133

seine Frau gestorben war, mit einem Töchterehen und seinem vierjährigen Sölmchen wieder in seine Heimat, da man ihm HoSnung gemacht hatte, wieder in den Besitz seines väterlichen Vermögens zu gelangen. Allein schon gleich nach der Ankunft sah er sich getäuscht und außer stände nach Frankfurt zurück­zukehren. Er praktizierte einige Jahre in Honfleur, Orleans und schließlich in Paris, woselbst er die Kliniken und die Ana­tomie besuchte. Neben dem Schulunterricht besuchte der da­mals elfjährige Sohn mit seinem Vater die Vorlesungen über Anatomie und Chirurgie, und reichte ihm, wie er selbst be­richtet,fleißig die Hände inter primos bei der Sektion von etwa 20 Cadavern beyderlei Geschlechts.

Nach vielen Mühsalen kehrten sie endlich 1709 wieder nach Frankfurt zurück. Der Vater war bis zu seinem Tode als beliebter Arzt hier thätig.

Der Sohn aber bezog schon im folgenden Jahre, im Alter inv.-No. 35,

von 14 Jahren, die Universität Heidelberg, um zunächst Humaniora zu studieren.

Seine weiterhin folgende medizinische Ausbildung in Heidel­berg, Jena und Straßburg war eine gründliche. Erst Ende des Jahres 1718, also nach neunjährigem Studium ließ er sich hier als Arzt nieder. 1735 wurde er vierter Physikus, 1739 dritter, 1742 zweiter und 1744 Physicus primarius, oder Vorsitzender des Sanitätsamtes. Er starb 1755.

Seine Witwe, eine geborene Prischwitz, schenkte 1766 die beiden Porträts.

Inv.-No. 27.

Johann Philipp Jordis, geboren hierselbst 1658, inv.-No.27.

studierte und promovierte zu Utrecht, ließ sich hier als Arzt 1685 nieder und starb 1725.

Er war mit einem Fräulein de Neufville vermählt.

Das Bild hat für uns ein besonderes Interesse dadurch, daß es von Fräulein Susanna Catharina von Kletten­berg, Goethes schöner Seele, einer Enkelin des Arztes, 1766 an Senckenberg geschenkt wurde.

Pierre Fred eric dOrville entstammte ebenfalls inv.-No. 28. > /

einer alten Brabanter Adelsfamilie, die 1574 hier ansässig wurde.

Er ist 1662 geboren und praktizierte hier von 1686 bis zu

seinem Tode 1739. Offenbar hatten die Ärzte damals bessere Zeiten als jetzt, denn er vermochte es gleichzeitig sowohl als

7- ' 1'3: V--:_£.

SS#Kf" , 3Ji8p7iWr

trAAVi.