern daß eben die feuchten, dumpfen Räume, in denen er wächst, der Grund etwa eintretender Erkrankungen sind.