di ge aber um 50% besser, wie die hiesigen Dienst­männer in Altpreußen sind ganz andere, recht aus­giebige Sätze.

Daß der Herr Finanzminister und der Herr Erb­schaftsfiskal in Cassel unter Aufstellung einer ganz neuen, für nns geradezu unfaßlichen Theorie über die juristische Natur des sog. Leibzuchtsrechtes uns mit der Eigenthümlichkeit einer neuen Erbschaftssteuer (gefolgt von der großen Belästigung der Vermögensauf- nahme) beglücken wollten, ist noch in frischer Erinnerung.

Das Strafgeld für Schulversäumnisse betrug früher resp. 2, 4 und 6 kr.; durch ganz neuer­liche Berfügung verwandelt die Königl. Regierung diese Sätze in 1, 2 und 3 Silbergroschen, erhöht sie also fast auf das Doppelte. So geht's im Kleinen wie im Großen.

Wir müssen wegen vorgerückter Zeck schließen, wenn­gleich der Borrath noch nicht zu Ende ist; Einzelnes kön­nen wir ja noch separat Nachträgen.

Fasse der geneigte Leser nur alles Obige zusammen es wird genügen und lege er sich die Frage vor, ob wir Recht oder Unrecht haben mit dem Eingangs aufgestellten Satze, daß Nassau seinem finanziel­len Ruin entgegen geht, daß es bei Fortdauer der Ursachen und wirkenden Thatsachen vordem ein blühen­des und reiches Ländchen bald einem ausgedrückten Schwamme gleicht und gar ostpreußischen Zuständen ent­gegengeht ! _

C. Wiesbaden, 5. Aug. Nächsten Sonntag findet im Gasthof zumSchützenhof" in Soden eine Versamm- lung von Mitgliedern und Freunden der Fortschritts- Partei statt.

Frankfurt, 3. Aug. Am 19. d. steht der Preß- proceß gegen dieFrankfurter Zeitung" zur Berhand- lung an wegen des ArtikelsGruß über die Eider".

** AerUn, August. DieProvinzial-Corresp." sagt: Gegenüber dem anscheinenden Versuche des Grafen Beust, eine angebliche Mittheilung Preußens an Sachsen zu kritisiren (Depesche vom 8. Juli an den sächsischen Minister v. Friesen im österreichischen Rothbuche) fand sich die preußische Regierung zu der Andeutung bewogen, daß sie die Berechtigung einer solchen Kritik aus allge­mein national-politischen Gründen abweisen müsse, indem diesseitige Mittheilungen an deutsche Regierungen sich je­der Controle auswärtiger Regierungen entziehen und in noch höherem Grade solche Mittheilungen, welche nach Dresden gerichtet seien, vermöge der Solidarität der nord­deutschen Bundesdiplomatie.

** Berlin, 4. August. DieNordd. Allg. Zeitung" schreibt anscheinend offiziös: Das Projekt der Disconto- Gesellfchaft zur Emission einer Prämien-Anleihe von 100 Millionen Thaler sei keineswegs dem Abschlüsse nahe, vielmehr schwebten noch Verhandlungen, um eine Grund­lage für die Zulässigkeit des Unternehmens zu gewinnen. Erst nach Feststellung derselben könne die Ertheilung eines Privilegiums in Berathung gezogen werden. Die von einem Berliner Consortium von Bankiers, an dessen Spitze die Handelsgesellschaft steht, ebenfalls nachgesuchte Eon cession zur Emission einer Prämien-Anleihe für Eisen­bahnzwecke, soll zur Zeit zurückgewiesen sein.

Ein Prozeß von politischer Bedeutung soll näch­stens in Scene gehen, der abermals aus den Ansprüchen herrührt, welche der Herzog von Ujest auf besondere standesherrliche Privilegien erhebt. Es ist bekannt, sagt dieZukunft", daß dieser Herzog, der in allen Dingen, wo es Geld verdienen heißt, auf seine Fürstlichkeit so wenig zu geben scheint, bei Ersparung von Ausgaben sich derselben so gern erinnert. Es ist erst kürzlich zur Sprache gekommen, daß derselbe sich der Einkommen­steuer zu entziehen bemüht war, weil er als vormaliger Reichsunmittelbarer auf Steuerfreiheit Anspruch zu ha­ben glaubt. Jetzt handelt es sich darum, ob der Herzog nach der norddeutschen Bundesverfassung die Compe- tenz der Gerichte anerkennen muß.

