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1760

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In seinem geistvollen BucheGrundlinien einer Philo­sophie der Technik" hat Kapp nachgewiesen, dass wir die Organe unseres Körpers in ihren Verrichtungen uns erst erschließen durch die Werkzeuge, die wir selbst gebildet; so hat uns die camera obscura die dioptrischen Apparate des Auges erschlossen, so Windlade, Pfeife und Ansatzrohr den Mechanismus unserer Stimmbildung, so hat uns Hermann von Meyer die Züge der spongiösen Substanz im Oberschenkel-Knochen in Uebereiustimmung gezeigt mit den theoretischen Zug- und den Drucklinien am knochen­ähnlichen Krahn.

So hat man auch schon vor Cotugno nach Analogien gesucht und die halbzirkelförmigen Kanäle des Labyrinths mit gewundenen Trompeten, die membranösen Gebilde mit Saiten verglichen, die zum Mittönen gebracht werden. Das Mittönen hatte nach Kirchner schon im Anfänge des 17. Jahrhunderts ein italienischer Musiker. Tadiui, entdeckt.

Unser Jahrhundert hat die Erkenntniß des Ohrs durch die großartigen anatomischen Untersuchungen Hyrtl's (1845), die physiologisch-akustischen Arbeiten Savart's und Johannes Müller's und schließlich Corti's und ! Helmholtz' bahnbrechende Arbeiten gefördert.

Hetmholtz hat in seiner Lehre von den Tonempfindungen die Grundlage für unsere heutigen Anschauungen ge­schaffen. Die Analyse der Klänge hat ihn zur Entdeckung der Obertöae geführt und damit die Anregung zu seiner Theorie der Tonwahrnehmung in der Schnecke des Ohrs gegeben, welche durch Eorti's Entdeckungen in ihrem feineren Bau bekannt geworden war.

riefe Theorie verglich zunächst die

des Emeti­

schen Organs mit abgestimmten Saiten eines Instrumentes, die aus entsprechende Töne durch Mitschwingen rcagircn. Als sich aber herausstellte, daß die Vögel solche Pfeiler nicht besitzen, sondern ' nur die Grundmembran des Schncckengangs. welche eine radiäre Faserung zeigt, wodifizirte Helmholtz seine Theorie. Seitdem nimmt man an, daß die Fasern der Membran, die von der Basis nach der Spitze der Schnecke zu allmählich an Länge zu­nehmen, die mitschwingenden Theile sind, deren unterste, kürzeste Fasern die hohen, deren längste, oberste die tiefsten Töne wahrnehmen.

Eine wesentliche Stütze fand diese Theorie, da bei der Kleinheit der Gebilde die direkte Beobachtung ausge­schlossen ist, durch Beobachtungen Hcnsen's. welche Helm- boltz bestätigte. Henscn beobachtete an den Haaren im Schwänze einer Crnstaceenart, mysis, Bewegungen, die durch Töne hervorgerufen wurden, und zwar derart, daß bei bestimmten Tönen sich nur bestimmte Haare bewegten.

Bleiben diese Beobachtungen auch bis jetzt vereinzelt, so kommt den Helmholtz'schen Anschauungen doch noch eine weitere Stütze aus dem Gebiete der Erkrankungen des menschlichen Gehörorgans. Die Beobachtung ist auf diesem Gebiet mit großen Schwierigkeiten verknüpft. Die Töne, die wir zur Ohrprüfung verwenden, sind Stimm­gabeltöne. bei denen wir durch Klemmen die Ober­töne möglichst ausschließen. Nun ist gerade bei den hoch­gradig Schwerhörigen zunächst eine Quelle des Jrrthums auszuschließen, daß sie noch Töne fühlen können, die sie als solche gar nicht mehr wabrnehmen. Besonders die Schwingungen tiefer Stimmgabeln sind noch recht wohl wahrnehmbar für den Tastsinn. Empfinden wir doch nach Hensen's Untersuchungen aus den Wollhärchen unserer Haut noch Berührungen mit Cocon-Fäden, die an einer sehr feinen Waage nur einen Ausschlag von 7 /ioo Milli­gramm ergeben. Diesem Jrrthum unterliegen häufig Kranke und Taubstumme. Prüfen wir das Gehör nicht durch Luftleitung sondern durch Knochenleitung, indem wir die Stimmgabel dem Kopse direkt aufsetzen, so werden erstens die Schwingungen noch lebhafter vom Tastgefühl als Vibrationen empfunden, zweitens aber wird bei einseitig erkranktem Ohr der Ton im anderen Ohr gehört und kann so zu Täuschungen über die Wahrnehmung führen. So sind zunächst die klinischen Erfahrungen in Zweifel zu ziehen, welche noch Ton­wahrnehmung seststellten, nachdem auf nur einem Ohr das muthmaßliche Organ der Touwahrnehmung. die Schnecke, durch einen Krankheitsprozcß ausgestoßen worden. Die wenigen Fälle von doppelseitig ausgesioßener Schnecke er­geben absolute Taubheit. Eine Reihe von Fällen sind aber bekannt, wo sich Tonlücken an kranken Ohren Nach­

