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desselben, oder, wo noch etwas wahr ist, ein blosser Buchstaben zu ihrer und aller derer die ihnen gehorchen und allein bey den äußerlichen bleiben, Verderben und Verdammnüß, alle wahre Christen und Kinder Gottes aber,so sich auff dasselbige beruffen, haben die Krafft des Göttlichen Aeug- nüsses in ihnen, dergestalt,daß sie mit ihremLeben bezeugen, daß dasjenige so der Vuchstab ausdrucket, oder bezeuget, durch den Geist Gottes in ihren Hertzm geschrieben stehet,und dieses ist die einige rechte Auslegung und Erklärung der heiligen Schrifft und Göttlichen Zeugnüssen, nemlich das Thun, was es fordert, welches GOtt durch den Glauben an Christum würcket, in einem mehr, im andern weniger, nach seinem Wohlgefallen, daran ist es alles gelegen, mit allen andern Auslegungen und Erklärungen, wie schön sie auch von Worten seyn mögen, ist es gar umbsonst; dann was hilfft michs, daß geschrieben stehet, selig sind die Armen im Geist, ich aber weiß von dieser Seligkeit nichts, ja vermeyne,ich bin in meiner Religion, es sey Cal- vinisch, Lutherisch, Päbstisch, oder anderer Mey- nung, gar selig, und darff weiters nichts; Was hisst michs, daß geschrieben stehet: Selig sind .die da Leyde tragen, nemlich über ihre Sünde, so sich stets gegen ihre Seele setzet und aufflehnet,und an der Göttlichen Gnade und Liebe so viel an ihr ist, auffhält und hindert, was nutzet mirs, so ich dasselbe nicht in mir habe und finde, dann so ich von keinem Schaden weiß, was Hab ich des Artz- tes vonnöthen, erkenne ich meinen Feind nicht, so suche ich auch keine Hülffe; seynd die Sanfft- müthigen, Demükhigen und Gedultigen selig, was hilfft es mich, so ich es nicht bin; seynd die reines Hertzens sind, selig, die hungert und durstet nach der wahren Gerechtigkeit, einer solchen Ge- rechtigkeit, daß sie keinem Nebel widerstreben, auch ihre Feinde lieben, segnen, die ihnen fluchen, und bitten für die, so sse bckeydi'gen, nach dem Leben und Wandel ihres Heylandes,was hilfft es mich, daß es geschrieben stehet, mein Hertz aber stecket voller Unreinigkeit, und dieser Hunger und Durst ist nicht in mir, was hilfft cs mich, daß geschrieben stehet : Selig sind die Friedfertigen und Barmhertzigen, und ich bin es nicht, seynd die selig, so umb Christi der Wahrheit und Gerechtigkeit willen, Verfolgung leyden, und von allen Menschen unschuldiger Weiß verhönet, verlachet und verspottet werden, auch allerley übele Nachrede leyden, was hilfft es mich, daß geschrieben stehet, ich aber weiß von dieser Wahrheit und Gerechtigkeit nichts, begehre auch solcher nicht, noch vielweniger darum zu leyden. Ja ich verketzere und verfolge Die, so solche haben, und in dersel- bigen, ohne äußerlichen Gottesdienst, begehren zu verharren, und solches umb meiner äußerlichen Kirchen-Zeremonien und Gottesdiensts willen, weilen sie solches als unnütz verachten, ja vermey- ne, GOtt einen Wohlgefallen und Dienst daran zu thun, wie bestehe ich aber mit der Wahrheit, und was hilfft es mich daß ich mich des Göttlichen Zengnüß viel rühme, davon predige, singe und sage, und schnurstracks darwider thue, wie alle 5eÄen und Maul-Christen; Wird es nicht mein Richter seyn, und mich an jenem Tag überzeugen und richten? Und wäre besser gewesen, ich hätte es nie gewust oder erkannt, als muth- willig darwider gestrebet und gethan, darumb wird es auch den Türcken und Tartarn, die dieses Zeugnüß nicht haben, am Jüngsten Gericht kläglicher ergehen, als diesen Maul-Christen und bösen Geschlecht. Wann ihr nun dem Zeugnüß der Wahrheit glaubet, nemlich was die Propheten und Apostel durch den Geist Gottes geredet und gezeuget,sonderlich aber dem Zeugnüß des Sohns GOttes, durch die Evangelisten beschrieben, so werdet ihr es also befinden; Unter an
