Von Lüsten der Jugend/ wovon nach heutiger verderbten galanten Zucht offters schon die Kinder reden können/ wüste Sie nicht einmahl das geringste, und war diesemnach von Versuchungen zu denenselben völlig

Gleichwie Sie nun überhaupt weder im innern noch auseren aus- schweifete und Gottes und Ihrer Selbst vergaß/ so liebte Sie auch im Essen und Trincken eben diese Ordnung - Wasser war Ihr gewöhnlicher Tranck, und weniges Essen Ihre Speise.

Sie war verschwiegen im anvertraueten und redete überhaupt mcht Diel, wannenhero Sie auch, wann Sie in Gesellschafftcn war, welches wenig geschähe/ von manchen vor gar zu still und melancholisch gehalten wurde: Allein dieses geschähe bey Ihr mit sehr gutem Bedacht/ weilen Sie die Freude dieser Welt vor unsinnig und das Lachen vor toll hielte ; Sie wüste nehmlich/ daß derer Weltmettschen Freude und Lachen sich zuletzt in Traurigkeit und Weinen verkehre/ wann die Welt, die ihr GOtt gewesen, auf den sie sich verlassen/ dahin gehet/ und daß die/ so im Leben den wahren GOtt über alles geliebet, es hier gut/ und dort noch besser haben werden/ wann Er ihnen alle Thränen von ihren Augen wischen und ihr Mund und Zunge voll Lachens und Rühmens werden/ welches Lachen, weil es zuletzt geschehe/ das vernünftigste sey.

Den leiblichen Unterhalt betreffend/ da GOtt Sie mit zeitlichen Güthem gesegnet/ war Sie sowohl nicht übermüthig/ als nuch des künfti­gen halben gantz ohne Sorgen; Sie erkennete die Ungewißheit des Reichthums nur allzuwohl, und wie ein leichtes es GOtt sey/ den Reichen arm.und den Armen reich zu machen; Sie bestrebete Sich nur vor GOtt und Menschen aufrichtig erfunden zu werden, wohl wissende, daß denen, welche nach dem Reiche Gottes und Seiner Gerechtigkeit, als dem einigen Nothwendigen, trachten, alles übrige als eine Zugabe zufallen oder Acci- dentifrt übgeben müsse. Weilen demnach GOtt Selbst vor Sie svrgete, warf Sie alle Ihre Sorgen auf Ihn, als den, der es besser verstehe, dann Sie, und Allein das rechte Vergnügen und Zufriedenheit geben könne, nach dem wir lebendig aus Erfahrung erkannt, daß alle unsere Mühe, Bekümmerniß und Sehnen um und nach Dingen auser Jbm, eine Ge­ringachtung Gottes und thörige Abgötterey sey, die zu nichts diene, als uns des wahren Vergnügens zu berauben, eben in dem wir es darinnen zu sinden vermeinen, wenn wir uns selbst führen und unser Glück hoch bringen wollen.