und unansehnlich scheine, aber immer wichtiger werde, biß es endlich ausgehe in eine unendliche und allen unfern Begriff übersteigende Herrlichkeit. Sie sagte hiebey: Ein Betrüger zu seyn, um zeitliche Vortheile zu erlangen, sey eine schlechte Kunst, ob schon heut zu Tag offters ein Mann, der es darinnen hochgebracht, davor angesehen werde, als habe er den Gipfel aller Klugheit erreichet. Es dürfe solcher nur GOtt und Gewissen auf die Seite setzen, sich um wahre Ehre nicht mehr bekümmern, sein Wort und Eydschwüre nicht halten, und seinen guten natürlichen Verstands den GOtt ihme, um seine Ehre und des Nechsten Nutzen zu befördern, gegeben, zu Gottes Unehre und des Menschen Schaden anwenden; könne er bald in dieser Narrheit vollkommen werden, die ihn zuletzt vor jedermann als einen gottlosen PlagrGeist darstelle, der sich an seinenThaten, wie fein erste auch triebe, wie der Vogel an denen Federn, der Löwe an denen Klauen und der Wolf an denen Zahnen verrathe, und wenn sein GOtt, die thörige Vernunft, nicht mehr helfen wolle, endlich zur Deflation bringe.
Vor grossen Tituln und Bedienungen hatte Sie mit mir einen grosen Abscheu, und erwehlte lieber den Mittlern und niedrigen Stand, um ordentlicher, stiller und naher bey GOtt, dem allein alle Ehre zukommt, und bey sich selbsten zu seyn. Sie misgönnete niemand, der es dem Ansehen nach besser hatte als Sie, sein Glück, sondern war mit dem Ihr von GOtt bestimmten Schicksal völlig zu frieden, weilen Sie wüste, daß in allen Ständen einerley Last und Beschwerlichkeit anzutreffen, und nichts als die Grösse den Unterschied davon ausmache; ingleichem, daß alle Dinge in der Welt, und so ebenfalls unsere Wercke eitel und vergänglich seyen, solche auch nichts gut mache, als der Gehorsam gegen GOtt, und Dessen Gnade, der uns nach unserem Fall in unseren eigenen Wercken müde werden lasse, damit wir unser Nichts schmecken und sehen, und nach etwas besseres greifen mögen. Der Hochmuth befasse daher Ihr Hertz gar nicht, weil Sie wüste, wie leer und finster es bey uns aussehe, wenn GOtt uns auch-nur auf ein kurtzes uns selbsten überlasse, und nicht beständig sein Licht und Gnade auf uns ausgiesse.
Eben also machte Sie es auch in Kleidungen und auserlicher Aufführung; Sie war nicht prächtig, auch nicht niederträchtig, hielte Sich, wie dem Gemüthe, so ebenfalls dem Leibe nach, der an sich selbst von guter Gestalt war, sehr reinlich, daß man auch, ohne Sie sonsten zu kennen, nur dem auseren nach schliessen muste, daß in Ihr ein ordentlicher Haushalterund Regierer wohne.