dern nehmet nur vor euch die z.Capittel Matthd, als das f.6.und 7 . da werdet ihr eine schöne Predigt hören, von Christo selbsten, daraus könnt ihr den Unterscheid lernen erkennen, des Lichts und Finsternüß, der Wahrheit und Lügen, des Bösen und Guten, der falschen und wahren Christen, ja euch selbst und alle Geister prüffen, ob sie von GOTT sennd, oder nicht, also und dergestalt, daß wo die Krafft desselben Zeugnüß, sich in dem Menschen nach dem Maaß der Gabe Gottes, wie vor gehöret, befindet, auch sich erzeiget und offenbahret, da ist Liecht, Leben, Wahrheit, rechter Glaub, ein wahrer Christ, Kind Gottes, wahrhafftiger und Gott- wohlgefälliger Gottesdienst, ohne höltzerne Kirchen und steinerne Tempel, auch allem äußerlichen Schein und Ceremonien, wie sie auch immer Namen haben mögen, wo aber die Krafft desselben sich nicht findet noch erzeiget in den Menschen, sondern das Widerspiel, da ist nichts als Finsternüß, Lügen, Unglaub, Anti-Chrift, Keliak-Kind, falscher Gottesdienst, mit allen Kirchen und Tempeln, äußerlichem Schein und Ceremonien, alles Predigen und Lehren vom Wort GOttes und Evangelio, uffs schönest und beste, als immer kan und seyn mag, ist nur eine Verkehrung und Untertrettung des Zeugnüß der Wahrheit, wo die Krafft desselben in den Menschen nicht würcklich, thätig und lebendig ist; Wo aber solche ist, da bedarff es keiner äußerlichen Ceremonien, noch weitschweiffi- gen Erklärung und Auslegung, sondern die Krafft und Mit-Beweisung des Lebens, ist die rechte Göttliche Erklärung, und das Thun, was es zeuget und fordert, ist die wahrhafftige Auslegung, so betrachtet nun dasselbige Zeugnüß, und bewahret solches in eurem Hertzen, lasset es euch lieber seyn dann alle Schätze, Ehr und Reich- thüme dieser Welt, so werdet ihr nicht von Menschen, sondern von GOTT gelehret, der wahr- hafftigen Erklärung und Auslegung auch fähig und theilhafftig, und mithin auff den wahren Felßen erbauet werden, und die Krafft desselben in euch befinden , und werdet durch Christum in GOTT seyn, und GOTT in euch, und GOTT recht dienen, nach seinem Willen, im Geist und Wahrheit, und das Ende eures Glaubens der Seelen Seligkeit darvon bringen. Ist euch nun euer Seelen Heyl und ewige Wohlfahrt lieb, wie ich nicht zweiffele, so werdet ihr dieser Lehr folgen, und meinen Rath nicht verachten; Habt ihr aber dieses Leben lieber, als das Ewige, die Welt, als GOTT, die Finsternüß, als das Liecht, so wird euch mein Rath nicht helffen, noch diese Lehr nutzen, welches ich aber nicht hoffe, sondern vertraue meinen GOTT und Heyland, der sein Leben auch euernthalben gelassen, Er wird umb seiner Liebe willen die Ohren und den Verstand eures Her- tzens öffnen, auff daß ihr seine Stimme höret und bewahret, und ihme als dem Ertz-Hirten eurer Seelen gehorchet und folget, und also durch ihn in immerwährender Tödtung des alten Adams, oder euerer Lüsten und Begierden, und Lebendig- machung des Neuen Menschenö, nach seinem Bilde, in wahrhafftiger Gerechtigkeit und Heiligkeit, zum Vatter in das ewige Leben eingehet, da Freude die Fülle und liebliches Wesen zur Rechten GOttes seyn wird, immer und ewiglich!
Dieses habe ich euch aus guter Meynung schreiben wollen, gefallt es euch, so lasset es mich durch eine kleine Antwort wissen, kan ich euch ferner, durch die Genade, so mir gegeben, einigen Trost miltheilen, und rum Guten anweisen, will ichs hertzlich gerne thun, unterdessen von mir Frcundl. gegrüssenund uns alle der nnergründlichm Liebe des Vatters und Christi IEsu seines Sohns unsers Hrylandes gantz treulich befehlend, welcher sey Ehr, Ruhm und Preiß in Ewigkeit, Amen.