zu erfüllen. In das alte Stiftungsgebäude, das gottlob erhalten bleibt und in seiner schlicht vornehmen Erscheinung noch lange Jahre an den Bürgersinn des Stifters erinnern wird, sind Institute und Vereine eingezogen, deren Wirken auch ein gemeinnütziges ist, wie es das Wirken seines Erbauers war. Das neue große Krankenhaus am Friedhof, das neue Bürgerspital, wird in umfassenderer Weise als bisher seiner humanitären Bestimmung gerecht werden können; die wissenschaftliche Tätigkeit der Stiftung aber wird in den neuen, prachtvollen Räumen an der Viktoria-Allee im Westen der Stadt einer neuen Blüte entgegengehen in der Zusammenarbeit mit der Akademie und den erweiterten medizinischen Anstalten unserer Stadt. Senckenbergs irdische Überreste sind von der verödeten Stätte am Eschenheimer Tor nach dem neuen Krankenhaus verbracht worden, und auch der Zeitgenosse des Stifters, der alte Eibenbaum, in dessen Schatten er sich wohl oft seines fortschreitenden Baues gefreut haben mag, ist mit der Wissenschaft nach Westen gewandert. Wenn heute der Geist des Stifters herniederstiege, er würde dankbar anerkennen, daß die Nachkommen in anderer, großartigerer Weise, als er gehofft hatte, seine Stiftung ausgebaut haben.
Kaum länger als ein Jahrhundert hat Senckenbergs Familie unserer Stadt angehört, eigentlich nur in zwei Generationen. Im siebzehnten Jahrhundert ist sie aus Troppau nach Friedberg eingewandert. Johann Hartmann Senckenberg, der Vater des Stifters, Physikus und Ratsherr in Friedberg, war in erster Ehe mit einer Tochter des Frankfurter Arztes vandenBirghden verheiratet; er ließ sich 1688 in der Heimat seiner Frau nieder und brachte es hier in seinem ärztlichen Berufe zu den höchsten Ehren; er ist 1730 als Physicus primarius gestorben. 1703 hatte er in zweiter Ehe die Tochter des Ratsschreibers Raumburger geheiratet, und aus dieser Ehe sind die drei so bedeutenden, aber in ganz verschiedenen Richtungen hervorragenden Brüder Senckenberg hervorgegangen. Der Vater war ein hochgebildeter, hochachtbarer Mann, mild und friedliebend bis zur Schwäche. Gern würden wir auch in der Mutter die liebenswerten Züge unseres Senckenberg wiederfinden; aber nach den Aufzeichnungen des sanften Ehegatten, der schon nach wenigen Monaten des ehelichen Zusammenlebens glaubte, von