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Naturwissenschaftliche Rundschau. 1896. Nr. 33.

hermaphroditischer Formen innerhalb solcher Thier­klassen, die normaler Weise Gonochoristen sind, als Andeutung einer sich vorbereitenden Rückkehr zum Hermaphroditismus ansehen. Insbesondere aber erscheint im Interesse der Naturwissenschaft selbst grosse Vor­sicht dort geboten, wo es sich darum handelt, aus der­artigen Hypothesen Folgerungen für das sociale Gebiet zu ziehen. Wie leicht man bei derartigen Betrach­tungen auf bedenkliche Abwege gerathen kann, zeigen die vom Verf. citirten und mit Recht bekämpften Aus­führungen Metschnikoffs über die Vortheile einer besonderen Kaste eheloser Arbeiterinnen nach Analogie der geselligen Hymenopteren.

Eine absolute Gleichstellung von Mann und Weib wird so lange unmöglich bleiben, als zwei Geschlechter mit verschiedener natürlicher Organisation und Bean­lagung existiren. Die auf vielen Gebieten führende Stellung des männlichen Geschlechts die durchaus nicht gleichbedeutend ist mit einer gedrückten, un­würdigen Stellung des weiblichen findet sich nicht ausschliesslich beim Menschen und erscheint als eine im Kampf ums Dasein vortheilhafte Einrichtung. Daraus folgt selbstverständlich nichts gegen die socialen Bestre­bungen, einer zu weitgehenden Betonung dieses Unter­schiedes im praktischen Leben vorzubeugen. Auf diese sociale Seite der Frage an dieser Stelle näher einzu­gehen, verbietet jedoch der unpolitische Charakter dieser Zeitschrift. R. v. Haustein.

W. Kükenthal: Ergebnisse einer zoologischen Forschungsreise in den Molukken und in Borneo. Theil. I. 4°. 321 Seiten mit 63 Tafeln, 4 Karten und 5 Abbildungen. (Abhandlungen der Senckenbergischen naturforschenden Gesellschaft. Frank­furt a. M. 1896. Bd. XXII.)

Die Hauptaufgabe dieser von der Senckenbergischen naturforschenden Gesellschaft in Frankfurt a. M. aus­gerüsteten Reise war die Erforschung einer der grösse­ren Molukkeninseln; Herr Kükenthal begab sich da­her über Singapore, Java, Ambon und Batjan nach Ternate und nahm in dieser bunt bevölkerten, von der grösseren Molukkeninsel Halmahera nur wenige Meilen entfernten Stadt Standquartier. Von hier aus wurde in mehreren grösseren und kleineren Streifzügen die Erforschung Halmaheras, Obis und Batjans unter­nommen. Auf der Rückreise besuchte Herr Kükenthal auch Celebes, die Minahassa, berührte abermals Java, unternahm von Singapore aus noch einen Abstecher nach dem Baramdistrict auf Nordborneo und machte durch eine etwa 200 Meilen lange Fahrt den Baramfluss aufwärts die Bekanntschaft der ethnographisch sehr merkwürdigen Kayans, Longiputs und Batu bläh, die durch die Sitte der Kopfjägerei, das sogenannte Koppen- snellen, berüchtigt sind.

Die Schilderung der einjährigen Reise, auf welcher der Verf. die verschiedensten Inseln und Volksstämme des Indischen Archipels besuchte, ist gleich reich an interessanten Erlebnissen und Beobachtungen, wie an wissenschaftlichen Resultaten. Die Thätigkeit in Ternate erstreckte sich zunächst auf die Erforschung der marinen Fauna und brachte eine reiche Ausbeute an Littoral- thieren, unter denen besonders Korallen und Fische an Zahl der Arten hervortraten. Die kühnen Streifzüge auf und um Halmahera galten der Erforschung der Land­fauna und lieferten ausser manchen neuen Arten den Beweis, dass Halmahera sich faunistisch an Neu Guinea und Australien anschliesst. Auch eine reiche ethno­graphische Ausbeute an Geräthschaften und Waffen der Alfuren, unter denen Verf. viele Wochen lebte, resultirt aus dieser Durchforschung Halmaheras. Verf. giebt in einem eigenen, grossen Kapitel ein zusammenhängendes Bild von diesem merkwürdigen Volksstamme und hält ihn, entgegen den Ansichten vonWallace und Bastian, durchaus nicht für ein Mischvolk, sondernfür die

letzten Reste einer alten, in vieler Hinsicht auf tiefer Ent­wickelungsstufe stehenden prämalayischen Bevölkerung.

