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denn sehr natürlich, daß der einzelne Stand sich Güter, nutzbare Rechte, Privilegien, Machterweiterung einhandelte, z. B. Gerichtsbarkeit, Münzrecht, Judenzoll, Selbstverwaltung, ungestörte Religionsübung und was sonst. Was man sich ausbedang, kam der Corporation zu Gute, welche das Geld hergegeben hatte. Was die Nationalliberalen, damals Fortschrittler genannt, im Landtage der Regierung abprefsen wollten, sollte angeblich „dem Volke" zu Gute kommen. Heute läßt man diese Fiction fallen und gesteht, die Macht des Reichstages erweitern zu wollen. In der Thal handelt es sich auch darum nicht, sondern um die Macht der Gesellschaft von Herren, die, bei einem bestimmten Restaurant soupirend, sich mit Anfertigung von Amendements beschäftigen und für eines, welches gegen den Norddeutschen Bund gerichtet ist, auf eine Majorität von einigen Stimmen zählen können. Bei dem Fractions- wesen giebt es Beschlüsse des Reichstages vir- tueü gar nicht. Die Fraction beschließt für fich und giebt fich das Wort, bei dem Beschlüsse zu bleiben, bombenfest gegen alle Gründe und Thalfachen, die im Reichstage vorgebracht werden könnten — Charakterstärke oder Gefinnungs- tüchtigkeit nennt man das. Die Reichstagsfitzungen könnten füglich gespart und dadurch ersetzt werden, daß das Bureau fich die Beschlüsse der Fractionen kommen läßt, die Addi- tions- und Subtractionsexempel macht und das Resultat verkündet. In England, auf das man fich so gern beruft, halten nur die Irländer Fractionsfitzung und werden in einem Jahre nicht so viel Amendements gemacht, wie hier zuweilen in einer Sitzung.
In den feudalen Zuständen war es ganz natürlich, daß man sich eine Controls über die Verwendung der bewilligten Summen sicherte; denn es war vorgekommen, daß man dieselben Schulden des Landesherrn zweimal zu bezahlen hatte. Spittler giebt im Anhänge zu seiner Geschichte Hannovers eine Reihe amüsanter Ur-
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mitten sie sich, unter Anführung von Kleinstaatlern, in dem feudalen Rechtsstaat fortzuschreiten.
^^^^^^ernünf^etneben?
Die „Kölnische Zeitung" veröffentlicht einige Briefe, welche sehr geeignet sind, das traurige Loos der sogenannten hanuoverscheu Flüchtlinge in ein Helles Licht zu stellen.
Wir theilen von diesem Schreiben zuerst mit das des Herrn Liding de Soubiron, Affocie der Firma Heidsteck u. Co., welches an den Grafen Goltz in Paris gerichtet ist und folgendermaßen lautet:
„Ew. Excellenz werden sicherlich in Kenntniß gesetzt worden sein, daß sich hier in Reims, sowie in der Umgegend eine große Anzahl preußffcher Unterthanen auö der Provinz Hannover aufbält, welche die famose hannoversche Legion bilden. — Das Loos dieser Leute ist beklagenswerth. Größtentheils den niederen und mithin unwisienden Ständen angehörend, ist es ihren früheren Vorgesetzten leicht gewesen, sie durch falsche Versprechungen oder Drohungen von ihren Pachten abzulenken. Einige dieser Leute haben sich an mich als geborener Deutscher sBremens gewandt, um etwas Zulässiges über daS Schicksal, das sie bei ihrer Rückkehr treffen würde, zu erfahren. Das Vertrauen zu ihren Offizieren ist sehr erschüttert, namentlich seit dem letzten Hiersein des Lieutenants v. Harling, welcher am vorigen Montag den Sold ausbezahlt hat, scheint ihr Muth sehr gesunken. Viele kamen zu mir und baten mich in naiver Weise: „Ach, schreiben Sie dock an den König von Preußen, damit wir straffrei zurückkehren können." Ich habe jede Gelegenheit benutzt, den Leuten ihr treuloses Betragen gegen König und Vaterland vorzuhalten, ihnen aber