ren datirenden Ueberhäufung der bestehenden Linien, sondern auch dem dringenden Bedürfniß nach Erweiterung des Telegraphenbetriebs in Sachsen abzuhelfen, werden in diesem Jahr im Bundesdirectionsbezirke Dresden verschiedene Telegraphenlinicn, -Leitungen und -Stationen neu arge- Legt werden.— Der Stadtrath hat den Prof. vr.Hultsch, einen eben so tüchtigen Philologen wie Pädagogen, zum Rector der Kreuzschule gewühlt, an der er bereits seit mehreren Jahren als Lehrer thätig gewesen. — Gegenwärtig wird hier eine Pfandleih-Actiengesellschaft mit einem Grundkapital von 500,000 Thlrn. gegründet. — Das Conservatorium der Musik in Leipzig feiert am 2 April sein 25jähriges Bestehen. Während dieses Zeitraums hat es beinahe 1560 Schüler und Schülerinnen gebildet. — Dem unsterblichen Tondichter Mendelssohn-Bartholdy wird in Leipzig ein würdi ges Standbild errichtet werden.
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* 24 Febr.*) Heute hielten vier, nicht Bevollmächtigte,
sondern vollmächtige Ochsen ihren feierlichen Auszug beim Kaiser der Franzosen. Ich stand an einem Fenster der Tuilerien, und übersah das ganze Schauspiel aus nächster Nähe. Wir Deutschen haben auch ein Heim, ein wahrhaft trauliches Plätzchen mitten in der Kaiserburg, das sind die Gemächer des Herzogs Tascher. Da schauen einen die treuen Augen des bayerischen Herrn voll freundlichen Wohlwollens an, während ein kleiner Stich altbaysrischer Tonart seinen klugen Worten die wohlthuende Würze frischer heimathlichsr Bsrgluft verleiht; da beschatten die dichten dunkeln Locken das wunderschöneAntlitz feiner Gemahlin, die vor Zeiten in München daherschritt, eine lebendige Mahnung an das strebsame Corps der Künstler daß ihr Können Stückwerk.
Der Tuilerienhof ist, soweit die Wohnung des Kaisers geht, durch ein Gitter von dem großen Hofe getrennt den die neugeöauten Verbindungsflüge! des alten Louvre und der alten Tuilerien umfangen. Das Ganze ist fetzt ein unabsehbarer Kaiserpalast.
Ich durchschritt diesen Sommer einmal diesen gewaltigen Hofraum an der Seite eines Deutschen der vor fünfzehn Jahren auch einmal in Paris war. Mitten auf dem Platz, angesichts dieser herrlichen Fronten, blieb er stehen, und sagte staunend: Denken Sie sich hier, wo wir jetzt stehen, ein Chaos alter hoher Häuser, von winkeligen Gassen durchzogen, eines der häßlichsten Viertel von Paris, eingekeilt zwischen düse beiden Paläste bis zum User der Seine! Er ist nicht mehr zu fasten, die Zusam- menfügung ist so organisch, die Paläste sehen so alt und grau aus, die Pracht ist so entsprechend, daß man glauben muß es sey immer so gewesen."
