die mitgebrachten Mundvorräthe bewachen, damit von den Orang-slam kein Gift unter die Nahrungsmittel gemischt würde. Nach einem Aufenthalt von etwa 3 Wochen fuhr Kükenthal von Pataui mit einem von Neu-Guinea kommenden Dampfer, der teruatanische ^äger an Bord hatte, nach Ternate zurück. Die Fahrt war höchst ungemüthlich, indem einige Passagiere an Beri-Beri erkrankt waren und zwei derselben auf der kurzen Fahrt starben. Bon diesen ternatanischen Jägern hat Kükenthal die prachtvolle Kollektion von Paradiesvögeln aus Neu-Guinea erworben, welche im Saal ausgestellt ist.
Im Februar machte der Reistnde dann von Ternate aus einen Abstecher an die Westküste von Halmaheira, nach Oba, dem Sultan von Tidore gehörig, welche Kükenthal besuchte, und großes Interesse für seine Wissenschaft, besonders' für das Mikroskop, an den Tag legte. Der Sultan ließ einen , sogenannten Lieutenant und einen Polizisten zu seinem Schutze zurück. In einer elenden, baufälligen Bambushütte, unmittelbar an einem großen Sumpfe gelegen, fand Kükenthal Unterkunft; vor jedem Ausflug mußte der Sumpf durchwadet werden, wobei die Leute oft bis an die Brust in den Morast eiusanken. An Malaria erkrankt, mit einer Reihe von Wunden am Körper, welche von kleinen Milben herrührteu, kehrte Kükeuthal nach kurzem Aufenthalt in Oba nach Ternate zurück.
Dort hatte inzwischen ein Regierungswechsel stattgefunden, der Posthonder von Galela, welcher dem neuen Residenten seine Aufwartung gemacht hatte, schickte sich zur Rückreise an und stellte Kükenthal seine Prau zur Verfügung. Am 15. März fuhr Kükenthal in Begleitung des Posthouders nach der Ternate gegenüberliegenden Landenge von Dodinga, welche er mit allem Gepäck überschritt, um auf der Ostküste die große Prau des Beamten vorzufinden. Nach einem kurzen Abstecher nach Ekkor, an der nach Nordost hinziehenden Halbinsel gelegen, segelten Kükenthal und sein Gefährte nordwärts und landete nach 5 Tagen in Kau an der Mündung eines großen Flusses etwa von der Breite des Rheins bei Köln. Von hier aus wurde eine 3tägige Bootfahrt stromaufwärts unternonimen nach einem großen Alfurenkamping, der eine Fülle ethnographischer Merkwürdigkeiten bot.
Von Kau aus ging es weiter nordwärts, und nach einem kurzen Aufenthalt in Tabello, der Niederlassung der , kriegerischsten und wildesten Alfuren, welche 1876 von der holländischen Regierung zur Strafe für zahlreich verübte Unthaten niedergebrannt worden war, wurde am 27. März Galela erreicht und sofort mit einer Karawane von Trägern eine Expedition in's Innere augetreten. Hier liegt ein großer, 7—8 Kilometer breiter Süßwassersee, an den Usern von zahlreichen Alfureudörfern besetzt. An diesem See nahm Kükenthal im Hause eines Missionars, der sich zur Rückkehr nach Europa anschickte, nachdem es ihm in 13 langen Jahren nicht geglückt war, auch nur einen einzigen Alfuren zum Christenthum zu bekehren, einen 4wöchentlichenAufenthalt, den er als eineJdhlle inmitten der Wildniß des Urwaldes bezeichnet. Bald wurden die Kinder der Eingeborenen feine Freunde, dann die Erwachsenen, Männer. Frauen und Mädchen, deren Liebens- , Würdigkeit den Reisenden entzückte. Ein jeder suchte den ! anderen an Fleiß im Sammeln zu übertreffen; allabendlich kamen die Eingeborenen mit ihren Bambusrohren, die ' mit einem Grasbüschel verschlossen, Gethiere aller Art, Schlangen, Eidechsen, Skorpione rc. enthielten.
Um die Gebirgsfauua kennen zu lernen, unternahm Kükenthal von hier aus eine Hochgebirgstour im Urwald, eine nicht minder interessante, wie anstrengende Besteigung der etwa 3000' hohen Bergkette.
Nach 4 wöchentlichem Aufenthalt an diesem Binnensee erfolgte die Rückkehr nach Galela. und wenige Tage später, am 25. April, auf einem kleinen Segelboote die kühne, gefahrvolle Fahrt um das Nordkap der Insel Halmaheira. Reißende Strömungen, bis zu 10 Meilen in der Stunde, erschwerten in hohem Maße die Fahrt, die hohe Brandung, der wehende Nordwestmonsum machten eine Landung unmöglich, so daß die geplante Besteigung der ans ca. 15,000',Höhe geschätzten Vulkane unterbleiben mußte; und ein ausbrechender Sturm uöthigte den kühnen Forscher
schließlich quer über das offene Meer nach Ternate zu steuern, und Mast, Segel u. s. w. über Bord zu werfen, um sie als Wellenbrecher zu benutzen. Trotz aller Gefahren wurde nach 50tägiger Abwesenheit am 2. Mai Ternate wieder glücklich erreicht.