zugleich Muth und Hoffnung auf Sr. Majestät Milde einzusiößen gesucht. — Ich richte nun an Ew. Excellenz die ergebene Anfrage, ob der freien Rückkehr in ihre Heimath der Mannschaften der hannoverschen Legion nichts im Wege steht, und falls dieselben einer Strafe nicht entgehen können, welches Maß dieselbe nicht übersteiaen würde. Sollten, wie ick hoffe, Excellenz mir eine günstige Zusage ertheilen können, so wird ohne Zweifel ein allgemeiner Aufbruch Seitens derer, denen es nicht am nöthigsten Reisegeld gebricht, stattfinden. Ein heutiger Artikel des hiesigen Localblattes, wonach die hannoversche Legion binnen Kurzem nach Afrika dirigirt und in die französische Fremdenlegion eingereiht werden solle, hat namentlich einige Bestürzuvg erregt. Indem ich Ew. Excellenz diese Sache vortrage, glaube ich einem Werke der Humanität zu dienen. Die Leute verkommen hier, und jedes religiöse und sittliche Gefühl verschwindet in ihnen. Was in den Kräften unserer lleinen protestan-
Ueber das Verhalten der englischen Regierung in Folge der am Freitag erfolgten Annahme der ersten Gladstone'schen Resolution, welche die Abschaffung der irischen Staatskirche fordert, erwartet man in der heutigen Sitzung des Unterhauses bestimmte Erklärungen des Hrn. Disraeli. Es würde also ebenso gewagt als müsstg fein sich vorher in ausführlichen Conjecturen darüber zu ergehen. Die „Jnd. belge" will zwar wissen, daß die Erklärung der Regierung dahin lauten werde, sie beabsichtige das Parlament nicht aufzulösen, sondern jenes Votum dem neuen Reform-Parlamente unterzubreiten. Wenn die Opposition in Folge dessen ein Mißtrauensvotum Vorschlägen sollte und daffelbe mit einer geringen Majorität Annahme finden dürfte, wozu allerdings Aussicht vorhanden sei, so würde die Auflösung des Hauses unmittelbar folgen. Ohne auf derartige Combinationen weiter einzugehen, begnügen wir uns zu consta- tiren, daß die liberale Presse sichtlich eine Auflösung des Hauses vermieden wünscht, während die Toryblätter mit jener selben Lebhaftigkeit darauf dringen, mit welcher Lord Derby kürzlich im Oberhause dem Ministerium diese Maß regelempfahl, indem er es dem Ministerium gradezu als Pflichtvergefsenheit auslegte, wenn dasselbe dem gegenwärtigen Andringen der liberalen Partei weichen wollte. Die liberalen Blätter suchen auf der andern Seite Gründe der verschiedensten Art zusammen, um eine sofortige Auflösung des Hauses zu widerrathen, namentlich weisen sie auf die Nothwendigkeit hin, die rückständigen Budgetgeschäste baldigst zu erledigen. Die „Times" sucht Herrn Disraeli von einer Auflösung durch das Schreckgespenst einer aus den Neuwahlen zu erwartenden noch viel stärkeren Opposition, welche sofort ein Mißtrauensvotum gegen ihn beschließen werde, ab-- zuhalten. Eben diese Taktik der Abschreckung
ments Dordogne, Seine ° Jnferieure und Tarn, für die betreffenden mit Tode abgegangenen Abgeordneten entgegen. In dem zweiten der genannten Departements ist, wie der Telegraph heute meldet, ein Hr. Corneille mit großer Majorität gewählt worden, welcher voraussichtlich auch die regierungsfreundliche Gesinnung seines Vcrgängers haben dürfte.
Die holländische Opposition setzt nicht minder, fls die englische, alle Hebel in Bewe- gung, un das Ministerium zum Rücktritt zu bewegen. Die der Oppositionspartei angehörigen Senatsmiglieder haben bei demselben eine Adresse a. den König eingebracht, welche denselben ur Aenderung des Cabinets bitten soll. Der Sent, welcher am Dienstag den Antrag berathen wird, wird denselben hoffentlich als einen unonstitutionellen Eingriff in die freie Beschlußfffung der Krone zurückweisen.
