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Die Urtheile anderer Leuten von Ihr achtete Sie hoch / wann sie Wahrheit und Liebe in sich hatten/ und wendete selbige zu Ihrer Ver­besserung an; waren sie aber aus unreinen Quellen geflossen/ ertrug Sie solche mit Gedult , und war mit GQtt zufrieden der der alleinige tzens-Kündiger ist, und folglich auch allein das wahre Urtheil sprechen kan.

Alle Beleidigungen ertrug Sie mit Grosmuth, und liesse niemahlen über Ihrem Zorn die Sonne untergehen. Muste Sie zuweilen Ihre untergebene oder auch andere bestrafen, so waren Ihre Reden nicht auf Rache und Ehrsucht gegründet/ nicht Schaden zu thun hervorgebracht/ sondern zu bessern/ nach dem Exempel und Vorschrifft Gottes, dessen Strafen allezeit in der Liebe ihr Fundament haben. Sie lehrete die Nothwendigkeit gutes zu thun und Ordnung zu halten mit Ihrem eigenen Exempel, da Sie alle die Gesetze, so Sie andern gäbe, Selbst aufs ge­naueste hielte, welches eben die beste Krafft derer Gesetzen seyn muß: Sie überzeugete diejenige, so es angienge, in Liebe, welche mehr zwinget als der Zwang, mit tüchtigen Gründen davon, daß Sie es gut mit ihnen meinte, damit sie sterneten in Freyheit und von selbsten recht und wohl zu thun, weil der, so gutes thut, es am allermeisten sich selbsten thut, gleichwie auch der, so übeles begehet, es nicht umsonst thur, sondern vom bösen, je weiter es gehet, immer ein böseres Hertz bekommt, vornehmlich zu seinem eigenen Schaden. Wie Sie sonsten zu seyn gewohnt war, so war Sie auch hier; vieles reden vom guten war Ihr Werck nicht, Sie redete und lehrete aber vielmehr aus dem Hertzen in der That und Wahr­heit in allen dem was Sie vornahm, und man konnte eigentlich an Ihr mercken, daß das Gute Ihr zur Gewohnheit und Natur geworden und Sie gantz durchdrungen habe.

In Erwehlung guter Freunden war Sie sehr vorsichtig ynd vertrauete Sich nicht leicht jemanden den Sie nicht wohl kennte. Sie hielte davor, daß, wenn man wolle geliebet werden, man zuerst lieben müsse. Sie glaubete, gross Vertraulichkeit könne in dieser Welt nicht unter vielen bestehen, gleichwie die wenigste Menschen wahrhaftig gut und wahrer Freundschafft fähig seyen, welche nur bey GOtt zu suchen, der die Hertzen auf das festeste verbinde, und endlich aus denen so vielen zertheilten ein Hertz und eine Seele machen werde. Ohnmöglich ssy es diesemnach einen von GOtt getrenneten vor einen Freund zu halten; denn wer GOtt nicht liebe, Dessen Freund ssy, und Seine Gebote halte, die unsere Seligkeit ssyem liebe sich selbsten nicht vernünftig und christlich, und könne folglich auch

keines