dieses Vordringens im Urwald, dessen Loden ein schlammiger, tiefer Sumpf ist. in dessen Dunkel kein Sonnenstrahl einzudringen vermag. Nur mühselig und langsam ist ein Vordringen möglich, wenn bei jedem Schritt mit dem Waldmesser der Weg durch die mörderischen Schlinggewächse gebahnt werden muß, welche die mächtigen Baumriesen umranken und schließlich auch die stärksten unter ihnen zu Fall bringen. Es ist ein stummer Kampf ums Dasein in der Vegetation, der die farbenprächtigen Blüthen fehlen, und die bunte Thierwelt, mit denen unsere Phantasie so freigebig die Urwälder der ostasiatischen Tropen bevölkert. Nur Schaaren von Moskito's, in dichten Wolken aus dem dürren Laub unter dem ungewohnten Tritt des Eindringlings aussliegend, beleben die Gegend und belästigen den Reisenden in unbeschreiblicher Weise, während kleine Sandfliegen in Menge das Peinigungswerk vollenden.
In, Hochgebirge aber lebt ein freier, stolzer, wilder und unabhängiger Volksstamm, die Kahans, Kopfjäger genannt, weil unter ihnen die Sitte heimisch ist, den gefallenen Feinden den Kopf abzuschneiden und ihn geräuchert als Trophäe in ihrer Hütte aufzuhängen. Die Hütte des Kayan ist oft Kilometer lang und steht aus 20' hohen Pfählen; auf einer Gallerte sind die Frauen mit ihrer Arbeit, mit den, Stampfen des Reises u. s. w. beschäftigt. Auf den ersten Blick erscheint es, als trügen die Frauen der Kahans Trikotbeinkleider, während in Wirklichkeit ihre Haut von den Hüsten mt eine feine, kunstvolle Tätowirung zeigt. Diese Frauen belasten von Kindheit an ihre Ohrläppchen mit schweren Gewichten, welche dieselben zu einer derartigen Länge herabziehen. daß sie oft bis zur Brust herabhängen. Männerund Frauen erwiesen sich als liebenswürdige Gastgeber, bei denen
Kükenthal, als z. B. einmal ein frischer Kops eingebracht : wurde, ein Fest mit ansah, das ihn an deutsche Studentenkommerse erinnerte. Die Ehe ist den Kahans heilig. Ehebruch wird mit dem Tode bestraft; Männer und Frauen erweisen ihren Kindern die zärtlichste Liebe. Kannibalismus besteht nicht; wenn in den Berichten anderer Reisender das Gegentheil behauptet wird, so mag dies wohl damit zu erklären sein, daß bei den wilden Tänzen um einen Kopf die Exstaie der jungen Männer manchmal bis zu einem solchen Grade sich steigert, daß sie von dem Kopfe Stücke Fleisch mit ihren Zähnen abreißen. —
Am 27. September schiffte sich Kükenthal von Singa- pore aus nach Europa ein, und kam am 20. Oktober wohlbehalten in Genua au.
Der Redner schloß mit der Versicherung, daß ein Rückblick aus seine einjährige Reise in den Tropen ihn mit innigster Befriedigung erfülle, und daß er der Senckenbergischen naturforschenden Gesellschaft stets zu lebhaftestem Dank verpflichtet bleiben werde für die Gelegenheit, die sie ihm, dem jungen Zoologen, gegeben habe, aus einer solchen Reise wissenschaftliche Erfahrungen zu sammeln. (Lange anhaltender stürmischer Beifall.)
Der Vorsitzende dankt dem Redner für feinen interessanten Vortrag und spricht die Hoffnung ans, daß die schöne Reise für den Reisenden selbst, für die Sencken- bergische Gesellschaft und die Wissenschaft zum bleibenden Vortheil gereichen möge.
Eine große Anzahl von Herrn Pros. Kükenthal meist selbst aufgenommenen Photographien gibt einen trefflichen Ueberblick über Land und Leute der bereisten Inseln.