Mähend die rumänische Regierung so ebep (vest. unten) eine ausführliche officielle berichtigeve Darlegung der Angelegenheit der Juden-Vsolgung erlassen hat, will die Wiener „Preffe" hon nieder von einer andern „Juden- Verfolgun" wissen, welche am Sonnabend in Baien sttgefunden hätte. Mehrere Juden sollen dall erschlagen worden sein. Don Galacz sei Militr dahin abgegangen. Die andere, ungeheuere Miltheilung, welche der „Preffe" gleichzeiticvon ihrem Galaczer Correspondenten gesandt trd, wonach 40,000 Mann (!!) russischer Cavlerie am Pruth erwartet würden und vor Galz demnächst eine Vereinigung der Kriegssche aller europäischen Mächte stattsinden werde, wl auf die Glaubwürdigkeit jener obigen Mittllung ein sehr verdächtiges Licht.
Gegüber den Berichten von brasilianischer Seite üb, den Stand der Dinge am La Plata ist von ;3 wiederholt auf die precaire Lage hingewies worden, in welcher sich die brafi- iianischen)anzerschiffe, welche Humaita passirt haben, ne jetzt zurück zu können, befinden müssen. ,ie in Buenos Ayres, als in einem Brasilienlliirten Lande erscheinende „Deutsche
Feuilleton -er Nordd. Allgem. Zeitung.
Berlin, den 4. Mai 1868.
Rupert Godwin.
Von M. G. Braddon.
Aus den? Englischen von August Kretzschmar.
47. Eapitel.
Ein Auferstandener.
(Fortsetzung.)
„Wo ich dieses Papier gefunden habe, wollen Sie wissen?" entgegnete der Buchhalter mit unerschütterlicher Kaltblütigkeit. „Ich war schon darauf gefaßt, Sie diese Frage thun zu hören. Ich will Ihnen sagen, wie ich zu diesem Papier gekommen bin. An dem Abend, wo Harley Westford zu Ihnen nach Wilmingon Hall kam, um das Geld, über wel- cheS diese Quittung ausgestellt worden, zurückzuver- langen, trug er einen leichten Ueberrock. Ach, Sie besinnen sich darauf, wie ich sehe! Der Abend war warm, und als der Capitain in das Speisezimmer trat, wo Sie und ich beim Dessert saßen, trug er diesen Ueberzieher auf dem Arm. Als er das Speise- zimmer verließ, warf er ihn über einen Stuhl. Hier fand ich ihn, nachdem ich den Zug verfehlt hatte und wieder nach Wilmingdon Hall zurückgekehrt war. Ich bin von Natur etwas neugierig und ich batte zu meiner Neugier an diesem Abend besondere Gründe. Deshalb war ich so frei, die Taschen in dem Ueberrock des Capitains zu untersuchen. Ich ward für diese meine Mühe sehr gut belohnt, denn in der Brusttasche fand ich dies Papier. Sie erkennen es recht wohl, wie ich sehe, Mr. Godwin, eS ist die Quittung, welche auch Sie an demselben Abend in derselben Tasche suchten, freilich ein wenig zu spat. Sie verrichteten Ihr Werk nur zur Hälfte, als Sie Capitain Westford den Dolchstich in den Rücken versetzten und ihn die Kellertreppe hinunterschleuderten, um ihn hier unbegraben und vergeffen liegen und verfaulen zu laffen."
„Gerechter Gott!" rief Clara mit einem lauten
Aufschrei des Schmerzes. „Dann ist also mein Gatte ermordet worden — von ihm, und Sie, Danielson, haben das Gehei'mniß seiner Ermordung gekannt? Sie haben es gekannt, ohne den teuflischen Mörder der verdienten Strafe zu überliefern?
„Still, still, MrS. Westford!" rief der Buch- Halter in fast gebieterischem Ton. f „Kein Wort! Ich sagte Ihnen, daß Ihnen heute die größte, die freudigste Ueberraschung bevorstünde, die Ihnen jemals in Ihrem Leben befchieden gewesen. Warten Sie und vertrauen Sie mir."
Mrs. Westford hatte sich in ihrem plötzlichen Schrecken vom Stuhl erhoben; die Art und Weise des alten Buchhalters aber übte eine solche Macht auf sie, daß sie, wenn auch gegen ihren eigenen Willen, wieder auf den Stuhl niedersank und bleich und athemloö mehr zu hören erwartete.