In diesem äußern Hof wogte das Volk, erwartend. Der Kaiser, die Kaiserin, der Sohn von Frankreich traten auf den purpmverbrämten Balcon, die Menge knäulte sich, und das dumpfe Rauschen das sie durchwogte bedeutete: die Ochsen kommen. Fanfaren, Trommler, bunte Schaaren, Standarten drängten zu einem Thore herein. Die kolossalen Thiere standen aus bekränzten Wagen, von reichem Gespanns gezogen, wahre Götzen. Und es sind auch Götzen, das Volk tritt in die Fasten weil es Gebot ist, Krrchengebot, nicht aus Drang der Buße und Entsagung. Darum thut es sich rasch noch einmal recht gütlich, und schleppt diese feisten Symbole letzter verzweifelter Schlemmerei drei Tage im Rausche mit sich. Als der Zug aus dem inneren Hof vor dem Kaiser defilirt hatte, löste ihn ein imposanteres Schauspiel ab. Der Kaiser winkte mit der Hand, und auf thaten sich die Gitterthore. In vier wirbelnden Keilen stürzte nun die Maste durch den freigegebenen Raum auf den Landesherrn zu. Ich riß die Augen auf, es sah gewaltig aus, Bilder der Revolution zogen durch die Seele. Aber es lebt kein Egalit6 der diese wilde Menge mit seinem giftigen rachedur- stigen Geiste durchsäuert hat. Stoff wäre genug vorhanden für einen neuen Egalitö und seine Helfershelfer, aber die Männer die jetzt eben in wilder Leidenschaft um das Symbol der Freiheit, die freie Presse, ringen, sind in kluger Resignation und warten auf ihre Tage. Vielleicht ist das alles was man von oben bezweckt — den Franzosen warten zu lehren und kämpfen zu lehren mit den Waffen des Gesetzes. Aber doch ist dieses Volk nicht ein solches zu d-m man Hinabrusen könnte: panem et circenscs! Sie tummeln sich seit drei Tagen in ihrer großen Stadt herum, und kehren nun beim Kaiser auch einmal vor, damit er auch ein Pläsirchen habe. Ihr Herz trägt sie nicht zu ihm, die Pariser nicht, die Wähler der Linken, sie schaaren sich nicht um ihren Landesfürsten, sie sind nur froh daß er cs versteht Ruhe zu erhalten, sie sehen nach ihm in ein wüstes Unbekanntes, moralische Anarchie herrscht im Lande, trostloser Zustand ohne Keime des Bleibenden. Jetzt kam Anlaß zu einem schallenden Gelächter, das aus einer solchen Maste hervor dem Grausen eines Bergsturzes ähnlich war. Auf einem Wagen mit ägyptischen Emblemen stand der Apis, ein gewaltiger Ochse, wie aus Stein gehauen. Niemand versah sich etwas. Plötzlich stieg dieses Thier auf, zum Kaiser empor und dann über ihn hinaus, der
der Regierung angezeigt daß er das Finanzministerium in Indien angenommen. — Am 3 d. Morgens gieng von London ein Bataillon Grenadiergarde, 540 Mann, nach Irland ab. Das in Folge besten aufs getauchte Gerücht von neuen Unruhen daselbst ist aber unbegründet, es handelt sich bloß um die regelmäßige Ablösung.
D Fl'ore»z, 3 März. Der Abg. Ferrara, Minister der Finanzen in der ersten Zeit des Cabinets 9iaitaföi, hat gestern die Discussion über den Zwangscurs der Noten der Nationalbank mit einer langen, interestanten, wenn auch wenig überzeugenden, wenig concludenten Rede eröffnet. Daß die Rede geringer» Eindruck gemacht hat als er Wohl hoffte, dürfte er sich selbst zuzuschreiben haben, insofern er bereits vor vier Tagen einen Aufsatz über denselben Gegenstand, der in der „Neuen Anthologie" erscheinen soll, als Manuscript gedruckt sämmtlichen Abgeordneten zugeschickt hatte, so daß alle Welt, che er den Mund aufthat, wußte was er sagen werde, und natürlich auch bereits mit der Kritik seiner Worte im reinen war. Nach Ferrara rührt das Unheil des Zwangscurses hauptsächlich daher daß derselbe als Privilegium den Noten der Nationalbank bewilligt worden ist. In Folge dieses Privilegiums hat die Bank ihre Notenausgabe übermäßig gesteigert. Diesem Uebelstand würde abgeholfen wenn der Staat der Bank das ihr bewilligte Privilegium entzöge, was er freilich nicht thuu kann ohne die 250 Millionen zurückzuzahlen, welche er von ihr bei Erthei- lung des Privilegiums entlehnt. Zu diesem Ende schlägt Ferrara vor:
*) Verspätet eitigetroffcu.