schenken ragt durch Seltenheit hervor die Kröte Nectes pleurotaenia Bleck, aus S.-Borneo. Zwischen den Boeltzkow'schen Sachen aus W.-Madagaskar fanden sich mehrere Novitäten, so das prachtvolle Chamaeleon voeltzkowi und Geckolepis polylepis, ein Baumgecko mit cycloiden (Fisch-) Schuppen, sowie die neuen Eidechsengattungen Blaeso dactylus und Yoeltzkowia, die im vorjährigen Reptilkataloge eingehend beschrieben worden sind. Herrn Dir. Dr. Haase verdanken wir das <$ des neuen siamesischen vraoc» baasei, Herrn H. Simon (5 und 9 der immer noch sehr seltenen syrischen Knoblauchskröte, Pslobatss syriaous Bttgv., Herrn Prof. Dr. R. Semon neben andern uns fehlenden Batrachiern aus Neuguinea und Queensland das $ der neuen Hyla semoni auA S.-O.-Neuguinea.
Aus bet kostbaren Fruhstorfer'schen Ausbeute von Westjava konnte der Referent als neu beschreiben die Frösche Rana lemniscata, Rhacophorus ja“ vanus Bttg., Ixalus f 1 a v os ign atus, die Eidechse Dendragama fruhstorferi und die Blindschlange Typhlops bisubocularis, von denen allen unser Museum die Typen erhalten hat. Außerdem empfingen wir bei dieser Gelegenheit die seltenen Arten Buko borbonicus Sehleg. und Calamaria dimi- diata Bleek.
Biologisch das Interessanteste, was wir erhalten haben, ist das Eiernest eines Laubfrosches von Trinidad, der Phyl» lomedusa burmeisteri Blgr. Die Eier werden in ein Packet zwischen Baumblätter geklebt, machen hier den größten Th eil ihrer Entwicklung durch, und die Larven werden erst durch die nach einiger Zeit einsetzenden tropischen Regen in die sich unter den Bäumen bildenden Pfützen gespült^ wo ihre Metamorphose in kurzer Zeit vollendet wird/ Der Fund dieses Eiernestes macht es wahrscheinlich, daß alle Arten der Gattung Phyllomsdusa, die sich von. den gewöhnlichen Laubfröschen (Hyla) durch opponirbarett Daumen an Hand und Fuß auszeichnen, in ähnliches Weise verfahren. Bis jetzt war es nur von einer Artj, der Ph. ihering'i Blgr. aus Rio Grande do Sul, bekannt.
Herr Dr. med. Edinger hielt nunmehr seinen ange-* kündigten Vortrag r
lieber die Entwicklung des höheren Seelenlebens bei den Thieren.
Was wir als seelische Funktionen kennen, so etwa führte der Redner aus, weicht so sehr von allem demjenigen ab, was uns in der Welt der Materie begegnet, daß von jeher die Anschauung, daß dem Seelenleben materielle Vorgänge zu Grunde lägen, von den Philosophen mit zum Theil recht gewichtigen Gründen bekämpft worden ist. In den Kreisen der Natursorschenden Gesellschaft selbst ist vor einiger Zeit gerade über diese Dinge eine lebhafte Debatte geführt worden.
Man hat namentlich bestritten, daß durch die Untersuchung der Hirntheile, welche dem Seelenleben dienen, irgend etwas für die Psychologie selbst heraus kommen könne, eben weil jene sich gar nicht mit materiellen Vorgängen besäße.
Auf die schwierigsten und letzten Fragen in der Psycho-* logie will der Redner nicht eingehen. Er will nur zeigen, daß durch die Erforschung des Hirnmechanismus, an dessen normales ungestörtes Fungiren, wie Alle zugeben, der normale Ablauf der seelischen Vorgänge geknüpft ist, ein Einblick in manche psychischen Akte ermöglicht wird, deb> bisher auf anderem Wege nicht zu erlangen war. Er hat die Schilderung der Apparate, welche dem Geruchssinn dienen,.als. Vortragsthema gewählt, weil hier gezeigt werden kann, wie eine sehr wichtige Seelenthätig- keit, das Riechen und seine Verwerthung im Gesammtdenk- Prozesse, bei niederen Thieren an ganz einfache Mechanismen gebunden ist, wie sich in der Thierreihe diese Mechanismen vervollkommnen und zum Theil auch wieder zurückbilden, weil es schließlich möglich ist, durch die Betrachtung dieser Apparate auf das voükommnere oder unvollkommnere Riechen der einzelnen Thiere Schlüsse zu ziehen.
Durch das Studium der dem Geruch dienenden Hirntheile gelangt man zur Kenntniß von der Entwicklung dieser Seelenfunktion, und das Studium der vergleichenden Anatomie des Gehirnes lehrt, daß die erste höhere seelische Thätig- keit, welche in der Thierreihe austritt, an Geruchsempfindungen geknüpft ist.