„Mr. Godwin," hob Danielson wieder au. „DaS Beste, was Sie thun können, ist, daß Sie dieses Geld ruhig und sofort bezahlen. Es kann Ihnen doch unmöglich daran liegen, öffentliche Nachforschun- gen angestellt zu sehen, wie ich in den Besitz deS Dokumentes gelangt bin."
„Es ist eine Fälschung!" keuchte der Banquier.
„Wirklich? Das ist, wenn Sie Mrs. West- ford's Anspruch streitig machen, eine Frage, die durch einen Gerichtshof entschieden werden muß. Und wenn dieser Fall einmal bei einem Gerichtshof anhängig gemacht worden ist, so können Sie sich darauf verlaffen, daß er bis auf das Genaueste erörtert wird. Das Geheimniß jener Sommernacht in Wilmindon Hall wird dem Publicum offenbar werden und dann —"
Jakob Danielson sprach diese Worte sehr langsam.
„Ich will das Geld bezahlen," rief Rupert Godwin, „aber Sie muffen mir Zeit laffen."
„Nicht einen Tag! Nicht eine Stunde! Ich kenne den Stand Ihrer Angelegenheiten. Dieses Geld muß bezahlt werden, ehe diese Damen dieses Haus verlaffen. Wenn Sie nicht so viel baar haben, so haben Sie doch Papiere, welche umgesetzt werden können. Auch ist dies noch nicht Alles, Mr. Godwin. Sie müsien ein Papier unterzeichnen, in wel- j chem Sie bekennen, daß datz Komment, kraft deffen
Sie sich in den Besitz des der Familie deS Capitains
gehörigen Hauses gesetzt —"
„Nein, das thue ich nicht," antwortete der Ban- guter trotzig, sprang dann, in plötzliche Wuth aus- brechend, aus und packte den alten Buchhalter bei der Kehle.
„Schurke! Heuchler Hund verworfener!" rief er. „Du hast mein Geld angenommen, Du hast vorgegeben, mir zu dienen, und nun kehrst Du Dich gegen mich und verräthst mich — Du, mein Sclave, die Creatur, die ich bezahlt, wie ich das gemeinste Scheuerweib in meinem Hause bezahle. Aber ich —"
Er ließ los, denn die Thür öffnete sich und einer der Comptoiristen sah mit neugierigem, verstör- tem Gesicht herein. Er hatte das auffällige Geräusch in dem Cabinet gehört.
Da aber in dem Augenblick, als der neugierige Eomptoirist hereinschaute, Rupert Godwin erschöpft in seinen Stuhl zurückiank, und Jacob Danielson in seiner gewohnten ehrerbietigen Haltung neben ihm stand, so murmelte der Eomptoirist eine Entschul- digung und zog fich, die Thür wieder schließend, zurück.
„Sie sehen, Mr. Godwin, daß Gewaltthätigkeiten hier nicht so sicher vor Entdeckung sind, wie in den Kellern des nördlichen Flügels. Das Haus eines Man- neS ist sein Schloß, aber es existirt doch ein kleiner Unter- schied zwischen einer gespenstischen Abtei inHertfordshire und einem Comptoir mitten in Lombardstreet", sagte Jacob mit ruhigem Nachdruck. „Ich sage Ihnen nochmals, Sie werden am besten thun, Ihren Cas- sirer zu rufen und ihm zu befehlen, Papiere im Be- trage von zwanzigtausend Pfund zu realisiren. Wie steht es mit den canadischen Prioritäten, die Sie kürzlich kauften? Sie sehen, daß ich Sie, selbst wenn Sie es am allerwenigsten glaubten, scharf im Auge gehabt habe. Diese Papiere sind sehr gut, sicher wie eine Banknote und leicht zu realisiren, ohne daß Ge- rausch oder Aufsehen damit verbunden wäre. Diese Papiere können Sie auf offenem Markte verkaufen Von den gefälschten Documenten wollen wir svät» sprechen."