Bamberg, 3. August. Von hier schreibt man dem Nürnberger Anz.":Die Verhandlung gegen Pfarrer Mahr von Ebermannstadt wegen Berufsehrenkränkung, begangen am Fürsten von Hohenlohe, findet in den nächsten Tagen beim hiesigen königl. Stadtgericht statt. Mahr nannte Hohenlohe einen Landesverräther. Ba­ron Christoph von Guttenberg dahier wurde des Reates der Simonie, die er bei Besetzung der Pfarrei Mem- melsdorf beging, für schuldig erkannt und seines Patro­natsrechtes für verlustig erklärt. Ist aber trotzdem k. Kämmerer geblieben und bezieht als solcher 600 fl. Gehalt."

Heidelberg, 2. Aug. Vorgestern fand in der Ver­sammlung der ordentlichen Professoren die Wahl eines Ab geordneten in die erste Kammer statt. Sicherem Ver­nehmen nach ist Dr. Bluntschli mit 27 von 31 gültigen Stimmen gewählt worden. Staatsminister Iolly hatte eine Wahl schon vorher abgelehnt. Ein unerhörtes Verbrechen ist gestern Abend hier begangen worden. Während sich ein von dem CorpsRhenania" veran­stalteter Fackelzug durch die Straßen bewegte, an welchem sich auch eine Anzahl älterer auswärtiger Mitglieder betheiligte, stürzte sich plötzlich ein Bursche mit gezücktem Messer mitten in den beleuchteten Zug und führte seinen tödtlichen Streich gegen einen Festtheilnehmer einen Offizier H. aus Köln den er in den Hals traf und gefährlich verwundete. Der Verbrecher verschwand sofort spurlos unter der Menge. Ueber das Motiv der That herrscht bis jetzt das vollste Dunkel.

Darmstadt, 3. August. Für den am nächsten Freitag vor dem hiesigen Bezirksstrafgericht zur Verhandlung kommen den Injurien-Preß proceß Metz-Fendt ist man auf außerordentliche Enthüllungen gefaßt. Für die Presfe ist der­selbe von höchster Bedeutung, denn es handelt sich hier im wahren Sinne des Wortes um ihr Freiheit. Es genügt nicht, daß die Presse durch eine liberale Gesetzgebung vor Verfolgungen und Quälereien der Polizei- und Gerichtsbehör­den geschützt ist; der gesetzliche Schutz ist vielmehr ein werth­loser , wenn sie selbst sich nicht frei zu halten weiß von dem unseligen Einflüsse, welchen die blinde Verfolgungswuth und der zügellose Ehrgeiz einzelner Parteiführer aus sie ausüben. Letzteres ist einer der Vorwürfe, die gegen Herrn Metz erho den worden, wenn auch lange nicht der schwerste, für die Presse aber von vorwiegender Bedeutung. In eingeweihten Kreisen werden in dieser Richtung Dinge erzählt, die kaum glaubhaft erscheinen. Besonders gilt dies hinsichtlich des eigenthümlichen Verhältnisses, das zwischen ihm und dem ehe maligen Verleger derHessischen Landeszeitung", C. F. I Leske bestand. Hierüber sollen Aktenstücke, u. A. eine ge­wisse Vorstellung vorliegen, in welcher Leske Metz seinen Peiniger" nennt, der seine hülfloseLage benutzt habe, um ihm gegenüber seine Stellung, alsgeistiger Leiter" des Blat­tes in empörender Weise zu mißbrauchen. Für seine Corre­spondenzen in dasselbe, die gewöhnlich für seine Gegner äußerst verletzend waren, seine eigene liebe Perszp aber in oft schamloser Weise beweihrauchten, habe er sogar von dem damals schon in ziemlich bedrängten Verhältnissen besindlichen Verleger ein hohes Honorar verlangt, et, dergeistige Leiter" für die Mitarbeiterschaft an dem von ihm selbst ge­gründeten eigenen Parteiorgan! Sein journalistisches Selbst­lob sich auch noch bezahlen lassen zu wollen, das ist doch lange nicht dagewesen. Herr Metz habe nach jener Leske'schen Vorstellung überdies sich erlaubt, sogar die Ehre seiner (des L.) Familie anzutasten, und den Versuch gemacht, ihm den Frieden derselben zu rauben. Es wird eine wahrhaft empö­rende Aeußerung erzählt, nach welcher Metz sich zu solchem Treiben sogar für berechtigt gehalten habe. Näheres hier­über, wie auch über andere Dinge werden ohne Zweifel die Verhandlungen bringen, welche einen bei uns fast unerhörten, von Metz selbst aber in unbegreiflicher Verblendung geradezu provocirten Scandal, theilweise aller Voraussicht nach bei verschlossenen Thüren! zu Tage fördern dürf­ten. (Franks. Ztg.)

Oesterreichischer Kaiserstaat.

