Zweiundachtzigste Nachricht

von dem Fortgang und Anwachs

der

Dr. Senckenbergischen Stiftung

zum Besten der Arzneikunde und Krankenpflege

vom 1. April 1915 bis 31. März 1916.

Das verflossene Jahr war infolge des Krieges auch für die Dr. Senckenbergifche Stiftung ein schweres und arbeitsreiches.

Die Administration trug der allgemeinen Teuerung und Lebensmittelknappheit dadurch Rechnung, daß sie den Familien der zum Heeresdienste eingezogenen verheirateten Angestellten der Stiftung die vollen Gehälter auch für 1915/16 weiter zahlte; ebenso wurden verschiedene Teuerungszulagen bewilligt.

Die Prüfung der Jahresrechnung fand statt am 18. August 1915. Sie wurde vorgenommen von den Herren Oberbürgermeister Voigt und Geheimer Justizrat Dr. für. Friedleben als Revisoren der städtischen Behörden, und von den Dekanen der juristischen und medizinischen Fakultät der Großherzoglichen Ludwigs-Universität in Gießen, Herrn Professor Dr. jur. Hans Albrecht Fischer und Herrn Geheimen Medizinalrat Professor Dr. mecl. Hans Strahl.

Rach einem Beschlüsse der Stadtverordneten-Versammlung gelangte das noch von Joh. Chr. Senckenberg errichtete Dlieatrum anatymicum auf dem alten Stiftungsgelände zum Abbruch. Mit Rücksicht auf den historischen Wert des Gebäudes ist es der Wunsch weiterer Kreise, daß das Gebäude später an anderer Stelle wieder errichtet wird..

Die in der Senckenbergischen Bibliothek vorhandenen älteren anatomischen Bücher wurden nach einem Beschlüsse der Administration in der neuen Dr. Senckenbergischen Anatomie aufgestellt. Für die Einhaltung der Benutzungs-Ordnung (also auch für das Verbot der Benutzung außerhalb der Anatomie) wurde der Direktor des anatomischen Institutes verpflichtet.

Auf dem Felde der Ehre fiel im verflossenen Berichtsjahre der Gärtner des Bürgerhospitals, Herr Ludwig Schweikert. Ehre seinem Andenken!

Den ärztlichen Dienst versahen im verflossenen Jahre, als Chefarzt der chirurgischen Abteilung Herr Dr. Fr. Ebenau und als vertretender Chefarzt der inneren Abteilung Herr Sanitätsrat Dr. Seuffert. Herr Dr. Scholz war vom 1. bis 30. Januar 1916 von seinem Truppenteil in Frankreich beurlaubt und versah während dieser Zeit den chefärztlichen Dienst seiner Abteilung im Bürgerhospital.

Die Assistenzarztstellen am Bürgerhospital waren wegen Aerztemangels im verflossenen Jahre unbesetzt.

Als Praktikant arbeitete vom 1. November 1915 bis zum Schlüsse des Berichtsjahres Herr Dr. meck. Scheuer aus Frankfurt a. M.

Durch Verfügung des Oberpräsidenten und Territorial-Delegierten der freiwilligen Krankenpflege für Hessen-Nassau vom l4. Dezember 1915 wurde die Ausbildungszeit für Schwestern wieder auf mindestens ein Jahr festgesetzt.