Niemals war ohnmächtige Wuth in einen, menschlrchen Gesicht deutlicher sichtbar, als in dem des Banquiers, während er sich von dem Buchhalte
mehr vom (Aegenihekl. tzvpameri hat fest an ferner veralteten Colonialpolitik gehalten, obwohl andere Länder lange in anderem Sinne vorgegangen. Ich will den Vertrag in keiner Weise bemängeln, halte ihn sogar von großer politischer Bedeutung, aber ich habe geglaubt, wir sollten im Zollparlament Zeug- niß ablegen, daß der von mir angeregte Punkt einer der wichtigsten für den deutschen Handel ist. Während Spanien allein noch bei seiner verkehrten Eolonialpolitik beharrt, hat England dieselbe, durch welche es im vorigen Jahrhundert seine schönsten Provinzen ver- lor, lange verlaffen. Man sagt mir auch, in Spanien fange man an, die Verkehrtheit dieser Politik einzusehen. Persönlich habe ich noch einen anderen Grund zur Stellung meines Antrages. Wir haben nämlich in der Verwaltung des Norddeutschen Lloyd öfter in Betracht gezogen, eine regelmäßige Schiff- fahrt zwischen Deutschland und den spanischen Co- loniA; in Weftindien herzuftellen, aber stets haben es uns die Zollbeschränkungen unmöglich gemacht. Durch Beseitigung dieser Bestimmungen würde ein bedeutender Verkehr zwischen Deutschland und den spanischen Colonien sich entwickeln, der die heil- samsten Folgen für die deutsche Industrie zur Folge haben wird. In der Hoffnung, daß man in Spanien bald eine beffere Einsicht gewinnen wird, bitte ich neben der dringenden Empfehlung des Vertrages selbst, auch um Annahme meines Antrages.
Präsident des Bundeskanzleramts vr. Del- brück: Ick kann mich nach der bisherigen Debatte auf einige Bemerkungen zu dem Anträge des Vorredners beschränken. Ich habe zunächst einen eigen- thümlichen Zwischenfall zu constatiren. Vor drei Wochen wurde der vorliegende Vertrag im Congreß zu Madrid diScutirt.^ Auch die spanische Commission hat den Vertrag in ähnlicher Weise befürwortet, wie dies hier geschehen. Auch, wie beute, wurden nur Bemerkungen zu Artikel 17 des Vertrages gemacht, und wie hier, darüber Klage geführt, daß sich der Vertrag nicht auch auf die spanischen Colonien erstreckt und ein ähnlicher Antrag gestellt. In Spa- nien nun steht die Gesetzgebung und Verwaltung der Colonien ausdrücklich der Krone zu und ist die Nichtausdehnung deS Vertrages auf die Colonien lediglich diesem Umstande zuzuschreiben, weil der Colonial - Minister glaubte, derartige Bestimmungen nicht dem Congreffe zur Genehmigung vorlegen zu können. Es ist uns nun zu erkennen gegeben, daß mit Rücksicht auf den im spanischen Congreß allgemein
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Einigung fern zu halten." Wie uns Graf Bethufv mittheilt, hat derselbe sich jedoch folgendermaßen geäußert: „Je mehr ich mich auf dem Gebiete nationalen Strebens mit dem Herrn Vorredner Eins weiß, um fo mehr bedaure ich rc.
Reichstag.
— Die Abgg. vr. Waldeck und vr. Becker und 19 Mitglieder der Fortschrittspartei haben beim Präsidium des Reichstags folgenden Antrag eingereicht: „Der Reichstag wolle beschließen: den Bundeskanzler aufzufordern, eine Verbefferung der Lage der Post-Unterbeamten, welche angestellt sind a) auf Kündiaung, b) ohne Berechtigung zur Pension, e) mit der Verpflichtung, einen Abzug von 1 Procent zur Post-Armenkaffe zu erleiden, dabin eintreten zu laffen: daß wenigstens einem Theile dieser Beamten fixe Anstellung oder doch Pensions-Berechtigung nach einer gewiffen Dienstzeit gewährt, der Abzug ad c. aber überhaupt in Wegfall gebracht wird. — Motive. Der Reichstag hat in der Sitzung vom 24. April dieses JahreS be- schloffen, über die Petition verschiedener Post-Expedien- ten, betreffeno eine Verbefferung ihrer Stellung bei der Berathung des betreffenden Titels des Entwurfs zum Etat des Norddeutschen Bundes zu befinden. Auch die Post-Unterbeamten verdienen bei dieser Gelegenheit einer Berücksichtigung, da sie gegen die Unterbeamten anderer Zweige in den vorerwähnten Beziehungen sehr zurückstehen, der Beitrag zur Post-Armen-Kaffe aber seit Abschaffung der Pensions-Abzüge penstonsberech- tigter Beamten um so beschwerender für sie geworden ist.