Wien, 3. August. Einer der geachtetsten Pest her Advokaten, Dr. Környei, Mitglied des deutschen Ju-

ristentagS, hat in dieser seiner Eigenschaft an die Juristen Ungarns einen Aufruf erlassen wegen Betheiligung an dem demnächst in Heidelberg stattfindenden deutschen Ju­ristentage. Sämmtliche Blätter Pesth's, ohne Unterschied der Parteifarbe, haben den Aufruf abgedruckt und der leitende Ausschuß des Pesth-Ofener Advokaten-Vereins beschloß einstimmig, sich aus dem deutschen Juristentage durch eine Deputation vertreten zu lassen. Mit Recht erblickt dieN. Fr. Pr." in dieser der deutschen Wissen- schafl gezollten Anerkennung einen eben so bezeichnenden als erwünschten Umschwung der Meinungen der im Ma­gyarenlande vor sich gegangen.

Hier hat sich vorgestern ein Co mite gebilder, bestehend aus den Herren Professor Eckhardt, Redakteur Ed Hügel, Redakteur Krawani, Dr. Lewinger, Ritter v. Maurer, Joseph Nikola, Prof. Richter, Dr. Schranck, Gemeinderath Simon und Landtags Abgeordneter Steudel. Das Comite beabsichtigt, eine Volksversammlung zu be­rufen, in der die Klo st er fr ag e discutirt und eine Re­solution, betreffend die Aufhebung der Klöster, vorgelegt werden soll. Oesterreich hat, wie Wiener Blätter nach Verzeichnissen, die vom Jahre 1863 datiren, berechnen: 720 Mönchsklöster mit 9660 Mönchen und 298 N o n n e n k l ö st e r mit 5198 Nonnen. Das Klostergut wird auf mehr als 62 Millionen, belastet mit nur 3 Millionen geschätzt. In einzelnen Provinzen hat wäh­rend der Concordatsperiode eine außerordentliche Vermeh­rung stattgefunden; so namentlich in Oberösterreich unter der Aegide des Bischofs Rudigier; die Zahl der geist­lichen Ordenshäuser stieg daselbst von 18 auf 56.

Freiligrath hat, wie dieFranks. Zeitung" meldet, von derNeuen freien Presse" eine sehr dringende Einladung erhalten, nach Wien zu kommen und ist ihm bei dem genannten Blatte eine Stelle angeboten worden. Ich brauche Ihnen nicht zu sagen", fügt der Correspon- dent hinzu,mit welcher außerordentlichen Freude man Ferdinand Freiligrath in Wien aufnehmen würde. Er würde hier den Eentralpunkt unserer literarischen Kreise bilden, in welchen er eine außerordentliche Verehrung ge­nießt."

In Folge der Krakauer Vorkommnisse beabsichtigt Minister Giskra, wie derMähr. Corresp." wissen will, den cisleithanischen Episcopat aufzmordern, unter Zuziehung von Vertretern der weltlichen Behörde eine strenge Visitation der Klöster vorzunehmen. Im Weigerungsfall sei der Minister entschlossen, eine behördliche Visitation eintreten zu lassen. Nach denN. L." finden im Justizministerium Berathungen über eine Gesetzesvorlage statt, durch welche die Klöster der staat­lichen Aussicht unterstellt und im Anschlüsse hieran die Klosterregel mit der in den Staatsgrundgesetzen garan- tirten persönlichen Freiheit des Individuums in Verbin­dung gebracht werden soll.

Aus Krakau wird demTagblatt" telegraphirt: Gerüchtsweise verlautet, die Voruntersuchung gegen mehrere Karmeliterinnen sei abgeschlossen und die Spe­zialuntersuchung gegen die Oberin Frl. Wenzik wegen des Verbrechens der öffentlichen Gewaltthätigkeit solle demnächst eingeleitet werden.

Zara, 1. August. Zwischen den ans Land gestiege­nen Marrosen des Freitag Abends im Hafen von Se- benico eingelaufenen italienischen KriegsdampfersMon- zambano" und der Landbevölkerung fand Samstag Abends ein blutiger Exceß Statt, wobei 17 italienische Matrosen, mehrere von der Bevölkerung und zwei zur Ruhestiftung herbeigeeilte Gendarmen verwundet wurden. Die Untersuchung über den Vorfall und die Veranlassung desselben ist im Zuge. Der KriegsdampserMonzam- bano" verließ heute in frühester Morgenstunde den Hafen von Sebenico.

Ausländische Staaten.

Rumänien. Die telegraphische Meldung von der Reise des Fürsten Karl nach der Krim, um dem Kaiser von Rußland die Aufwartung zu machen, wird der Wie­nerPresse" zwar in einem Briefe aus Bukarest be­stätigt, von dem Berliner Tel. Correspondenzbureau je-