Vor einigen Jahren, kurz nachdem der hiesige physi- kalische Verein seinen schönen Neubau eröffnet hatte, kam einer der chemischen Arbeiter auf einen moschusartigen Stoff. Der intensive Geruch verbreitete sich überall hin. Trotzdem Alles geschah, um den Körper am Entweichen zu verhindern, trotzdem sämmtliche Räume sorgfältig gelüftet und gereinigt wurden, gelang es doch erst in Monaten, dem neuen Gebäude den störenden Moschusduft zu nehmen. Die Verdünnung, in der hier der riechende Stoff oder vielmehr die Spuren von Riechstoff, welche erhalten waren, noch störend wirkten, muß eine ganz enorme gewesen sein. Aber die tägliche Erfahrung lehrt, daß wir mit unserem Geruchsinne noch Körpermengen erkennen, die auf keine andere Weise mehr nachweisbar oder gar meßbar sind.
Experimentell hat man nur ganz, annähernd die Menge, eines riechenden Körpers — es handelt sich imnier um Gase oder Dämpfe — ermitteln können. Valentin kam für Rosenöl zum Resultat, daß der .hunderttausendste! Theil eines Milligrammes — also eines tausendstel' Grammes — noch eine merkliche Empfindung hervorrust. Daß der menschliche Geruchssinn an Feinheit von dem vieler Thiere übertroffen wird, ist bekannt, wahrscheinlich läßt er sich auch beim Menschen selbst durch Uebung weiter ausbilden, als es gewöhnlich geschieht. Daraus wenigstens weisen die Erfahrungen hin. welche über Ge- ruchswahrnehmungen bei wilden Völkerschaften gemacht worden sind. Die Art, wie der Geruchssinn benutzt wird, die Wichtigkeit, welche er im physischen Leben der Thiere und der einzelnen Menschen spielt, ist bekanntlich auch eine sehr verschiedene.
Gewöhnlich werden wir uns nicht einmal ganz klar, ob wir einen Körper riechen oder ob die von ihm ausgehenden flüchtigen Theile auf die sensiblen Nerven der Nase einen einfachen Reiz ausüben; doch hat Her Sprachgebrauch im Allgemeinen schon dahin entschieden, daß wir die eigentlichen Geruchsempfindungen oft genug trennen von den gewöhnlichen Gesühlsempsinduugeu, die wir als stechende, brennende, ätzende Gerüche bezeichnen. Die seelische Thätigkeit bei Eintritt einer Geruchsempfindung kann sich nun sehr verschieden gestalten, sie kann eine graduell verschiedene sein.
Wenn man in ein Zimmer tritt, in dem ein mäßiger Geruch nach Rosen herrscht, so kann man: 1. Nur im allgemeinen eine angenehme Empfindung haben, ohne daß man sich gerade klar zu werden braucht, daß diese von einem Gerüche herstammt. Zu einem zweckmäßigen Handeln kann das aber, iinmerhin veranlassen. Namentlich bei den übelsten Gerüchen wird das deutlich,, wir fliehen sie oft noch bevor wir wissen, daß es eine Geruchsempfindung ist, die uns zum Rückzuge zwingt. 2. Kann man eine ganz deutliche Geruchsempfindung haben, sich dessen auch bewußt werden und zweckentsprechend handeln, ohne daß man gerade erkennt, nach was e- riecht, ohne daß man etwa darauf kommt, daß es sich um Nosengeruch handelt. Ein solcher Geruch kann in der Erinnerung festgehalten und wieder erkannt werden. Er setzte einen höheren, einen bewußten Denkprozeß zu seiner Entstehung voraus. Er kann zweifellos leicht zu zweckmäßigen Handlungen führen. '3. Kann der Rosengeruch als solcher zum, Bewußtsein kommen. Dann werden sich immer Assoziationen ihm zuaesellen, das Bild der Rose, vielleicht auch der GM hörseinoruck des Namens können erwachen. Eine ganzem Reihe von Denkprozessen, von Erinnerungen- können sich hier anknüpfen. Ein längst nicht mehr empfundener^ Geruch, etwa der Lokalgeruch einer Wohnung, vermag bekanntlich in uns lauge Reihen von . Erinnerungen zy erwecken, ganze Gedaukenreihen anzuregen. 3 .'
Das und viel anderes mehr läßt sich durch die'Analyse der Selbstbeobachtungen ermitteln. Wie aber steht, es um das Riechen bei den. Thieren. Wie riechen sie? wie weit kommt ihnen der Geruchseindruck als solcher zum Bewußtsein,^ wie weit verwerthen sie ihn zweckmäßig, wie weit verbinden sie Gedankenassoziationen mit ihm?
lieber das Alles könnte vielleicht eine sehr lange, eingehende Beobachtungsreihe Aufschluß geben. Leider ist es wenig wahrscheinlich, daß wir zu einer solchen kommen. Wenn wir absehen von Beobachtungen an Säugern, etwa ach, -Jagdhunde, die leicht anzustellen und zuweilen nicht schwer zu deuten sind, wenn wir absehen von einigen spärlichen Angaben der Aquarienhalter und der Fischer, ^ Angaben, die keineswegs eindeutig sind, so bleibt, als Ergehniß der direkten Beobachtungen wenig genug übrig. JmGanzen