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hätte er ein glückliches Leben führen können, wenn nicht seine zweite Gattin dasselbe getrübt hätte.

Das zweite Bild giebt uns von dieser nicht gerade einen ungünstigen Eindruck. Allein den Schilderungen nach zu ur­teilen, welche von ihr erhalten sind, muß sie das Abbild von Shakespeares bezähmter Widerspenstigen gewesen sein. Leider aber hat offenbar Johann Hartmann Senckenberg nicht des Dichters Urbild gekannt und aus dessen Darstellung das richtige Heilmittel, nämlich das von Anfang an in steigender Dosis zu gebende homöopathische, nicht erfahren können.

Er starb 1730. Seine Gattin überlebte ihn um 10 Jahre.

Von den Söhnen hatte der älteste das Glück, in seinem dritten Lebensjahre aus diesen traurigen häuslichen Verhältnissen herausgenommen zu werden. Auf Bitten einer Schwester seiner Mutter, welche kurz vorher ihren Gatten verloren hatte, kam er nach Gießen und wurde dort erzogen. Es ist dies der spätere Reichshofrat v. Senckenberg.

Die beiden andern, der spätere Arzt und der Senator, wuchsen bei den ewig hadernden Eltern auf und entbehrten jeder Erziehung.

Johann Christian, der Arzt, war und blieb der Mutter ebenso verhaßt, wie er der Liebling des Vaters war. Allein dieses traurige Verhältnis entwickelte und stählte die sittliche Kraft dieses von der Natur bedeutend angelegten Mannes und er gewann es über sich, nach dem Tode seines Vaters noch volle 10 Jahre mit der Mutter zusammen zu leben.

Der jüngere, Johann Erasmus, dagegen war der Liebling der Mutter und ward ein Muttersöhnchen, dem alles gewährt wurde, was er begehrte, und dem jede Unart verziehen wurde.

Die Folgen der Erziehung zeigten sich in seinem späteren Leben, das ich als bekannt voraussetzen darf. Er starb 1795, nachdem er 26 Jahre lang als Staatsgefangener in Haft ge­wesen war.

Der älteste der drei Brüder, Heinrich Christian, 1704 geboren, wurde, wie soeben bemerkt, in Gießen erzogen. Mit 15 Jahren begann er hier das Studium der Jurisprudenz, bezog später die Universitäten Halle und Leipzig. Nach abgelegtem Examen in Gießen ließ er sich in Frankfurt als Advokat nieder. 1730 erhielt er von dem Wild- und Rheingrafen von Dhaun die Stelle

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