sich nicht um MinisterVerantwortlichkeit so in Aufregung zu setzen, wie ehemals um das Beto. Sie müssen ihrerseits beitragen zum Gelingen der friedlichen Revolution. Sie müssen nicht glauben, daß sie jetzt die Macht in Händen haben. Wenn sie den Streit aus die Spitze trieben, so würden sie gewahr werden, daß das ein Irr- thum ist. Wir können ihnen nur rathen, die kaiserlichen Zugeständnisse so bereitwillig anzunehmen, wie sie gegeben sind. Sie bieten jedenfalls weit mehr, als die Franzo sen noch vor wenigen Monaten irgend zu hoffen wagten."
Es kommt aber Alles daraus an, was man unter Freiheit versteht, und welches Maß derselben man verlangt. Des Contrastes Halver wollen wir dieser süffisanten Beurtheilung eines halbliberalen Blattes einige Bemerkungen folgen lassen, die die ächt demokratische „Frkf. Zeitung" unter Allegirung französischer OppositionS- blätter zu dieser neuesten „Revolution" in Schlasroct und Pantoffeln macht.
Was die Tragweite der in dem Senatsconsult zugestandenen Reformen anlangt, sagt das Blatt, so entspricht ditselbe vollständig dem Inhalte der kaiserlichen Botschaft vom 12. Juli und unseren desfallsigen Erwartungen: möglichst geringe Eoncessionen in der pomphaftesten und blendendsten Form. „Es war der Mühe werth, uns darauf drei Wochen warten zu lassen" meint der „Avenir national". Ein endgültiges Urtheil wird sich indeß erst dann abgeben lassen, wenn auch die Motive zu diesem gesetzgeberischen Opus vorliegen und diese sind wohl nicht vor morgen zu erwarten, da gestern Bormittag an denselben noch corrigirt worden ist. Auch die Pariser Blätter reserviren sich das Aussprechen ihrer Ansicht bis zu dem Zeitpunkte, wo ausführlichere Darlegungen der Regierung ihnen gestatten werden, die Absichten derselben genauer zu erkennen. Einige schreiende Widersprüche aber fallen sofort Jedem in die Augen, der den Entwurf auch nur flüchtig ansieht und sie werden vom „Avenir national" in sehr richtiger Weise angedeutet. „Welche Tragweite besitzen die Reformen?" heißt es in dem genannten Blatte. Wir haben unsere Ansicht über diesen Punkt schon im Voraus ausgedrückt. Was sollen das für verantwortliche Minister sein, die nur von dem Kaiser abhängen und nur von dem Senat in Anklagezustand versetzt werden können? Was ist das für ein InterpellationSrecht, welches jedem Deputirten zusteht und was die Zurückweisung an die Bureaux, die von der Regierung verlangt werden kann? Wir können es nicht sagen, ehe wir die Erklärung dieser unklaren Redaction in tem Expose der Motive gelesen haben, das uns noch nicht zugegangen ist. Wir sehen die Initiative der Gesetze dem Gesetzgebenden Körper zugestanden, aber zu gleicher Zeit ist dem Senate ein Beto gegeben, der nach Willkür der Executivgewalt rrkrutirt wird und alle Neuerungen der Wahlkammer zu Nichte machen kann. Der Artikel über die Beziehungen des Kaisers, der Kammer und des Staatsrathes, die durch Gesetz geregelt werden sollen, ist uns, wie wir offen gestehen, unverständlich!" Schärfer setzt der „Rappel", noch ehe er den Wortlaut des Senatsconsultes kannte, das unwürdige Spiel auseinander, was mit dem Worte „Ministerverantwortlichkeit" getrieben wird.
Wiesbaden, 4. August. Nachdem die Entlassung
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und Militär, man sagt wegen Mädchen, in Streit. Dieser artete in eine Schlägerei aus und es soll das Militär bei derselben seine Seitengewehre benutzt haben. 'Ein hiesiger Metzgermeister, Bater mehrerer Kinder, hat wenigstens einige längliche Wunden mitten auf dem Kopfe, welche nur von Säbelhieben herrühren können, davongetragen und ist an denselben gestern Abend gestorben.
Hamburg, 30. Juli. Eine Hamburgische Iugendwehr wird in den ersten Tagen des nächsten Monats von den Herren Weinstrauch und Meerwein errichtet werden; den bereits vorliegenden Statuten zufolge sollen die jungen Leute bis zum 14. Lebensjahre nur körperliche Ausbildung erhalten und mit dcm Beginn des 15. Jahres auch in den Waffen geübt werden. Die Einlretenden haben sich mit Uniform und den Ausrüstungsgegenständen zu versehen. Eintheilung und Disciplin der Iugendwehr sind militärisch.
Berlin. Nach amtl. Mittheilungen aus O st p r e u ß e n haben im vergangenen Jahre im Kreise Stallupönen 90 Brandstiftungen und im Kreise Pillkallen 132 stattgefunben. Dabei sind alle die Brände nicht mitge- rechnet, bei denen eine Brandstiftung nicht nachzuweisen ist, die also offiziell als Unglückssälle gelten.
— Der Entwurf der ersten drei Bücher einer Prozeßordnung in bürgerlichen Rechtsstreitigkeiten für den Norddeutschen Bund wird in den nächsten Tagen im Decker'scheu Verlage Hierselbst erscheinen.
— Der Maurer Strike scheint zu Ende zu gehen. Bereits arbeiten wieder über 2000 Gesellen, also über ein Drittel; und um auch die Uebrigen baldigst der gewohnten Beschäftigung zurückzugeben, hat das Comite beschlossen, auf die Unterschrift der Meister unter den neuen Lohntarif zu verzichten, sofern sich letztere auf irgend eine andere Weise verpflichten, den Tagelohn von 1 Thlr. zu zahlen. Die Facadenputzer (Tüncher) machten sich am Freitag Abend über die von ihnen künftig zu fordernden Lohnsätze schlüssig; sie fordern eine Ausbesserung des Accordlohnes um 20—25 pCt.
Stuttgart, 1. August. Wie das „D. Volksblatt" sich vom Neckar schreiben läßt, hat der apostolische Nuntius in München Herrn Professor v. Hefele (den neuerwählten Bischof von Rottenburg) benachrichtigt, daß er mit der Vornahme des Informativprocesses beauftragt worden, die Herren P. Pius Gams und Professor Thalhofer zu Zeugen bestellt habe und nun den Herrn Electus ersuche, zu Ablegung der profe83io fidei nach München zu kommen. Herr v. Hefele wird wohl gegen Ende nächster Woche dorthin abreisen.
Österreichischer Kaiserstaat.
Wien, 2. Aug. Oesterreich Ungarn ist in Gefahr, keinen Kriegs min ist er mehr zu bekommen. Feld- marschall-Lieutenanc Kuhn droht abermals mit seinem Rücktritt und die inspirirte „Wehrzeitung" erklärt, daß dem KUegsminister, «falls der bei dem Erforderniß für die Truppen beantragte Abstrich im Plenum der Delegationen genehmigt werden sollte, nichts Anderes übrig bleiben würde, als sein Portefeuille niederzulegen", und drohend fügt der kriegsministerielle Moniteur hinzu: „Wir glauben nicht, daß in diesem Falle ein General sich finden dürfte, der den Muth hätte, das erledigte Portefeuille gegenüber einer Volksvertretung zu übernehmen, welche alljährlich den festen Bestand der auf das Wehrgesetz basirten Heeresoi ganisation in Frage zu fiel-