Hierin» ist Tit. Herrn Heinrich Lemur, vornehmen Banquier und Harldelsmannsvm 5ten Junti nn. aufgnichttte Testa­mentlicht Bäuerliche vilpoLkio».

Im Namen der Hochheiligen DWeinigkeit,

Amen!

,Ch Heinrich vemur, Burger und Handelsmann allhier, urkunde und bekenne hiemit: Demnach ich so wohl die Veränder - und Abwechselung des Wesens die­ser Welt, welcher alle Menschen jedem Augenblick unterworffen, und daß end­lich denenseiben nichts gewisser- als der zeitliche Tod, hingegen aber auch nichts ungewisser-, dann die Zeit und Stunde desselben bevorstehe, als auch wie es dan- nenhero wohl gethan ja nöthig seye,daß man in seiner durch Göttliche Hülffe und Seegen in guten Stand gebrachte Familie zu derselben Erhalt - und Fortsetzung in Zeiten wohl bedächtlich überlegte Verordnung thm, in Christgeziemende Betrachtung gezogen; daß ich dahero dergleichen oiljwlrrion und Verordnung zu verfügen nach reifer der Sachen Überlegung mir vorgenommen habe: Als ich dann hiemit und Krafft dieses bey GOtt lob! gesundem gehend-und stehendem Leibe, auch guter Vernunfft und Verstand, wie es de­nen Rechten und hiesiger löblichen keformnuon^ach zum kräfft- und beständigstem gesche- hen kan und soll, nachfolgender Massen und wie es nach meinem in GOttes Händen seligen , /

Absterben mit meinem von der Göttlichen Güte mir reichlich zugewandten Haabseligkeik ^ und Vermögen, wofür seiner Göttlichen Allmacht ewiger Danck gesaget seye, bey meiner Familie und Nachkommenschafft gehalten haben will, difponiw und ver ordne.

Erstlich und vor allen Dingen befehle ich meine durch das Blut Cbristi theuer erkauff- te Seele, als das beste Kleinod, wie allezeit, also absonderlich, wenn sie von diesem sterb­lichen Leib abgelöset werden wird, in die unendliche Gnade und Barmhertzigkeit des Drey- eigen GOttes, welcher dieselbe in sein himmlisches Reich aufnehmen, und allen auserwehl- ten Kindern GOttes beygesellen wolle, den Leichnam aber Christlicher Ordnung nach zur Erden zu bestatten.

Zweyrens, legire und vermache ich denen Armen in allhiesigen löblichen Armen- 0 * n

Wayftn-undArbeits-Hauß Gulden Ein hundert und funftzig in Müntz.

Drittens, legi« und verschaffe ich auch denen Armen des reformieren Allmostn- ' y *

Castens Gulden Ein hundert und funffzig in Müntz.

Viertens, prtkgvct und vermache ich meinem SohnJacob Bernus zum vor­aus denjenigen Brillanren-Ring von einem Diamant-Stein, welchen mir meine gewesene Frau die Wittib Charlotte Leißlerin, gebohrne Burckardin auf die Ehe gegeben, welchen derselbe zu sich nehmen und behalten, und solang nicht ver­kauften, verrauschen noch veraussern solle, biß er zuvor von gedachter meiner ge­wesenen Frauen oder deren Erben ihres gegen mich bezeigten böstn Verfahrens halber Satisfaäm erhalten haben wird, so dann einen von denen zwey hohen Bier-Be­chern, welcher ihmzumPetter-Geschenck verehret worden und ohnedem zugehörig ist.

Fünftrens, pr-l-gire und vermache ich auch zum Voraus meinen Enckel und Pet- a <£>.. fern Henrich Bernus, welcher nun bey neun Jahr alt ist, meinen Pilschier-Ring^welch^n T^' 7T ich gewöhnlich am Finger trage, und welcher mit einem Carniol, worauf meimvon mei­nen Eltern seelig herrührendes Wappen gestochen, und mit s. kleinen Diamanten besetzet ist, welches Wappen und kein anderes er mein Enckel fortführen und gebrauchen soll; nechst dem xr-legire ich demselben alle meine gedruckte gebundene und ungebundene Bü­cher auch eingebundene Land-Charten, so viel derselben nack^meinem seligen Tod vorhay- n /

den seyn werden, nicht das geringste davon ausgeschlossen^ über das und

Sechstens, pr-legire und verschaffe ich auch meinem Enckel Henrich Bernus zum * f ' \

Voraus Reichsthaler Drey tausend in Müntz an baaren Geld, welches so wohl als ein Capital auf eine gute und sichere Hypothek angelegt, als auch die davon fallende In-«/ 9 s /ä teressm bey vorkommender guten Gelegenheit nach Gutbefinden wieder fruchtbarlich gewendet und damit so lang cominuiret werden soll, biß er sich in die Fremde begiebt,da^^A.^ ihm dann zu Erlernung guter und rühmlicher Wissenschafften, und sich, durch Geschick- f U

lichkeit und Tugenden desto qualificirter und angenehmer zu machen, über dasjenige, so^x^ jhmvon seinen Eltern gegeben wird, dieses Geld pr-IeM zu einem hinlänglichen Zu- schuß, keines wegsjaber zu einiger Eitelkeiten oder Verschwendungen dienen soll. Im Fall aber ^ ^ ^

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