Staatliche Prüfungen der in der Krankenpflegeschule des Bürgerhospitals ausgebildeten Schwestern des Evangelischen Diakonievereins Zehlendorf fanden statt am 13. und 14. Oktober 1915 und am 20. und 21. März 1916. Geprüft wurden 17 Schwestern, von denen erhielten in der Prüfung Note l: 7, Note II: 9 und Note III: 1 Schwester.

Von den Insassen der mit dem Bürgerhospital vereinigten Pfründnerstiftungen starb am 17. Dezember 1915 Herr Joh. Grötzinger; an dessen Stelle trat Herr Karl Rupp.

Im Berichtsjahre wurden im Bürgerhospital 1041 Kranke mit 53732 Tagen verpflegt (mit Einschluß von 400 Soldaten und 30741 Verpflegungstagen). Im Vorjahre wurden 1494 Kranke mit 47630 Tagen verpflegt.

Um einem eingetretenen Bedürfnisse abzuhelfen, wurde die Zahl der Zivilbetten im Winter 1915/16 erhöht. Es wurden bereitgestellt für Zivilkranke 111 Betten, für Militärkranke 96 Betten.

Trotz der Lebensmittelknappheit ließ sich die Versorgung der Kranken u. s. w. immer noch ohne größere Schwierigkeiten durchführen. Für den Unterhalt der kranken Soldaten wurden Lebensmittel- Zuschüsse von der Militärverwaltung überwiesen.

Von einer Erhöhung der Pflegegeldersätze für die Privqt-Patienten hat die Administration, in An­betracht der grade für den mittleren Bürgerstand schweren Zeit, Abstand genommen.

Die täglichen Durchschnittskosten für Verpflegung und Behandlung des Kranken stellen sich im Berichtsjahre auf 4 M. 85 Pfg., gegen 4 M. 75 Pfg. im Vorjahre.

Auf Grund der angeordneten Nickel- und Kupferbeschlagnahme für Heereszwecke wurden die Nickel-Kochkessel und kupfernen Waschmaschinen und Boilerschlangen durch eiserne Geräte ersetzt.

Zur Unterhaltung der verwundeten und kranken Soldaten wurden unter Leitung des Stifts­predigers, Herrn Professor l)r. Gotthold, monatlich ein bis zweimal Konzert-und Vortragsabende gehalten, die sich allgemeiner Beliebtheit erfreuten. Allen mitwirkenden Künstlern, besonders aber Frl. Klara Rudolph, die sich um das Zustandekommen dieser Unterhaltungsabende besonders verdient gemacht hat, sei auch an dieser Stelle für die unfern Verwundeten bereiteten heiteren Stunden unser herzlichster Dank abgestattet. Zur Beschäftigung und Weiterbildung verwundeter Handwerker u. s. w. wurden die Werkstätten im Bürgerhospital zur Benutzung freigegeben; auch wurden für diesen Zweck neue Räume hergerichtet. Die hiesige Kriegsfürsorgestelle ließ im letzten Winter Unterricht in Stenographie und anderen Elementar­fächern erteilen.

Die Weihnachtsfeier fand am 23. Dezember 1915 in feierlicher Weise im Betsaal des Bürger­hospitals statt. Sämtliche Patienten, sowohl Zivil, wie auch Militär, wurden in reicher Weise mit durch Spenden aufgebrachte Geschenke bedacht. Im Anschluß an den vom Stiftsprediger, Herrn Professor Dr. Gotthold, gehaltenen Gottesdienst erfreuten Frl. Marie Burnitz durch mehrere Violinsoli, Frl. Else Schneider durch Gesang, Frl. L. Rau durch Rezitation und Herr Musikdirektor Parlow durch Orgelvorträge die Festteilnehmer durch ihre Kunst. Vor der allgemeinen Feier fand in den einzelnen Krankensälen für die bettlägerigen Kranken eine besondere Feier und Bescherung statt.

Allen, die zum Gelingen des schönen Festes beigetragen haben, sei an dieser Stelle nochmals im Namen der Kranken und Pfründner herzlichst gedankt.

Nach einem Beschlüsse der Administration vom 6. Januar 1916 ist, der Bedeutung der Sencken- bergischen Bibliothek entsprechend, die bisherige Amtsbezeichnung des Leiters der BibliothekBibliothekar", inDirektor der Senckenbergischen Bibliothek" umgewandelt worden.

Der Witwe des am 15. Januar 1915 gefallenen Bibliothek-Sekretärs Th. Häßler wurde nach den Ruhegehalts-Satzungen der Stiftung vom 1. Juli 1915 ab eine Witwenrente von M. 430. jährlich

und für die beiden hinlerlassenen Kinder eine Erziehungsbeihilfe von je 179 M. 17 Pfg. bis zum voll­

endeten 17. Lebensjahre bewilligt.

Als außerordentliche Hilfsarbeiterin wurde am 1. Juni 1915 Fräulein Ilse Schwanebeck angestellt. Die Hilfsarbeiterin Frl. Emmy Meißner erhielt den TitelSekretärin".

Der Direktor der Bibliothek, Herr Or. Rauschenberger» befindet sich noch als Hauptmann bei der Armee. Vertreter war auch im verflossenen Jahre Herr Or. W. Weinreich.

Die Bibliothek war an 296 Tagen geöffnet. Die Zahl der Besucher des Lesesaals betrug 4410

(1914/15: 4417), die der physischen Entleiher 513 (555). Im Lesesaal wurden benutzt 4679 (5425) Bände, verliehen wurden 6965 (6729), zusammen 11644 (12154).

Die Zahl der bibliographischen Bände der Bibliothek (einschl. kleiner Schriften) betrug am 1. April 1916: 114670 (1. April 1915: 103083).

Während des Sommersemesters 1915 verblieb die l)r. Senckenbergische Anatomie noch in den Räumen des Senckenbergischen pathologischen Instituts. Mit Beginn des Wintersemesters 1915/16 übernahm Professor Göppert, der auf Antrag des König!. Preußischen Unterrichtsministeriums als Chefarzt emes