— Herr A. Bernstein hat an den Reichstag eine Petition gerichtet, die Bundesregierung zur Veranstaltung einer Expedition aufzufordern, welche die Sonnen- finsterniß am 18. August beobachten soll, und zu diesem Zweck 6000 Thlr. zu bewilligen.
— Die Ausweisung aus Preußen wird auch im Reichstage zur Sprache kommen. Ein gewiffer Bur- Meister aus Gnoien in Mecklenburg ist von einem preußischen Gerichte als „Ausländer" des Sandes verwiesen worden, und reclamirt nun, wie die „Voff. Ztg." meldet, beim Reichstage daS Recht, in Preußen sich aufhalten zu dürfen.
Norddeutscher Bundesstaat.
Berlin, den 4. Mai.
Amtliches. Se. Maj. der König haben Aller- gnädigst geruht:
Dem Forstmeister a. D. Henkel, früher zu Bischbausen, jetzt zu Arnstadt im Fürstenthum Schwarzburg-
abwendetend eine vor ihm auf dem Tische stehende IkW %{i berührte.
<5ein Rufe wurde sofort entsprochen. Derselbe Cotoirist, welcher vorhin in das Zimmer hereiriqesät, schaute jetzt wieder herein.
„Derassirer!" sagte Rupert Godwin kurz.
Der mptoirist zog sich zurück und gleich darauf trat e anderer Mann ein.
„Sierben in meinem Aufträge gestern einige MpkaniftPapiere realifirt, nicht wahr?" sagte der Banquier.
„Za,iir!"
„Zu lchem Betrage?"
„Vieidzwanzig tausend drei hundert und zwanzig Pfund."
„Sieaerden dieser Dame die Summe von einundzwäg Tausend Pfund in Banknoten ein-
Der mquier zeigte, indem er dies sagte, auf >. Word. Der Kassirer gab durch seine ne en nicht geringen Grad von Ueberraschung i, vergte sich aber zustimmend, entfernte sich mv kam d darauf mit einem Packet Banknoten zurülk.
„Hmnd zwanzig zu fünfhundert und eilf zu tausend Pld," sagte der Kassirer, indem er das Packet sein Principal einhändigte.
„Gut Jetzt Ihren Depositenschein," sagte der Banqnier l Jakob Danielson.
Der uchhalter reichte Rurert Godwin den länglichen streifen Papier mit der einen Hand, während mit der anderen die Banknoten in Empfang chm.
,Hie' Mrs. Westford, ist das Vermögen, ,4 b Gatte sich durch jahrelange Mühen ll»v mit sefahr seines Lebens erworben," sagte ZM Nelson. „Die auf sein Haus bezüglichen DocunW werden von Mr. Godwin als gefälscht tinerka-int erden und Sie werden in Ihre Heimath .Mehr können, sobald es Ihnen beliebt.
„Mann dieses Geld nicht annehmen," ant-
"" Iss'ist ja Ihr Eigenthum."
»4 durch die Hände des Mörders meines gangen. An jeder dieser Banknoten klebt
meines Gatten Blut. Nicht Geld ist es, was ich suche, Mr. Danielson, sondern Gerechtigkeit — Gerechtigkeit gegen den Mann, der meinen Gatten ermordet hat."
„Sie ist von Sinnen!" rief Rupert Godwin mit heiserer Stimme. „Ich bin nicht gesonnen, mir auf diese Weise von einer Wahnsinnigen und einem Schurken in meinem eigenen Hause Trotz bieten zu laffen. Ich will
Seine Hand streckte sich nach der Glocke aus, aber er berührte dieselbe nicht.
| „Schlagen Sie diese Glocke immer an, Rupert Godwin," rief der alte Buchhalter. „Oder wenn I Sie es nicht thun wollen, so thue ich es."
