§ Wiesbaden, 12. Juni. Was Ihnen in Betreff böj Abbruchs der Unterhandlungen mit Herzog Adolf vo/ hier unterm 8. telegraphirt wurde, bestätigt sich. Das Abkom^ men mit Sr. Hoheit war bereits vollständig ausgearbeitet undl soweit fertig, um paraphirt zu werden; da telegraphirte Herzog' Adolf aus der Schweiz, wo er eben weilte, nach Berlin: er verweigere diesen Abmachungen seine Unterschrift und er berufe seine Vertreter, Prinz Nicolaus und v. Heemskerck hiermit ab. Den letztgenannten Beiden blieb deßhalb nichts Anderes übrig, als, wie gemeldet, unverrichteter Sache hierher zurückzukehren. Charakteristisch ist die Art und Weise, wie nun von Seiten herzog­lich gesinnter Correspondenten in einer kleinen Anzahl ihnen dienst­barer Blätter dieser Vorfall dargestellt wird. Da wird z. B. derAugsburger Allg. Ztg." im Anschluß an die Mittheilung, daß der Herzog selbst die Ratification des (übrigens für ihn sehr günstigen) Vertrages verweigert hat, geschrieben:Es ist ein rührendes Zeichen der Anhänglichkeit des Herzogs an sein rheinisches Heimathland, daß er auf dem Besitz seiner (?) Domänen mit Festigkeit besteht, und deren ungewisse Re- venüen (??) einem festen Jahresgehalt an Geld vorzieht." Um von dem Umsang derungewissen Revenüen" ein kleines Bild zu entwerfen, lasse ich hier die Hauptposten aus einem Budgetentwurf der herzoglichen D o m ä n e n k a s s e fol­gen. (Es ist der für das Jahr 1864.) Einnahme: Forsten 600,000, Feldgüter 240,000, Weinberge 115,000, Grund­renten 116,905, Badeanstalten 153,000, Berg- und Hütten- werke 202,000, Jagd und Fischerei 31,000, Mühlen- und Bannrechte 5000, Gebäude 9000, Mainzoll 37,523, Mineral­wasserdebit 385,502, Zinsen von Activcapitalien 41,000, außer- ordentliche 13,000, verkaufte Früchte 160,000, zusammen 2,108,930 Fl. Einnahmen. Ausgaben: Obere Verwaltung 85,256, Lasten und Servituten 69,393, Betriebskosten der Grundstücke, Bergwerke k., sainmt Steuer, Kosten des Mineral­wasserdebits (letztere allein 259,207) rc. 983,054, Pensionen rc. 101,631, Schuld 325,849, Zuschuß zur Landessteuerkasse 50,748. Total 1,615,931 Fl. Ausgaben. Sonach Reinüber- schuß dem Herzog: 492,999 Fl. Wenn auch als gewiß angenommen werden darf, daß sich in den oben erwähnten Einnahmen bei Auslieferung der Domänen an den Herzog manche Posten verringern und andere ganz hiruvegfallen würden, so darr man doch auf der

anderen Seite nicht vergessen, daß auch in den Ausgaben Reductionen Statt finden müßten. Unter allen Umständen bieten jene Zahlen daher auch heute noch einen genügenden An- halt zur Beurtheilung der schönen Phrase von denungewissen Revenüen." Der Correspondent deutet zur näheren Begründung der Ungewißheit, darauf hin, daß schlechte Weinjahre Vor­kommen könnten. Von den oben aufgezählten 2 Millionen Fl. Domäneneinnahmen sind aber nur 115,000 Fl. Einnahmen aus 1