weisen ließen, deren anatomische Ursache durch die Sektion in einer Zerstörung der der Helmholtz'schen Theorie ent­sprechenden Elemente der Tonwahrnehmung erkannt wurde. Meist erkranken die unteren Windungen der Schnecke, die dem am ehesten Insulten durch heftigen Schall oder Krankheitsprozesse ausgesetzten Vorhof am nächsten liegen. In solchen Fällen zeigte sich ein Touausfall für j hohe Töne. Die in der Spitze der Schnecke liegenden Theile erkranken selten; dementsprechend ist der Ton­ausfall für tiefe Töne höchst selten beobachtet. Die Ton» lücken, welche entstehen, wenn der Hörnerv erkrankt» liegen in der Mitte der Skala oder verbreiten sich über die ganze Hörbreite, ergeben aber nicht das typische Bild des Ausfalls der hohen Töne, das wir bei EL» krankungen an der ersten Windung der Schnecke finden. Es kommt auch ein Ausfall der tiefen Töne vor; dies aber bei Erkrankungen des schallleitenden Apparates, Verwachsungen des Steigbügels mit dem ovalen Fenster, vielleicht beruhend auf einer schwächeren Ueber- tragunq der Schallwellen auf die von der Trommelhöhle entferntesten Gebiete der Schnecke. Bei diesen Erkrankungen kann der schallempfindende Apparat unversehrt sein.

Ein von Schwartze beobachteter Fall ist der des be­kannten Komponisten Robert Franz, der durch den Pfiff einer Lokomotive der Wahrnehmung der Töne plötzlich beraubt wurde, welche höher als Olk waren.

Eine merkwürdige Erkrankung ist die Schwerhörigkeit und Taubheit bei einzelnen Berufszweigen, die mit lautem Lärm verbunden sind. Speziell untersucht wurden von Habermann die Kesselschmieöe, von welchen ein großer Prozentsatz sich schwerhörig zeigte. Auf Grund dieser letzten Befunde kam Lorenz v. Stein auf den Gedanken, Thiere der dauernden Einwirkung eines Stimmgabeltones anszusetzen, um eventuell durch diesen ein bestimmtes Gebiet der Schnecke zu beeinflussen und durch die Sektion die Richtigkeit der Helmholtz'schen Hypothese festzustellen. Die Meerschweinchen nun zeigten die sonderbare Er­scheinung, daß sie nach kurzer Zeit an Linsenstaar er­krankten. Es gelang auch, den Staar auf anderem Wege, durch Kälteeinflüsse z. B., zu erzeugen, aber er wurde durch die Stimmgabel beschleunigt. Diese Untersuchungen beruhen ans einem guten Gedanken, wenn sie auch zur Zeit noch keine Früchte gezeitigt haben.

Die Experimente am Thier, soweit sie das Hören betreffen, werden immer zweifelhaft bleiben. Weber» Liel hat sehr treffend bemerkt: Auf die Frage: was hört ein Thier? kann nur der Mensch ant­worten. Man hat nach objektiven Merkmalen gesucht, die das Hören der Thiere anzeigen: die reflektorischen Bewegungen der Ohrmuscheln, der Augen, Zwangsbe­wegungen, Bewegungen der Binnenmuskeln der Trommel­höhle, Verhalten der Blutgefäße im äußeren Ohr Bewegungen der Hörhaare und der Otolithen. Diese Anzeichen sind ja unzweideutige Anzeichen einer Wahr­nehmung durch das Sinnesorgan, über die Empfindungen bei der Tonwahrnehmung aber können die Thiere Nichts ausfagen. Der Hund, der seinem Herrn auf ein Wort gehorcht, liefert uns gewiß einen Beleg für die Feinheit seiner Gehörswahrnehmung, vorausgesetzt, daß er keine begleitende Geberden seines Gebieters wahrnimmt auch der Lockruf der Vögel ist ein unzweifelhafter Beweis für die Feinheit ihres Gehörs aber zur Entscheidung unserer Fragen können diese Beobachtungen wenig beitragen, denn unsere Hülfsmittel reichen nicht soweit, etwa Theile der membranösen Schnecke zu zerstören, und gelänge selbst dies, so könnte doch kein Thier unzweideutige Anzeichen des Ausfalls bestimmter Tongruppen geben.

Neben den Tönen nehmen wir noch eine Unzahl Ge­räusche wahr, die sich durch aperiodische Schwingungen von jenen unterscheiden. Ein prinzipieller Unterschied be­steht nicht zwischen diesen und jenen. Zwar können wir aus Geräuschen keine Töne machen, Brücke konnte z. B. durch einen 200 Mal in der Sekunde wiederholten Knall keinen Ton erzeugen aber jedes Geräusch hat doch für ! unser Ohr eine gewisse Tonhöhe näd bei scharfem Auf- merken können wir bei manchen Geräuschen auch richtige Töne, heraushören. Andererseits konnte Mach Nachweisen, daß 2 Schwingungen eines Tones von 128 Schwingungen in der Sekunde nur als Schall oder Schlag empfunden wurden. Wie nehmen wir nun diese Geräusche wahr? j

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