an seinen Vetter, welcher sich von der Reformirten

zu der Papistischen Religion gewendet.

So ohulmigst unter alten Schriften gefunden worden.

lieber Vetter Jacob, Ich habe von meiner liebenSchwe- sterund verstanden, welcher Gestalt ihr euch von der Refor- mirten zu der Päbstischen Reli- gion gewendet, dadurch ihr sie wie auch alle andereFreunde,in sehr grosse Betrübnüß, eurer Seelen halber, gese- tzet, wie es dann auch mich nicht wenig bekümmert, nicht aber darumb, wie die andere Freunde, daß ihr dieLehrund den Glauben, so ihr von Jugend auf gelernet, verlassen, welcher zwar von vielen für den rechten gehalten , aber nach der Lehr und Leben Christi anderst befunden wird/sondern daß ihr von einem Irrweg auf einen Aergern gerathen, Mas­sen ich euch solches durch die Gnade Gottes, aus treuem mittleydigem Christlichem Hertzen, mit wenigem andeuten und zu verstehen geben, dar- gegen aber den rechten Weg zu eurer und mei­ner Seelen Heyl zeigen will. Der barmhertzige GOTT und Vatter unsers HERRN JEsu Christi, welcher uns geliebet, und noch liebet, mit unaussprechlicher Liebe, erbarme sich über euch und alle verirrete Schäfflein, und bringe sie zu Christo dem wahren Ertz- Hirten unt> Bi- schoffe eurer und ihrer Seelen, welches Er auch thun wird, wo ihr anderst nach seiner Gnade hun­gert und dürstet, den Schaden eurer Seelen er­kennet und fühlet, auch Trost und Hülffe von Ihm begehret, dann Er laßt sich gerne finden, von denen, die Ihn mit gantzem Ernst und allen ihren Kräfften suchen, ja Er selbst suchet die, so nach Ihme verlangen , auf daß Er ihre Seelen mit seiner Gnade und Barmhcrtzigkeit sättige, und ihre zuschlagene Hertzen mit seiner Liebe er­quicke , und also den Frieden mit GOTT erlan. gen, daß ihre Hertzen nicht erschrocken noch sich förchten.

Mein lieber Vetter, ich zweifele nicht, ihr suchet den HErrn, dann darumb habt ihr, mei­ner Hoffnung nach, Euch von den Reformirtenzu den Papisten gewendet, der Zuversicht, euer zu­schlagen Hertz und geängstigtes Gewissen solle bey t>iefei* Religion mehr Trost und Erquickung, als beyJener, finden; aber es ist gefehlct,was ihr su­chet , das findet ihr nicht, sintemahl das Gewissen bleibet bey einer Religion , die nur in äusserlichen Satzungen bestehet, sowohl, als bey der andern, im Grund ungestillet,ja der Schade wirdbey ih­nen nur je länger je ärger, dann durch äusserlichen Schein, als Predigen, Bäten, Lesen, Fasten, Meß-Hören, kein Fleisch essen, Abendmahl halten, in ein Closter lausten, Keuschheit schweren , und viele andere äusserliche Lcrcmonien und Kirchen- Gepränge mehr, sowohlen bey Papisten, alsCal- vmisten, wird der Glaub oder die Gerechtigkeit, so vor GOtt gilt, und bestet, nicht erworben, noch erlanget, welche ist der Seelen und des Ge­wissens Frieden und Ruhe; Habens die Opffer im Alten leliamenc, von GOtt gebotten, nicht thun können, wie vielweniger mögens im Neuen Teftament, welches ein Bund nicht des Fleisches oder des Buchstabens, sondern des Geistes ist, die äusserlichen Wercke, die GOtt nichtlgebotten, thun, der Ruhm gehöret in diesem Stück allein GOtt, und dem Blute seines Sohnes, und nie­mand andrst, dann das Reich GOtteö kommt

nicht mit äusserlichen Geberden, vielen Kirchen- cier^monien und äusserlichen Diensten, sondern es ist innwendig in uns, da unser Gewissen durch das Blut Christi von den todten Wercken ge- reiniget wird, und wir durch den Glauben, im Hertzen, an Sinnen, Affe&en, und Paffionen ge­ändert und erneuert werden, von dem Fleisch, der Sünde, und der Welt ab, zu GOTT und seinem Wort, seiner Art, und Natur, als aus Ihme ge- bohrne Kinder; Ist ein äuserlicher Gottesdienst unter allen Religionen, wie sie Namen haben mö­gen, der aus einem bösen, einen wahrhafftigen gu­ten Menschen könne machen, das Hertz von aller Untugend und bösen Begierden reinigen, Haß und Neid in Liebe verwandeln, den Zorn inLang- muth, dieUngedult inGedult, den Geitz in Mil- digkeit und Gutthätigkeit, Fressen undSauffen in Mäßigkeit, Pracht und Hoffart in hertzliche Sanfft - und Demuth, Falschheit und Lügen in Redlichkeit und Wahrheit; Ist ein Gottesdienst in der Welt, sag ich, der solches kan und vermag, so will ich ihme auch anhangen, gehorchen und die­nen Tag und Nacht; vermag er es aber nicht, so ist es kein wahrhafftiger, sondern nur ein schwa­cher Gottes-ja bisweilen falscher Götzen-Dienst, der keine KrafftnochMacht hat, welchen ich billig fahren lasse, als untüchtig und ohnzulänglich, auch etwan, auf das beste genommen, nur von GOtt geduldet, vor die meistentheils noch wilde, rohe und unbeschnittene Menschen, zu einer äuser- lichenZucht und Gottesdienstlichen Gestalt, ohne die rechte Krafft und Leben, gleichwie der Mosai­sche Dienst und äusere Beschneidung der Juden. Es haben zwar unsere Vorfahren angefangen zu prorettiren gegen den dainahligen aufs höchste gestiegenen äuserlichen babylonischen Thurn, des­sen Tempel und Stadt, und das Merck wieder auf den inwendigen Grund des Glaubens stellen oder im Geist anfangen wollen; allein man hat zwar die höchste Spitze abgebrochen , und in eine Verwirrung gebracht, hingegen aber es im Fleisch vollendet, und die Gnade auf Muthwillen, und eine falsche zugerechnete Gerechtigkeit gezogen, mithin zwey andere niedrige wieder darneben gesetzet, daß nun drey Höhen oder Theile daraus worden sind, nach der zahl ihrer, der gemeinen Ohnwissenheit nach, habender Götter. Darumb so hangen wir billig dem allein wahrhafften GOtt an, und dienen Ihme, und keinem andern,in Chri­sto JEsu, seinem Sohne, der darumb auch alle Menschen, ja Euch und mich also geliebet, daß Er dieses seines eingebohrnen Sohnes nicht verscho­net, sondern Ihn in diese Welt gesandt, auf daß wir durch Ihne, als den einigen Gnaden-Thron, und dessen Versühn - Opffer, Vergebung der Sünde, oder Frieden und Ruhe mit GOtt in un- serm Hertzen und Gewissen erlangeten, und dann sein Eigenthum würden, Ihme dieneren in recht­schaffener Gerechtigkeit und Heiligkeit, ohne ei­nen äusserlichen Schein und Menschen-Satzung, sondern im Geistund Wahrheit, unser lebenlang; Wer zu diesem Gnaden-Thron kommet, seine Schwachheit, Fehl und Gebrechen erkennet, und Hülffe suchet, deme wird auch nach seinem Glau­ben geholffen, das Hertz durch seine Liebe gereini- get,das Gewissen gestillet, der Zorn inSanfft- wuth verwandelt, Haß und Md in Liebe, Unger );( dult