AuS Nassau, 24. Juli. Die gestern hierher gelangte Nnmmer der „Norddeutschen Allgem. Zeitung" widmet > der unglücklichen Jagdinftruktion, die bis jetzt nichts erzeugt hat als große Banden von Wilddieben und unsäglichen Wirr- wirr, wieder einen langen Leitartikel — es ist bis jetzt schon der dritte — voll warmer Anerkennung und noch wärmerer Angriffe gegen diejenigen, welche an die Trefflichkeit des Opus nicht glauben. Dabei beglückwünscht sie den Herzog Adolph von Nassau, daß es ihm gelungen sei, sich zwei Leibgehege zu rekonstruiren; dies schade der Landwirthsckaft gar nichts, es werde ja Wildschaden bezahlt. Letzteres ist ein Jrrthum. Nach dem von der hiesigen Bezirksregierung für die Verpach- tungkn vorgeschriebencn Schema findet eine solche Vergütung nicht statt. Auch kann dieselbe die zerstörten Saaten nicht ersetzen, sondern wäre nur ein Kapitalverbrauch zu produktionsfeindlichen Zwecken. Wenn ein Land 61,000 Bauern per Quadratmeile ernähren soll, dann ist dort für Hirsche kein Platz. Die Bevölkerung will dieselben ausrotten, die Regierung will sie kon- serviren. Verlohnt es wohl der Mühe, um dieser Thiere willen sich die Sympathien der Einwohner eines neu- erworbenen Landes zu verscherzen? Wer freilich den Artikel der „Norddeutschen Allg. Zeitung" liest, der könnte glauben, daß die Person des depossedirten Fürsten in Berlin schwerer ins Gewicht falle, als die 470,000 neuen Unterthanen. Die Sprache dieser Zeitung ist sehr verschieden von derjenigen der Proklamation vom 31. Juli 1866, in welcher es heißt:
„Die Okkupation des Landes Nassau ist nicht gegen die Be» völkerung, sondern gegen die bisherige Regierung gerichtet. Ich werde die Leiden des Krieges unter Heranziehung der randesherrlichen Einkünfte mildern und die Wohlfahrt des Landes zu fördern suchen. In diesen Bestrebungen rechne ich auf das Entgegenkommen der Bewohner, welche, unter Vor« antritt der gesetzlichen Vertreter des Landes, keinen Zweifel daran gelassen haben, daß sie an dem verderblichen Be- ginnen ihrer Regierung keinen Theil haben wollten."
Heute äußert sich die „Nordd. Allg. Ztg." ganz anders.
, Und Alles um eine Kuh!" sagt Heinrich Heine (nämlich um einer Hirschkuh willen). Gestern herrschte große Aufregung in der Stadt; die Adolphiten verkündigten, in Paris habe eine blutige Umwälzung stattgefunden, der Jndustriepalast sei gestürmt, der Kaiser habe sich genöthigt gesehen, dem Volke den Willen zu thun, die französische Armee sei im Anmarsch, um den Herzog auf seinen Thron wieder einzusetzen, und in acht Tagen werde nicht der König, sondern der Herzog wieder einziehen. Bei der herrschenden Mißstimmung finden Albernheiten dieser Art immerhin vielfach Glauben. Wenn übrigens die „Augsb. Allg. Ztg." meint, „die Fortschrittsleute würden dem Herzog Adolph, wenner wiederkomme, die Pferde ausspannen und den König still ziehen lassen", so ist das eine tolle Phantasie. Gleichzeitig berichtet dieses Blatt, es seien hier keine „weißgekleideten Jungfrauen" aufzutreiben, welche beim bevorstehenden Einzug des Königs fungiren wollten; die Wahrheit