Wissenschaftliche Sitzung -er Senckenbergischen naturforschenden Gesellschaft. Frankfurt a. M., den 18. November 1893.
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sprach Herr Professor Dr. F. Richters über den Rüben Nematoden, liöto rocksruLokiaokrtii, und sein Vorkommen bei Frankfurt. Er demonstrirte an mikroskopischen Präparaten den Bau und die verschiedenen Entwicklungszustände dieses Fadenwurms, über den s. Z. das korrespondirende Mitglied der Gesellschaft, der Privatdozent Dr. Adolph Strudel! von hier, eine er- ! schöpfende Abhandlung veröffentlicht hat, die mit der ' großen goldenen Medaille des Königs Albert von Sachsen preisgekrönt worden ist. Der Vortragende fand den Wurm, der in andern Theilen Deutschlands den Rüben- und Haferbau schwer geschädigt hat, im August dieses Jahres auf einem Rübenacker bei Griesheim, wo er be-. reits eine Stelle von etwa $ Hektar so stark befallen hatte, daß in diesem Herbst anstatt 200 Zentner nur bö-yo 4H—M Zentner Rüben pro Morgen geerntet wurden. Die Vermehrungsfähigkeit des Nematoden ist eine immense; unter den günstigsten Umständen bringt ein Pärchen in einem Sommer eine Nachkommenschaft von 22,000 Milliarden Individuen hervor und kann daher die Verseuchung der Rübenäcker infolge dessen rasend schnell sortschreiten. Bei Griesheim wurde vor 2 Jahren,
/ als der Acker ebenfalls mit Rüben bestellt war,
nur auf einer Fläche von */ z Morgen Mißwachs beobachtet und in diesem Jahre sind schon 25 Morgen insizirt. Nur das Weibchen des Nematoden ist dem bloßen Auge sichtbar; es ist stecknadelkopfgroß, zitronenförmig, gelblich-weiß und steckt mit seinem Vorderende in den Faserwurzeln der Zuckerrübe. Jedes Weibchen erzeugt 300— 350 Eier, die ihre ganze Entwicklung innerhalb des Weibchens durchmachen, dessen Körperwand auch nach dem Tode desselben noch die Brut als eine hornige, braune Kapsel umgiebt. Die aus dieser ausschlüpfenden Thierchen sind noch keine fertigen Würmer, sondern Larven ' von Wurmgestalt, die eine Verwandlung durchmachen müssen. Diese vollzieht sich in den Wurzeln der Zuckerrübe, in welche die Nematoden-Larven sich einbohren und denen sie mittels eines Bohrstachels die zu ihrer Ernährung dienenden Säfte entziehen. Nach zwei Häutungen, innerhalb 4—5 Wochen, ist die Entwicklung beendet. Man findet dann in Anschwellungen, dicht unter der Wurzelhaut, die männlichen Thiere, die einer Trichine '' ' f $3<4r
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ähnlich sehen, aber noch kleiner als diese, nur 1 mm lanc^ sind, während die weiblichen Thiere schon früh durch ihr', Anschwellen die Wurzelhaut sprengen und dann als anfangs^, flaschenförmige, später zitronenförmige Gebilde an der Wurze^ hängen. Manche Larven dringen übrigens nicht in die Wurzel ein und machen, außen an der Wurzel schmarotzend, ihre:' Metamorphose durch. ^
Es ist kein in der Praxis anwendbares Mittel bekamM um die Nematoden zu vernichten. Man hat. in Franko; reich zwar Schwefelkohlenstoff mit vollem Erfolge. angepc wandt, da aber allein der Ankauf der zur Vernichtung der Nematoden auf einem Hektar nöthigen Menge Schwefels, kohlenstoff 1000 Mark kostet, so muß der Landwirth voiK diesem Mittel wohl absehen. Gute Resultate aber lieferch die von dem Vorstand des landwirthschaftlichen JnstitutLO in Halle, Geheimrath Kühne, angegebene Fangpflanzej^-L' Methode. Dieselbe basiert auf dem Umstande, daß dch,< Nematoden-Larven während ihrer Entwicklung in deru Rllbenwurzel unbeweglich und auf die Ernährung durch ft dieselbe angewiesen sind. Man bestellt den infizirten Acker mit Rübsen, in dessen Wurzeln die Nematoden ebenfalls gern einwandern, stellt durch mikroskopische ( Untersuchung fest, wann die Wurzeln mit Nematoden-' Larven erfüllt sind, hebt dann, am besten mit einem I Kühne'schen Grubber, die Pflanzen aus. 'läßt sie, vertrocknen, pflügt sie tief unter und wiederholt dieses Der- , fahren 3—4 mal im Laufe eines Sommers oder bestellt• den Acker, nachdem man im Frühjahr durch.Fangpflanzen c die Hauptmenge der Nematoden weggefangen hat, mitd Kartoffeln, die.wenig unter dem Schmarotzer leiden, säetr! aber zwischen den Kartoffelreihen wiederum Fangpflanzen.:< Darf man sich auch nicht der Hoffnung hingebe», rMch diese Fangmethode alle Nematoden von einem Acker zu entfernen, so kann man doch mittels derselben, wie die./ Erfahrung gelehrt hat, die Nematoden Niederhalten.:;; Jedenfalls sollten. die Landwirthe diesem Schädlinge dien größte Aufmerksamkeit widmen und bei den ersten Anzeichen seines Auftretens energisch gegen ihn einschrrften.x um sich vor schwerem Schaden zu bewahren...^ . “•
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