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jHfrf ^Dkdere" die SübalKrnka^riere, etwas

an. D^er. Schreiber beginnt mik' Austritt »aus der Schule unh verdat dann sofort 10 bis 12 Silber­groschen täglich und kann es bei einiger Fertigkeit leicht «vf 240 Thaler und mehr jährlich bringen. Diese Scribentefl'^zählen allerdings noch nicht zu den eigent- LfchM '^tÜLlternen, aus jenen entwickeln diese sich. .'Der'eigentliche Subalterndienst beginnt mit dem Appli- ' kanten (was hier eigentlich applicirt wird, das ist nicht bekannt). Dieser arbeitet anfangs gratis, aber nur kurze Zeit. Als Diätar Arhält er bereits 20 Sgr., Gehüsten erhalten bis zu 350 und Aktuare bis zu 500 Thaler. Dann aber beginnt die höhere Carriere. Sekretäre be­ginnen, wie die Amtsrichter, mit 600 Thaler und steigen biA 3 " 1000 Thlr. (Richter bis zu 1100 Thlr.) Daß daourch, daß die Subalternen schon frühzeitig Ge­halt beziehen, manche eine außerordentlich hohe Meinung von der Wichtigkeit ihrer Person bekommen, ist ziemlich natürlich. Freilich gehört es mit zu den Funktionen der Herren Sekretäre und Obersekretäre (nach ihrer Auffas­sung wenigstens, die übrigens hier wohl einiges Wahre hat) die ihnen Vorgesetzten,unabhängigen- Richter zu kontroliren und zu beaufsichtigen! Hinc illae!

* Wiesbaden, 26. April. In der Sitzung des norddeutschen Reichstages vom 22. d. Mts. hat Graf Bismarck, wie schon gemeldet, die Vorlage von Blau- büchern abgelehnt. DieVossische Zeitung- bemerkt zu den betreffenden Ausführungen des Bundeskanzlers sehr richtig Folgendes:Wenn Gras Bismark Frankreich im Auge hatte, als er den Werth der Blaubücher herab­setzte, so wird ihm Jeder, dem am Scheine nichts liegt, aus voller Seele beistimmen, und wenn er behauptet, seine Publikationen würden nie größere Bedeutung haben, als die französischer Minister, so wagen wir, so lange Preußen und der norddeutsche Bund vom echten Consti- tutionalismus so weit entfernt sind, wie Frankreich unter Napoleon III., ihm durchaus nicht zu widersprechen. In England aber, wo die parlamentarische Regierung zu Hause ist und der Minister Auskunft geben muß, wenn das Parlament Auskunft haben will, hat sich die Einrichtung des Blaubuches gerade in den Fällen, die Graf Bismarck tadelt, sogar für ganz Europa nutzbrin­gend erwiesen. Und selbst in absolutistischen Staaten ist es nicht immer möglich, ungestraft Hocus pocus zu ma­chen, da es dem Rothbuch schon passirt ist, daß es vom Grünbuch der Fälschung überführt worden. Wenn die Zusammenstellung der eigenen Regierung gar zu viel Unschuld herauskehrt, bringt die fremde gar manche Schuld ans Tageslicht. Ohne wirkliche Abhängigkeit des Ministers vom Parlament ist, was Twesten will, doch wenig mehr wie Spiegelfechterei."

* Wiesbaden, 26. April. DerStaats-Anzeiger" ent­hält eine allgemeine Versügnng, betreffend die Berechtigung der Aerzte zum Selbstdispensiren homöopathischer Arzneien.

* Wiesbaden, 26. April. Aus Berlin, 24. April, wird gemeldet: Der König nimmt sicherem Ver­nehmen zufolge nach Anfang Juli einen mehrwöchent­lichen Aufenthalt in Bad-Ems.

+ Wiesbaden, 25. April. Oberreg.-Rath Wilhelmy, Generalkommissär zur Regulirung der Grundsteuer, ist heute hier eingetroffen. Ob es sich um Uniformirung der Grund­steuer der früheren nasfauischen mit der altpreußischen, oder etwa um Meliorisirung derselben handelt, wird abzu­warten sein.

