II
keines andern Menschen Freund seyn. Wer einen wahren Freund finde, könne ihn in Ehren halten, denn er sey eine Gabe Gottes vor die, so es rverth sind, und werde selten unter denen Menschen angetroffen.
Armen und Nothleidenden theilte Sie von reinem Hertzen aus Schuldigkeit mit, was Sie vor gut fand/ mit dem weisen Unterscheid/ daß Sie allzeit nach der Ursache ihrer Armuth und dem Besten dererselben weniger oder mehr gäbe. Am allerwenigsten konnte Sie heuchlerische heilige Faullenzer vertragen/ welche vieles vom Guten schwatzen, aber nicht thun, und dabey vom Glauben und anderer Beutel leben wollen, denen Sie dann statt Geldes mehrentheils mit einer guten Lection andiente.
Sie war liebreich und danckbar gegen jedermann, auch vor die geringste Dienste und Wohlthatcn; wie Sie allen Menschen gern von freyen Stücken Liebe erwiese, so liesse Sie auch nichts unvergolten, und nahm sehr wohl in Acht, niemanden nichts schuldig oder nur im mindesten beschwerlich zu seyn.
Sie eilete solchergestalt in allem, was Sie machte, zur Christlichen Freyheit und Vollkommenheit, und war mit GOtt und Sich selbsten völlig vergnügt in der Enthaltung von allem dem, was nur von weitem Ihrem Haupt-Endzweck hinderlich fallen konte.
Von allem diesem Guten, was ich bishero erzehlet habe, genösse ich, der Ihr der naheste war, das meiste. So gut ich Sie auch am Anfang gehalten, fände ich Sie doch, je langer wir beysammen waren, immer noch besser. Es war meine sel. Frau mir gar öfters in Ihrer Unschuld und Christlichen Einfalt, welche die höchste Klugheit ist, in Ihrer Aufrichtigkeit, ungefärbter Liebe und Treue, in Ihrer Stille und Gelassenheit/ Sanftmuth, unvergleichlicher Ordnung, unermüdetem Fleiß, Erfahrung und Verstand, die alles wohlgerathen machten, was Sie vornahm, hertzli- cher Hochachtung und Liebe gegen GOtt, Ihre Eltern, Angehörige nnd alle Menschen, zur Lehre und Exempel. Verfiel ich aus Unachtsamkeit und Uebereilung in einige Thorheit, so fände ich bey Ihr eine liebreiche und sanstmüthige Zurechtweisung. Liese mich GOtt zu meinem Besten in Anfechtungen und Proben gerathen, so hatte ich an Ihr einen trefli- chen Rath und kräftigen Beystand, weil Ihr GOtt in dergleichen Roth auch oftmahlen geholfen hatte. Sähe Sie, daß mein Hertz in Beküm, merniß und Aengstm war, wegen derer mir anvertraueten Krancken und
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