Reserve-Lazarettes vom Felde nach Frankfurt a. M. abkommandiert war, die Leitung des Instituts. Der Unterricht konnte nunmehr in vollem Umfange ausgenommen werden. Es wurden folgende Vor­lesungen und Kurse abgehalten:

1. Prof. Göppert, Systematische Anatomie 11. Teil, 5-stündig mit 47 Zuhörern.'

2. vr. Bluntschli, Osteologie, 3-stündig mit 33 Zuhörern.

3. Spezielle Entwickelungsgeschichte, 3-stündig mit 36 Zuhörern.

4. Topographische Anatomie, 2-stündig mit 12 Zuhörern.

5. Prof. Göppert und vr. Bluntschli, Kurs der Histologie und mikroskopischen Anatomie, 6-stündig mit 34 Zuhörern.

Der verhältnismäßig starke Besuch ergab, daß schon für die nächste Zukunft die provisorischen Räume für den Unterrichtsbetrieb nicht mehr ausreichen würden und es gelang, von der Militärbehörde die Räumung des bisher als Lazarett verwendeten Neubaues zu erreichen. Am 1. November 1915 wurde das neue Jnstitutsgebäude am Theodor Sternquai durch die Vertreter des Hochbauamtes der Administration der Dr. Senckenbergischen Stiftung übergeben und fand die vollste Anerkennung der letzteren. In der Tat hat sich auch das schöne Haus in jeder Beziehung bewährt. Einen wertvollen Schmuck erhielt der Bau durch die Ueberweisung der Bildnisse der bisherigen Direktoren der Dr. Senckenbergischen Anatomie aus der Porträt-Sammlung Frankfurter Aerzte, die im Eigentum der Stiftung verbleiben.

Die Notwendigkeit, die Freigabe des Baues von der Militärbehörde zu erwirken, ergab sich aus dem stattlichen Besuch von Studierenden mit dem Beginn des Wintersemesters 1915/16.

An den von den Professoren Göppert und Bluntschli abgehaltenen Präparierübungen nahmen 89 Studierende teil. Ferner lasen: .

Professor Göppert, Systematische Anatomie 11. Teil mit 50 Hörern, '

Bluntschli, Osteologie und Myologie mit 23 Hörern,

,, Topographische Anatomie mit 19 Hörern.

Im Personalbestand des Instituts traten folgende Aenderungen ein: Privatdozent Dr. Bluntschlr erhielt den Professortitel. Zur Beaufsichtigung des Hauses und Unterstützung der Diener in dem großen Gebäude wurde die Annahme einer weiteren männlichen Kraft als Pförtner notwendig.

Während des Wintersemesters machte sich das Fehlen des noch im Heeresdienste stehenden 1. Assistenten empfindlich bemerkbar. Zwei Studierende, die Herren W. Weise und K. Zeiger, halfen bei den Präparierübungen die Lücke ausfüllen.

Ein äußerst wertvolles Geschenk wurde der Anatom'e von Herrn Professor Cr. Edinger über­wiesen. Er übergab ihr, wie er schrieb in dankbarer Erinnern g an die reiche Förderung, welche die Stiftung seiner Arbeit hat angedeihen lassen, den nicht neurologischen Teil seiner anatomischen Bibliothek, bestehend aus vielen Separaten und mehreren Serien englischer und französischer Zeitschriften.

In der inneren Ausstattung der Anatomie, der Schaffung einer makroskopischen und mikroskopischen Sammlung, der Herstellung von Tafeln wurde z. T. unter eifriger Beteiligung von Studierenden gearbeitet, sodaß wir hoffen dürfen, daß nach Friedensschluß die Anatomie im Stande sein wird, den alsdann an sie herantretenden großen Aufgaben gerecht zu werden.

Im Sommer 1915 las Professor Möbius außer der Universitäts-Vorlesung (Systematik der Blüten­pflanzen, Montags, Mittwochs und Freitags von 12 bis 1 Uhr) Pflanzenphysiologie (Wachstum und Bewegung, Dienstags und Freitags von 6 bis 7 Uhr) und hielt Donnerstags von 3 bis 6 Uhr ein mikro­skopisches Praktikum für systematische Botanik (Blütenpflanzen) ab. Die letztere Vorlesung und das Praktikum galten auch als Publika für die Besucher der Universität. Im großen Praktikum arbeiteten 3 Personen. Die Exkursionen wurden unter Leitung des Assistenten, Herrn Dr. Burk, veranstaltet.

Im botanischen Garten wurde das Gebäude und die Gewächshäuser zum Gebrauch fertiggestellt. Die Baukosten hierfür betrugen M. 56 341.91. Das Gelände zwischen dem Gebäude und dem angelegten Garten wurde als Kriegs-Gemüsegarten für das Bürgerhospital nutzbar gemacht.

Im Winter 1915/16 las Professor Möbius außer der Universitäts-Vorlesung (Allgemeine Bptanik, Montags und Freitags von 12 bis 1 Uhr) und einem mikroskopischen Anfängerkurs (Samstags von 10 bis 1 Uhr) über Kryptogamen (2. Teil), Dienstags und Freitags von 6 bis 7 Uhr. Diese Vorlesung galt zugleich als Publika für die Besucher der Universität. Im großen Praktikum arbeiteten 4 Personen. Herr Dr. Burk verließ seine Stellung am 15. November 1915, und Fräulein B. Weil! übernahm die Funktion eines Assistenten.

Im Februar 1916 wurde auf den Arkaden im Anschluß an das botanische Institut ein kleines, nicht heizbares Gewächshaus errichtet. Die Kosten hierfür betragen M. 845..

Dr. Senden bergisches Botanisches Institut.