Über die Tätigkeit der Stiftungsinstitute und die eingetretenen Veränderungen ist folgendes zu berichten.

Zum Chefarzt der inneren Abteilung des Bürgerhospitals wurde Herr Dr. meä. Bernhard Scholz aus Frankfurt a. M. ernannt.

Der Assistenzarzt der chirurgischen Abteilung 'Herr Dr. Bamberger, verließ seine Stelle am 30. September 1909; für ihn trat am 1. Oktober 1909 Herr Dr. Curt Tschentscher aus Bautzen ein.

Im Berichtsjahre arbeiteten am Bürgerhospital als Medizinalpraktikanten die Herren Ernst Bam­berger aus Frankfurt a. M., Hans Hahn aus Laband in Schlesien, Ewald Lang aus Wörth, Bayern, Adolf Hinkel aus Reistenhausen, Bayern und Egmont Hartmann aus Wackersleben.

Der in den Vorjahren vom Herrn Dr. Streng abgehaltene Fortbildungskursus für Ärzte fiel infolge des Chefarztwechsels im letzten Winter aus. Vom Winterhalbjahr 1910/11 ab wird Herr Dr. Scholz diesen Kursus fortsetzen.

Für die Benutzung des Röntgenlaboratoriums im Bürgerhospital wurde ein neuer Gebührentarif eingesührt. Ambulante werden künftig nur dann angenommen, wenn sie durch Ärzte, Kassenvorstände u. s. w. eingewiesen werden.

Im Bürgerhospital wurden im Berichtsjahre 1909/10 (: 1. 4. 1909 31. 3. 1910 :) 984 Patienten, einschließlich 70 vom Vorjahre im Bestände verbliebenen, mit 29318 Verpflegungstagen behandelt. Im Berichtsjahre 1908/09 (: 1. 7. 1908 31. 3. 1909 :) wurden 775 Patienten mit 22505 Verpflegungstagen behandelt. Ambulatorisch wurden 259 Personen behandelt.

Von den Pfründnern der mit dem Bürgerhospital vereinigten Pfründner-Stiftungen ist Friedrich Wörner am 9. November 1909 verstorben.

Der bereits im vorigen Winter von Frau Else Kunz arrangierte Unterhaltungsabend wurde auch im letzten Winter wieder veranstaltet und fand allgemeinen Beifall. Allen Mitwirkeuden sei hierdurch namens der Patienten herzlichster Dank abgestattet.

Die für die Patienten und Pfründner am 23. Dezember 1909 im Betsaale des Bürgerhospitals abgehaltene Weihnachtsfeier mit anschließender Bescherung verlief in althergebrachter erhebender Weise. Den Spendern der reichlichen Gaben, wie auch dem Königlichen Musikdirektor Herrn E. Par low, der Violinistin Fräulein Marie Burnitz und der Gesanglehrerin Fräulein Leni Reichard, welche in entgegenkommendster Weise die Feier durch Musik- und Gesangsvorträge verschönern halfen, sei an dieser Stelle nochmals herzlichst gedankt.

Im Pathologisch-anatomischen Institut wurden vom Direktor des Instituts Herrn Professor Fischer folgende Vorlesungen und Kurse abgehalten:

1. Im Sommer 1909:Ausgewählte Kapitel der Allgemeinen Pathologie" (Pathologie des Kreis­laufs).Pathologisch-anatomische Demonstrationen" einmal wöchentlich im Institut.

2. Im Winter 1909/10. 1)Allgemeine Pathologie der Geschwülste".Pathologisch-anatomische Demonstrationen" Mittwochs von 67 Uhr im Institut. 2)Mikroskopischer Demonstrationskurs der patholo­gischen Histologie" Freitags von 121 Uhr im Senckenbergischen Museum. Raum und Mikroskope wurden von der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft in dankenswerter Weise zur Verfügung gestellt.

Die in den letzten Jahren eingetretene starke Vermehrung der Arbeiten, namentlich der Sektionen hatte eine Überlastung der verfügbaren Kräfte zur Folge, welche den Betrieb des Jnstiürts erheblich beeinträchtigte.

Es ist daher mit Dank zu begrüßen, daß uns durch das Entgegenkommen des Magistrats aus der von Passavant'schen Stiftung die Mittel für die dringend erforderliche Anstellung eines Prosektors zur Verfügung gestellt wurden.

Diese Stellung wurde Herrn Dr. OskarMeier aus Gernrode, der mehrere Jahre am anatomischen und am pathologischen Institut der Universität Halle gearbeitet hatte, übertragen.

Nach der neu eingeführten Diensteinteilung findet jeden Morgen 9 Uhr die Demonstration sämtlicher am Tage vorher obduzierter Sektionsfälle durch den Direktor des Instituts im Beisein der am Institut arbeitenden Herren statt. Die Teilnahme von außerhalb des Instituts stehenden Ärzten und Studenten an diesen Demonstrationen wird gestattet. Durch eine ähnliche Neuregelung der mikroskopischen Demonstrationen ist es erreicht, daß jedes makroskopische und mikroskopische Präparat der Beurteilung durch den Direktor selbst unterliegt, wodurch die wissenschaftlichen Ergebnisse wie die Ausbildung der am Institut arbeitenden Herren eine wesentliche Förderung erfahren haben.

Angefangen wurde mit der Ordnung, Etikettierung und Ergänzung der umfangreichen mikroskopischen Sammlung. Auch mit der Neubearbeitung der im Institut zum Teil noch ungeordnet lagernden makroskopischen Sammlung ist begonnen worden, um diese wertvolle Sammlung sowohl für Lehrzw?cke, wie auch für die Forschung nutzbar zu machen. Neuaufgestellt ist bereits die umfangreiche Sammlung von Schädeln und Knochen; fast fertiggestellt ist eine große Sammlung von Herzpräparaten, welche die gesamte Pathologie des Herzens und des Skelettsystems demonstrieren.

Die wissenschaftliche Tätigkeit des Instituts hatte im vergangenen Jahre unter dem zeitweiligen Assistentenmangel und häufigen Personalwechsel zu leiden. Trotzdem gingen aus dem Institut 16 wissenschaftliche Publikationen hervor.