Die hagern Finger des Buchhalters drückten auf die Feder der Glocke — nicht einmal, sondern dreimal nach einander.
„Was soll das heißen?" keuchte der Banquier.
„Es soll heißen, daß Sie in Ihrer Eigenschaft als Meuchelmörder eine eben so vollständige Nieder- läge erlitten haben, wie in Ihrer Eigenschaft als Geschäftsmann, Mr. Godwin," antwortete der Buchhalter kaltblütig. „ES soll Ihnen Gerechtigkeit widerfahren, Mrs. Westford," fuhr er zu Clara ge- wendet fort, „aber nicht gegen den Mörder Ihres Gatten, denn dieser hat den Streich, der sein Todesstreich sein sollte, überlebt. Er ist hier, um in eigener Person den Meuchelmörder und kecken Schwindler zu entlarven."
Kaum hatte der alte Buchhalter diese Worte gesprochen, so erschien die hohe, kräftige Gestalt deS KauffahrercapitainS auf der Schwelle und im nächsten Augenblick warf Clara Westford sich mit einem wilden krampfhaften Schrei in die Arme ihres Gatten.
Es war in der That, als ob er von den Todteu auferstanden wäre.
Harley Westford hatte sich seit der Stunde, wo er in der ganzen stolzen Kraft des Mannes- alters in diesem Zimmer gestanden, furchtbar verändert.
Sein sonst so blühendes Gesicht war eingefallen, seine sonst so wohlgenährte Gestalt war abgemagert, obschon die edlen Umriffe noch dieselben waren. Seine Züge waren bleich und abgehärmt,
dunkle Ringe umgaben seine freimütigen blauen Augen und tiefe Linien zogen sich um seinen Mund.
Als er aber sein Weib an seine Brust schloß, ward sein Antlitz von einem Licht verklärt, welches ihm auf einen Augenblick seinen ganzen früheren Glanz zurückgab.
„Ist es nicht ein Traum?" rief Clara, „ist es nicht ein Traum? O Harley, Harley, bist Du eS wirklich? Ich habe so viel, so viel gelitten! Diese Ueberraschung ist fast mehr als ich ertragen kann."
Diese Worte wurden unter krampfhaftem Schluchzen gesprochen und Violet lag ebenfalls weinend an der Schulter ihres Vaters. Der Capitain blickte von der Gattin zur Tochter. Unaussprechliche Liebe strahlte aus seinen Züaen, aber er war nicht im Stande, auch nur ein Wort hervorzubringen.
Er sank, von seinen Gefühlen überwältigt, auf einen Stuhl und sein Weib und sein Kind knieten zu beiden Seiten neben ihm nieder.
Rupert Godwin betrachtete dieses Bild mit dem Blick eines ohnmächtigen Dämons. Er besaß die Leidenschaften eines Jago, aber nicht den Triumph, welcher daS Herz des venetianischen Jntriguanten selbst in der Stunde der Niederlage erfreute. Er hatte nicht die grausame Genugthuung, den Ruin verwirklicht zu sehen, auf welchen er hingearbeitet. Er batte nichts erreicht — nicht einmal das Unglück des Nebenbuhlers, den er haßte.
»Ich sagte Ihnen schon, daß Sie Ihr Werk in jener Nacht zu Wilmingdon Hall nur zur Hälfte verrichtet hatten. Bei all Ihrer Klugheit haben Sie sich doch nur als Stümper erwiesen," rief der alte Buchhalter triumphirend.
Der Banquier stöhnte laut, aber er ließ keinen AuSruf der Ueberraschung, kein Wort der Frage hören. Das Verderben hatte ihn ereilt — so vollständig» so unerwartet, daß er sich völlig außer Stande sah, noch länger mit dem furchtbaren Schat- ten der Nemesis zu kämpfen. Er konnte sich bloS dumpfer, verstockter Verzweiflung hingebeu. Reue war seiner Natur fremd, denn Reue ist der Schmerz, den wir über das Unrecht fühlen, welches wir Andern zupefügt. Rupert Godwin's Schmerz galt bloS seiner eigenen Person.
(Fortsetzung folgt.)