Derartige zusammenfassende Darstellungen, wiedie Alfuren von Halmahera, hat der Verf. noch mehrere in seinen allgemeinen Reisebericht eingeflochten; sie bieten dem Anthropologen wie dem Zoologen eine Fülle des Inter­essanten und Neuen und sind durchaus nicht nur für Laien geschrieben. Mit bionomischen Fragen beschäftigen sich die Kapitel überdas Fliegen der Fische, die Littoralfauna von Ternateüber die Färbung der Thiere unter specieller Berücksichtigung der tropischen For­men,die Herkunft der jetzigen Faunen,Wale in tropischen Meeren,die Verbreitung der Thiere im malayischen Archipel, Fragen, welche den Verf. auf seiner Reise vielfach beschäftigten und zu deren Lösung die Resultate der Reise erheblich beitragen werden.

Den grösseren Theil des Buches nimmt der Bericht über Halmahera ein, der eigentlichen Hauptaufgabe des Reisenden. Aber auch die kürzeren Berichte über Bat­jan, über den Besuch auf Celebes, namentlich aber über den interessanten und erfolgreichen Abstecher nach Borneo sind so fesselnd und inhaltsreich, dass jeder einzeln für sich als ein Reisewerk gelten könnte.

Wenn schon das Kükenthalsche Buch sich inhalt­lich vor anderen neueren Reisewerken auszeichnet, so ist dies erst recht zu sagen von seiner geradezu glänzen­den Ausstattung. Die Senekenbergische Gesellschaft hat hier reichliche Mittel fliessen lassen und die pracht­vollen 10 farbigen Tafeln der ethnographischen Gegen­stände legen ein beredtes Zeugniss ab von dem feinen Kunstverständniss des Herrn W. Winter aus der litho­graphischen Anstalt von Werner und Winter in Frankfurt a. M. Auch die scharfe Wiedergabe der sämmt- lich selbst angefertigten Photographien (etwa 90) ist meisterhaft. Den Schluss des Reisewerkes bildet eine Abhandlung des Herrn Kükenthalüber Alfurenschädel von Halmahera.

Verf. war so glücklich, aus alfurischen Todtenkisten, die er im Walde von Halmahera in der Nähe ausge­storbener Hütten fand, drei echte Alfurenschädel zu er­beuten , von denen zwei noch gut erhalten waren. Die vorliegende Abhandlung bringt eine ausgiebige Ver- werthung dieses seltenen und wegen des Ahnenkultus der Alfuren schwer zu beschaffenden Materials nach drei verschiedenen Methoden, erstens durch directe Messungen am Schädel, dann durch graphische Dar­stellung nach der Riegerschen Methode, und drittens durch die Herstellung möglichst exacter Photographien. Hierzu bediente sich Verf. eines neuen, mit Unter­stützung der optischen Werkstätte von C. Zeiss in Jena ermittelten Verfahrens, welches sich neben Einfachheit durch grösste Exactheit auszeichnet. Mit der Bearbei­tung der reichen zoologischen Ausbeute dieser Molukken­reise ist eine Anzahl von Specialforschern beschäftigt. Die Ergebnisse derselben sollen die nächstfolgenden Bände des Reisewerkes bringen, daher hat Verf. es auch ver­mieden, zoologische Einzelheiten in seinem Berichte an­zuführen.

Auch über die zoologischen Ergebnisse soll an dieser Stelle regelmässig berichtet werden.r.

A. Mietlie: Lehrbuch der praktischen Photo­graphie. (Halle 1896, W. Knapp.)

Der Inhalt des Buches entspricht seinem Titel, wenn man die Einschränkung macht, dass es die praktische Photographie nur so weit berücksichtigt, als sie mit Trockenplatten arbeitet, also im wesentlichen die Porträt­photographie. Alle Photographen, welche in der Illu­strationstechnik beschäftigt sind, werden auf den Ge­brauch des Buches verzichten müssen, weil der Verf. ausdrücklich die Einbeziehung der Collodiumnegativ- processe ausgeschlossen hat.

Nach der ganzen Art seiner Abfassung hält es die Mitte zwischen den grossen Handbüchern, die besonderen