die unendlich grösser sind/ als alles was man sonst finden kan/ ein solches nicht zugiebt. Stellten sich, wie bey allen von GOrt herab-und in die Finsterniß und das Böse gefallenen Menschen, auch bey Ihr Versuchun­gen ein von dem Feinde unserer Glückseligkeit/ der uns auf allen Tritten und Schritten nachgehet/ bildete er ihr in eiteler Einbildung etwas vor unter dem Schein eines wahren Guthes, das dergleichen nicht war; hatte Sie sogleich in Ihrem Hertzen bey GOtt Rath und Hülfe davor/ und fiele dergleichen von aussen angeworfener Koth alsobald wieder hinweg, und das gantz leicht und geschwind, weilen Sie auf Ihr Hertz und wahres Beste sorgfältige Achtung gab, und GOtt allein anbetcte, der, wie Er Sie schon hier seiner Seligkeit theilhaftig machte, Selbige auch, nach bald und früh, zeitig vollbrachtem Lauf, unter die Zahl derer seligen Geistern versetzete.

Sie hatte Sich zwar Anfangs entschlossen nicht in den Ehestand zu tretten, auch in solcher Absicht offtmahlige Anwerbungen fruchtlos seyn lassen: Endlich aber geschähe es dennoch, daß Sie, nach dem von Ihren Vorgesetzten an mich und Sie geschehenen Vorschlag, dazu schlüßig wurde, und ich, der sonsten ebenmäßige Gedancken gehabt hatte, auch dazu mein Wort gäbe, folglich die nächste Nachbarin und Nachbar einander heyra- theten. Es ergaben sich zwar 2. Jahre lang, ehe die Heyrath zur Voll­ziehung kam, allerley Schwierigkeiten und Hindernisse, welche, ohncrach- tet wir beyde einander indessen nicht ein einigesmahl gesprochen, oder sonsten thaten, als ob wir zusammen gehörten, sondern immittelst alles der Dire­ktion Gottes in der Freyheit überlieffen, Sie willig ertrug, und, wie ich hernach vernommen, öffters gegen Ihre Freundinnen äuserte: Wenn Sie mich nicht zum Manne bekäme, würde Sie gar nicht Heyrathen; wie denn solches auch der Vorsatz auf meiner Seite gewesen. Gleichwie aber in allen Dingen wahr ist, daß, was GOtt zusammengefüget hat, kein Mensch scheiden könne; so gienge es auch hier, und es erfolgte am yten Junii 1741» unsere Heyrath, in Ihrem 26ten und meinem z 6ten Jahre.

Was vor Vergnügen und Segen ich in dieser wohlgerathenen, aber sehr kurtzen Ehe genossen, kan ich nicht aussprechen. Betrachte ich meiner ftl. Frauen edlen Gemüthszustand, so fände nichts als hertzliche Liebe, Freund­lichkeit, Gutthatückeit, Gefälligkeit, Treue, Geringachtung Ihrer Selbst, Verachtung der Welt und ihrer Lüsten, und eine ungefärbte Liebe gegen GOtt und den Nechsten. Sehe ich auf Ihre Ordnung, welche Sie im Hauswesen und Regierung Ihres Hausgesindes hielte; war solche unver­besserlich. Kurtz zu sagen: Wir hatten eine recht glückselige Verbindung getroffen, welche in einer wahren Harmonie derer Gemüther bestund, und

in