Von der Fulda, 21. April, erhält dieA. A. Z." folgende bemerkenswerthe Correspondenz, deren Anwen­dung auf unsere speziellen Verhältnisse nur die Aende- rung weniger Worten erheischte: Die jüngste Rede des Grafen Bismarck in dem Reichstage kommt unfern Na­tionalliberalen höchst ungelegen. Den Oppositionsmän­nern ist diese Rede klares Wasser auf ihre Mühle, und was können ihre Wortführer auch zu der Stelle sagen: Ich glaube man soll sich in den germanischen Staaten nicht fragen, wenn man es der Bevölkerung recht mci' chen will: was kann gemeinsam sein, wie weit kann der große Mund des Gemeinwesens hineinbeißeu in den l?

lut gemeinsein? und dasjenige was nicht gemeinsam zu sein braucht, das soll man der speziellen Entwickelung überlaMI" Was Gras Bismarck hier unumwunden ausgesprochen, war und ist seit 1866 auch der Grund­gedanke unserer als partikularistisch, oder muckerisch, oder gar als ultramontan verschrienen Opposition. Wir meinen hier nicht allein die oppositionelle Presse, sondern auch den größten Theil der hessischen Bevölkerung, die in säst allen Neuerungen, welche über das Land gekom­men sind, keine absolute Nothwendigkeit erblickte. Nur der Nationalliberalismus glorifizirte alle diese Neuerun- gen; er fragte weder: was kann gemeinsam sein? noch!: was muß absolut gemeinsam sein? sondern er sagte ein­fach: alles muß gemeinsam sein! Er fügte sich gedul­dig in alle Dekreturen von oben. Ruhig nahm er die Beseitigung unserer Prozeßordnung und Gerichtsverfas­sung hin. Er hatte kaum ein Wort des Mitteids als z. B. unsere hessischen Aktuare, gelehrte Juristen, zu preu­ßischen Amtssekretären, und noch vazu mit Schädigung ihrer Gehaltöbezüge, degradirt wurden. Beinahe hatte er auch die gänzliche Beseitigung unserer segensreich wir­kenden Landeskreditkaffe und die Unterbringung des hes­sischen Staatsschatzes auf dem nicht mehr ungewöhnlichen Wege der Annexion für eine absolute Nothwendigkeit gehalten.Was muß absolut gemeinsam sein?" Die Frage existirte nur für unsere Opposition, und daß sie der Herr und Meister der Nationall'beralen, Graf Bis­marck, selbst als gerechtfertigt anerkennt, bas ijt ein Wunder, welches die liberalen Elemente unserer Bevöl­kerung in Erstaunen setzt, während die Nalionalliberalen dazu bedenklich den Kops schütteln. Man verzeiht dieser Partei bekanntlich alles, weil sie sich alle gehler und Thorheiten, die sie begeht, selbst vergibt; aber man setzt auch nicht die geringste Hoffnung mehr in ihre That- kraft und Einsicht, nicht einmal die, daß sie sich von dem Fluche der hohen Meinung, womit sie sich selbst be­trügt, erlösen läßt. Wenn selbst die gebornen und ge­drillten Preußen, mit Herrn v. Bismarck an der Spitze, sich der Erkenntniß nicht verschließen, daß Preußen auch von den kleineren Staaten etwas lernen kann die Nationalliberalen werden fest an ihrem Zopf hallen: baß alle und jede Eigenthümlichkeit in der absoluten Ge­meinsamkeit des Boruffenthums aufgehen muß. Der große Mund des Gemeinwesens, wie sie es sich denken, beißt nicht nur in jeden hingehaltenen Apfel, er schreckt auch vor keiner andern Lockspeise zurück, wenn sie eben nur preußisch ist.

Berlin, 24. April. Die Mitglieder des interna­tionalen Congresses zur Pflege der..im Felde ver­wundeten und erkrankten Krieger begaben sich heule nach der Sitzung in offenen Chaisen nach dem königl. Charite- Krankenhaus, dessen Einrichtungen unter Führung der Direktoren der Anstalt, Geh. Räthe Dr. Horn unv Dr Esse, sowie Des Pros. v. Bardentrben in Augenschein ge nommen wurden. Besonderes Interesse gewährten die Baracken in den Gärten. Später b.sichtigten die Dele- girten das im Entstehen begriffene Krankenhaus des Frauenvereins unter Protektorat Ihrer Maj. der Koni gin und wohnten einer Uebung einer Krankenträger-Evm pagnie bei. Es waren dabei allerlei Verwundungen fin- girt und durch Zettel an den einzelnen Soldaten gekenn­zeichnet, die prompte Ausführung der Hülfeleistungen und der Transporte durch die Krankenträger erfreuten sich allgemeiner Anerkennung.

Der Bürger- und Bauernfreund" berichtet: An einem der letzten Sonntage hatte Konsistoriakrath Hein rici mehrere Kinder in der Kirche zu taufen. Ein Theil wurde auf einmal vorgetragen, einige blieben zu­rück. Was hatte das zu bedeuten? Als zum Schluß diese Zurückgebliebenen herausgetragen wurden, ging uns ein Licht auf. Aus dem, was über die Mutter gesagt wurde, aus der Vermahnung zum Kinde:es möchte nicht so werden, wie seine Eltern", ging es hervor eS waren uneheliche Kinder!