Dort traf Kükenthal zufällig mit einem deutschen Landsmann aus seiner engeren Heimath zusammen, dem Direktor einer Plantage von 800,000 Kaffeebäumen in Brang- Kadollon auf Batjan, Herrn Ohlendorf aus Eisenach, und folgte gerne einer Einladung desselben nach der Insel Batjan. Letztere, in historischer Zeit noch ein Mecressund,, ist ein weites, fruchtbares Flachland mit herrlichen Plantagen und Sagowäldern. Dort engagirte Kükenthal einen besonderen Schmetterlingsjäger, während er selbst der Affenjagd oblag. Auf Batjan lebt eine Affenart, der Schopfpavian, Cynocephalus niger, welcher wohl mit Schiffen hierher gekommen fein mag. Wie anderen Reisenden, so ist es auch Kükenthal auf der Affenjagd ergangen; der Anblick der schmerzlich verzogenen Züge der zum Tode getroffenen Thiere, die im Sterben so menschenähnlich sind, hat ihm bald die Lust an der Affenjagd benommen, so daß er sie seinen Jägern überließ. Auch an Krokodilen ist Batjan sehr reich, sie gehören zu den häufigsten und gefährlichsten Thieren der Insel, so daß bei Dunkelheit stets Fackelträger vorausgeschickt werden mußten, um die lauernden Thiere zu verscheuchen.
Den Aufenthalt in Batjan benützte Kükenthal zu einem kurzen Ausflug nach den benachbarten Obi-Eilanden, die nur von wenigen hundert Eingeborenen bewohnt find.- Zur Zeit seiner Ankunst hatte sich daselbst ein schrecklicher Mord ereignet; 4 tidoresische Fischer waren von einer Schaar Alfuren aus Tabello umgebracht und ihre Leichen ins Meer versenkt worden. Eine Erklärung findet diese grausige That in der unmenschlichen Sitte, daß das Tödten eines Menschen als eine Heldenthat gilt, und kein tabelloresisches Mädchen einen Mann heirathet, der nicht einen Mord begangen hat!
Von Batjan nach Ternate znrückgekehrt, ordnete Kükenthal seine Sammlungen und verließ Anfang Juni sein seitheriges Standquartier, um sich nach Gorontalo auf Nordcelebes zu begeben. Celebes ist ans der Landkarte als holländischer Besitz eingezeichnet; der wirkliche Besitz der Holländer ist freilich nur gering, das okkupirte Gebiet zeigt aber eine hohe Zivilisation mit großartigen Straßenbauten, so daß man die Berge und Urwälder des holländischen Celebes als „Salon-Tropen" bezeichnen kann. Gar manchesmal hat Kükenthal des Abends dort die melodischen Weisen deutscher Volkslieder mit malahischem Texte singen hören. Mehrere Wochen verweilte Kükenthal dort, in der Minahassa, in Gemeinschaft mit den Vettern Sarrasin, welche bereits seit 2 Jahren zur Erforschung der Insel sich daselbst aufhalten, und verlebte mit den befreundeten Forschern inmitten der Wildniß die angenehmsten Stunden.
Anfang Juli kehrte Kükenthal von Celebes nach Singapore zurück; der Dampfer landete zuerst in Lombok, der Reisende konnte indessen wegen des ausgebrochenen Krieges nicht in das Innere Vordringen und mußte nach Surapava auf Ost-Java weiterfahren, wo der Damvfer wegen des Truppentransportes einen Aufenthalt von 6 Tagen erlitt. Diese Zeit benutzte Kükenthal zu einem Ausflug nicht naturwissenschaftlicher Art. nach dem berühmten 1000jährigen Hindutempel bei Burubudur, dem schönsten Java's, von dessen rein buddistischem Styl, und hervorragender Schönheit inmitten der üppigen Tropenvegetation eine Anzahl aufgelegter Photographien Kenntniß gibt.
Von Singapore aus unternahm Kükenthal Anfang August eine größere Expedition nach Nordwestborneo; nach einem kurzen Aufenthalt in Kutjiug, der Hauptstadt von Sarawak, ging die Seefahrt der Küste entlang nordwärts nach der Münbung des Baramflusses, dann auf einem Regierungsdampfer den Strom hinan, der etwa doppelt so breit wie unser Main und 90' tief ist, bis an die Gebirgs- region. Von der Niederlassung Varam aus ist dann Kükenthal in das Hochgebirge vorgedrungen, als erster Naturforscher, der das Land betreten hat. Mit beredten Worten schildert der Reisende die großen Schwierigkeiten