Zeiten Schoße ruhen, jedenfalls aber ist es gut, solche Ausstellungen zu veranstalten. Sie machen den Beschauer, den flrzt wie seinen Volksgenossen, stolz auf üie gemeinschaftliche k,eimat. Sie erwecken das Gefühl der Lusammengehörigkeit und zeigen zugleich, welche Schätze wir in unseren Mauern bergen, wie viele deüeutenüe Männer unsere Stadt hervor- gevracht hat. fln werten und Runstschätzen ist Frankfurt so reich wie wenige deutsche Stäüte. Sie müssen nur ans Licht gezogen werüen:
„was Du ererbt von deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen!"
Dr. Kallmorgen.
Einige kunstgeschichtliche Betrachtungen
zur Ausstellung.
Rümlich, christlich, auch tröstlich ist.
Daß man zu keiner Zeit vergißt
Der alten lieben Vorfahren
Die vor uns in dem Leben waren.
Die schöne Ausstellung von über hundert gemalten Bildnissen Frankfurter Aerzte und zahlreicher gestochener Kupfer aus dem Besitz der Dr. Senckenbergischen Stiftung in den Räunien des Städelschen Instituts bietet in kunstgeschichtlicher Hinsicht manche Anregung. Da das künstlerische Porträt stets das Ergebnis einer mehr oder minder starken Auseinandersetzung zwischen den beiden Hauptbeteiligten: dem Maler und dem Dargestellten ist, interessieren den historisch eingestellten Beschauer unserer ehrwürdigen Versammlung die Gemälde vorzüglich nach diesen beiden Richtungen hin. Ueber die Maler läßt sich in diesem Falle weniger vermelden als über'die Dargestellten, die Aerzte. Da sich die Porträtsammlung, die von Dr. Senckenberg selbst angelegt wurde, von ihm aus gesehen zeitlich nach rückwärts und vorwärts erstreckt, ergibt sich in der geistigen Ahnenreihe naturgemäß eine Dreiteilung: Die Bildnisse des 17. Jahrhunderts, des 18. Jahrhunderts (Die Zeitgenossen) und des 19. resp. 20. Jahrhunderts. In der Ausstellung halten sich die beiden letzteren Abteilungen etwa die Wagschale, während das Barock des 17. Jahrhunderts zahlenmäßig unterlegen ist. Bei den Herren mit den gewichtigen Allonge-Perücken ist es meist nicht mehr gelungen, die Namen der Maler sestzustellen. Unter den Einheimischen sind bekannt der jüngere Merian und Hermann Boß, welch letzterer drei Mitglieder der Fainilie Itter gemalt hat. Unter den Künstlern des 18. Jahrhunderts begegnen wir einer größeren Reihe in Frankfurt bekannter Namen: Justus Juncker, Franz Lippold, I. D. Bager, Fr. L. Hauck und A. W. Tischbein. Es ist immerhin auffallend, daß im Hinblick auf die künstlerische Qualität die beiden Bildnisse Senckenbergs von Juncker und Tischbein einen hervorragenden Platz innerhalb der ganzen Samnckung einnehmen. Da überdies die Totenmaske Senckenbergs und die nach dieser von dem außerordentlich geschickten Bossirer und Stuckateur Ehr. B. Rauschner angefertigte Wachsbüste ausgestellt sind, bietet diese kleine Gruppe eine seltene Gelegenheit, allerhand kunstgeschichtliche und anthropologische Untersuchungen anzustellen. — Im 19. Jahrhundert begegnen uns Künstler, die dem alten Frankfurter nicht nur dem Namen nach bekannt sind. Vor allen hat N. Schrödl die meisten der Aerzte gemalt, resp. nach alten Vorbildern kopiert. Thoma ist mit einem kleinen, prägnanten Porlrät vertreten.
Senckenberg hatte den Aerzlen Frankfurts ein Collegium medicum mit Versammlungsraum und Bibliothek in seinem Hause eingerichtet und ersteren bereits mit den ihm zur Verfügung stehenden Aerztebildnissen — allerdings auch mit Familienbildnissen — geschmückt. Er verfiel