Petersburg/ den r-.Sept.
Il>ro Majestät, d-e Keyserin, haben an D» ro Namens- Fest keine grosse Militär - Promotion gemacht, gleichwie viele der Meynung waren. Dieselbe ist, wie man will, bis zu dein ersten Ottober, als an dem Geburts -Fest des jungen Groß-Fürlkens, Paul Petrowitz, verschoben. Zufvlg denen Ordres des Hofes, ist man zu Mietau, Riga, Pernau und m andern Platzeil eifrig -bemühet, Magazinen für unsere Lroupven aufzurichten. In dem Cabinet unserer Kaiserin, werden inehr, als gewöhnlich, Con- ferenzen gehalten, alles aber sehr geheim traeti- ret. Der hier geweseue Türkische Abgesandte, und mit demselben der Fürst Dolgorugki, sind würklich auf der Reise nach Constantinopel, und haben bey sich kostbare Präsente für den GroH- Sultan und seine Ministers. Mitkerweile setzet man sich in Verfassung an Groß-Britannien die Anzahl Trouppen parat zu Halten, welche nach dem neu-geschlossenen Traktat sind versprochen worden. Unsere Armee, so zahlreich sie auch immer seyn mag, ist bereits mit vier Caoallerie-Regimentern verstärket worden.
Stockholm, den rr.Sept.
Die Lebens-Mittel, die, wegen des anhaltenden starken Regens, so man hier säst seit zwen Monaten gehabt, sehr theuer waren, beginnen nun noch mehr im Preiß zrr steigen, indeme es seit einigen Tagen hier so kalt gewesen, wie im Winter, wie es dann bereits einige Nächte nach einander gefroren hat. Die Englische Lords Woodward und Combe, wie auch der Graf Marliani, welcher letztere sich einige Zeit zu Coppenhagen auf- gehalten, sind allhier angekommen, um das Merkwürdigste zu besehen.
Turin, den r. Oct.
Auf ausdrücklichen Befehl Ihrer Majestät, des Königs, sind dem allhier verstorbenen Prinzen, Friedrich von Thurn und Taxis, bey seinem Leichen-Begängnisse alle Ehren-Bezeugungen wiedcrfahren, die mau einen Prinzen von Savoyen hatte erweisen können.- Sein Leichnam ist in der Metropolitan- Kirche, gerade dem Herzoglichen Vegrabniß über, beygesetzet worden. Er lag in einem silbernen, mit grünen Sammet überzogenen, und mit goldenen Tres- ien besetzten Sarg, ans dessen Deckel man die Worte las: Se. Durchlaucht, Prinz Friedrich von Tkurn und Taxis, gebohxen zu Brussel, den 3 zten Oct. 17$6., gestorben zn Turin den rasten Septembr. 1755. Alle Geistliche und Wayse«
glengen mit rmLerche. Drey Tage hinter leinander hat man 8 . hundert Messen für. die Seelen- Ruhe dieses jungen Prinzen gehalteu, den noch jederman beweinet, indem seine liebenswürdige Eigenschaften eines jeglichen Herz, und denBey- fall aller Höfe, gewonnen, die er auf seinen Reisen besucht.
Genua, den 4. Oct.
Es käme am vorigen Samstag, nach einer 14. tägigen Schiffahrt von Eadix, und-. Tagen von Gibraltar, ein Englisches Schiff hier an, dessen Eapitanr erzehlet, es seye das Kriegs-Schiff des Englischen Commandanten von ermeldtem Gibraltar, nach denen Lüsten von Salee ausgelaufen, aüwo unter denen vornehmsten dieserRe- public ein gewaltiger Aufruhr entstanden seyn solle. Man hätte nemlich zu ermeldtem Gibraltar ausgegcben und gesaget, sie hätten zweyEug« lischen Consuls die Köpfe wegfchlagen lassen; darüber' nun hatte dieser Commandant sich erkundigen, und von denen Umstanden dieser Gerüchte, nähere und gewissere Nachricht einziehen lassen wollen. Laut Briefen aus Spanien, ist der Französische Abgesandte, Herr Herzog von Du- ras, fast täglich in Couferenz mit denen Minisiris des Hofes zu Madrit, welche Eonsexenzcn hauptsächlich zum Gegenstand hätten, die Streitigkeiten zwischen denen Ctmnen Frankreich und Engeland in America, und wie dieselbe noch in der Güte möchten beygeleget werden können.
Halle, den s. Ott.
Gestern um -.Uhr, sähe man hieraus in der Aue, gegen Döllnitz zu, ein Feuer aufgehen, und heute, Nachmittags mm 3. Uhr, wird man dergleichen gegen Naucnburg zu abermals gewahr, welches viel verzehret, und jetzo um s.Uhr noch dauert.
London, den7.Octcbr.
Der Herr von Viry, ausserordentlicher Minister Ihrer Majestät des Königs von Sardinien, welcher aus Hannover allhier angelanget, hat eine besondere Audienz bey Jhro Groß-Britannische Majestät, im Pallast zu Kensinglon, und hierauf die Ehre gehabt, die Königlichen Familien zu sprechen. Dieser Minister hat seit seiner Ankunft mit unfern Staats-Ministern vieleIln- terredungen gepflogen, und man sagt, daßJhro Sardinische Majestät mit unserm und dem Wienerischen Hofe eine Convention gemachthabe, um den Ruhestandin Italien zu handhaben, im Fall ein Krieg entstehen solle. Es ist ein Französischer Agent allhier angelanget, man giebt für, daß er