Berlin, 26. April. In Bezug auf die Gotthard- bahn zeigt sich die Stimmung unserer Finauzkreise durch s Qünfita. D^ eidae nöffif die Bundesrath will gleick

nach dem 1. Mai der Angelegenheit näher treten und gedenkt dann die Regierungen von Preußen, Baden und Italien zu einer Conferenz einzuladen.

In diesen Tagen war in Insterburg die Kreis­kommission für Bewilligung von Staatsunterstützung unter Vorsitz des Landrath Dodillet zusammengetre­ten, wegen Prolongation derselben auf ein weiteres Jahr, da noch immer Noth vorhanden. Alle Darlehne wur­den einstimmig prolongirt, nur gegen Prolongation eines Darlehens für den Gutsbesitzer Maul in Sprindt legte der Herr Landrath, soviel uns bekannt ohne irgend welche Begründung, sein Veto (Nein) ein, sich auf eine spätere Auslegung der Instruktion vom 8. März 1868 von Seiten des Ministeriums stützend, die nie dem Ab­geordnetenhause zur Genehmigung Vorgelegen, also auch keine Gesetzeskraft hat. Natürlich haben die übrigen Kommiffionsmitglieder dagegen Protest eingelegt. Das ist wieder einmal eine Dodillet-Geschichte, die am besten ohne alle Bemerkungen in die Welt geschickt wird. So berichtet derBürger- und Bauernfreund". Eine Bemerkung wollen wir uns unsererseits, so bemerkt die B. Volksztg." doch gestatten, die nämlich, daß Herr Gutsbesitzer Maul einer derjenigen ostpreußischen Demo­traten ist, welche zur Zeit des Nothstandes mir größter Aufopferung zur Linderung der Noth thätig waren. Wir glauben, daß Herr Maul in dieser Beziehung mehr ge­leistet hat, als mancher Landrath.

Prinz Handjery, der Walachenfürst, ist mit großer Majorität zum Vertreter des preuß. Volkes Teltow-Beeskowi- scher Nation im Norddeutschen Reichstage erwählt worden. Herr Kiepert, der liberale Gegencandidat, hatte nach den letz­ten Nachrichten nur 3000, Herr Handjery 7000 Stimmen.

Berlin, 23. April. Die Einladungen zu Graf Bismarck's Sonnabend-Soireen, deren erste morgen sein wird, sind gestern an die Abgeordneten be­stellt worden: Graf Bismarck würde dem Mitgliede des Reichstags, Herrn N. N., sehr dankbar sein, wenn er ihm die Ehre erwiese, ihn Sonnabend den 24. d. M. und jeden Sonnabend, so lange der Reichstag dauert, zu besuchen. Die Social-Demokraten sollen bereits ent­schlossen sein, um nicht unhöflich zu erscheinen, einmal hinzugehen; dasselbe wird wohl auch von den Mitglie­dern der Fortschritts-Partei und des linken Centrums geschehen.

München, 24. April. Das heute erlassene königl. Rescript, durch welches die Wahl der Wahlmänuer aus den 13. Mai und die der Abgeordneten auf den 20. Mai d. I. angeordnet wird, schließt mit den Worten: Wir erwarten hierbei von allen Behörden gewissenhafte Erfüllung ihrer beschworenen Pflichten. Leitung der Wahlverhandlungen mit rücksichtsloser Unbefangenheit, Be­schirmung der Freiheit der Wahlstimmen vor Einschüchterung oder Bestechung und pflichtmäßige Enthaltung von jeder Be­schränkung der Wahlfreiheit."

Stuttgart, 23. April. Der Bischof von Rottenburg ist schwer erkrankt. Laut dem ,D. Volksbl." haben der König und die Königin sich nach dem Befinden des Kran­ken erkundigen, und demselben ihre wärmste Theilnahme ver­melden lassen. Auch der Cultusminister v. Golther erkundigte sich durch eigenhändiges Schreiben an den Generalvicar über das Befinden des Bischofs. Das zweite der von derA. A. Z." veröffentlichten Aktenstücke zur Denunziations- Angelegenheit ist das vom 4. Febr. 1869 datirte päpst­liche Breve an den Bischof. Dasselbe beruft sich auf ein früheres Breve vom 22. und 30. Juni 1857, in welchem dem Angeklagten bereits die Sorge für die Bildung und Disciplin des Klerus eingeschärft worden. Zu seiner größten Betrüb- niß aber hat der Papst vernommen,daß in den geistlichen Convicten der Diöcese ein größerer Eifer völlig vermißt wird in allen jenen Punkten, welche die Uebung und Pflege der Religion und Frömmigkeit betr., und daß im Tübinger Con- vict viele Uebelstände in der Lebensweise der Zöglinge, wie sie Klerikern durchaus nicht geziemen, überhand genommen haben." Es folgen die schon vom Nuntius ausgesprochenen Anklagen gegen Ruckgaber, dessen sofortige Ersetzung durch